Text 1: ALLES ist EINS – aber DAS da ist MEINS!

”Dass es ums Teilen geht, ist die große Lüge der Sharing Economy.”

Ja, bei diesem Zitat stutzt man erst einmal. Doch damit nicht genug, denn der Artikel Der Terror des Teilens von Harald Staun in der FAZ wartet noch mit weiteren Überraschungen auf, wie im Folgenden deutlich wird:

”Weniger zu haben ist das neue Must-have.”

”Commons, das klingt, wenn man nicht so genau hinhört, wie eine Utopie, die einmal unter dem Namen Kommunismus bekannt war: Besitz ist irrelevant, alle helfen allen, womit am Ende auch das Glück des Einzelnen gewinnt. Es läuft aber womöglich genau auf das Gegenteil hinaus.”

”Wenn Dinge ihren Wert verlieren, ist Logistik alles.”

Der Ursprung vieler Probleme, die wir EINEN, wir Menschen, in die Welt bringen, liegt in der Verkennung der Begriffe ALLES und EINS, sowie der Missachtung des kleinen Unterschieds zwischen geteilt und verteilt.

Wird ein Kuchen in Teile geteilt und werden diese auf verschiedene Personen verteilt, dann zeigt sich die Absicht des Gastgebers darin, mittels des geteilten Kuchens und der verteilten Teile, seine Gäste glücklich zu machen, indem der Gastgeber das Glück seiner Gastgeberrolle auf seine Gäste verteilen kann. Ist der Kuchen komplett verteilt und sind alle Gäste, aufgrund des Genusses ihres Teils vom ganzen Kuchen, glücklich, hat der Gastgeber sein Ziel erreicht. Sowohl Gastgeber, wie auch die Gäste, sind nun glücklich, obwohl, nein, gerade weil, der Gastgeber keinen Kuchen mehr hat. Alles, was er zu geben hatte, ist nun nicht mehr vorhanden … und gerade dadurch sind nun alle Anwesenden Eins … nämlich glücklich, Geber, wie Nehmer.

Auch wenn das Kuchenbeispiel ein idealisiertes Beispiel ist, da normalerweise ;-) immer wer etwas zu meckern hat, oder eine Nahrungsunverträglichkeit, oder schlechte Erfahrungen gesammelt, oder allgemein einen schlechten Tag hat, so zeigt dieses Beispiel wo das Problem der Sharing Economy liegt. Es ist das Wort Economy, sprich, die Wirtschaft. Unter anderem bedeutet Economy auch Einsparung und Wirtschaftssystem, zwei Worte, die mit dem verteilten Glück eines Gastgebers nicht in Einklang zu bringen sind, eher aber mit den Systemvorstellungen von Unternehmen und ihren Untergebenen. Wie so oft steckt auch hier der Teufel mal wieder im Detail … oder sollte ich eher sagen in den Krümeln ?!
Sollen die Krümel nicht schweigen, wenn der Kuchen spricht ? Wie soll das funktionieren, kann es den Kuchen als Ganzes doch nicht geben, wenn es Krümel gibt. Daher kann ALLES auch nicht EINS sein, solange irgendjemand meint etwas von ALLEM sei seins … auf Kosten von Anderen. Da hilft es auch nicht diese Kosten als etwas anderes zu verkaufen, was sie eigentlich sind, und in diesem Rahmen geteilt mit verteilt gleichzusetzen, und obendrein einen Kuchen als Ganzes anzusehen, obwohl reichlich Krümel dagegen sprechen.

Ein Gastgeber, der seinen Gästen wirklich etwas zu geben vermag, handelt fern der Economy und fern des Profits. Kein Wunder, dass mit dem Begriff der Economy mehr und mehr Leid einhergeht und wahres Glück auf der Strecke bleibt, werden künstliche Netzwerke, seien sie wirtschaftlich, digital, oder sonstwie geartet, doch zu immer feingliedrigeren, geteilten Systemen. So folgert Harald Staun:

”… dass die Informationstechnik von heute Lebensbereiche erschließt, die bisher für eine Kommerzialisierung uninteressant waren. Das ist keine Rückkehr der Commons, es ist ihr Ende.”

In der Tat, was früher einmal Freundschaftsdienste waren, verkommt im Zeitalter des Internets mehr und mehr zur Gesellschaft von Mikrounternehmern, die allesamt keine Beziehung mehr zu einer glücklichen Gemeinschaft haben und sich als Krümel sehen, die etwas vom Kuchen abhaben wollen. Dass dieses paradoxe Ziel nicht ALLES sein kann, weil die Krümel keine Beziehung zur Gemeinschaft aller Krümel, sprich, dem Kuchen, haben, liegt auf jener Hand, mit der ein Gastgeber ein Teil des Kuchens auf die Teller seiner Gäste verteilt … dabei durchaus ein paar Krümel auf dem Tisch verlierend, ohne dass dieses dem gemeinsamen Glück der Anwesenden Leid zufügen würde.

Bewirkt die Economy gar, dass gemeinschaftliches Glück mehr und mehr auf immer mehr Einzelne verteilt wird und es so immer weniger als Glück empfunden werden kann, weil die Einzelnen zunehmend voneinander geteilt sind, im Sinne von getrennt ? Ja, der Teufel steckt fürwahr im Detail. In jedem Einzelnen von uns, sowie in jedem einzelnen Krümel des ganzen Kuchens … und je weniger sich Krümel als Teil des Kuchens empfinden, desto mehr muss die Trennung durch logistische und mobile Herausforderungen zum Schein gelöst werden. Doch das hat seinen Preis, auch im Jahr 2017 … und sei es nur auf Kosten von Zeit, die für immer mehr Krümel immer schneller zu vergehen scheint. Wenn das mal keine idealen Rahmenbedingungen für Krümelmonster verschiedenster Arten sind …

ALLES wird wieder EINS ist nicht damit gleichzusetzen, dass sich alle Krümel wieder zusammenfinden, um erneut zu jenem Kuchen zu werden, welcher er war, bevor der Gastgeber den ersten teilenden Schnitt getan hatte. Weit gefehlt. Dass wieder ALLES EINS ist bedeutet keine Rückkehr, sondern vielmehr das gemeinsame Zusammenkommen verschiedenster Erfahrungen von Krümeln jenseits des Kuchenseins … um wieder zu einem anderen Kuchen zu werden über den keiner geteilter Meinung sein kann, weil ALLE wieder EINS sind. EINE ANDERE gemeinsame Teilhabe am GANZEN, ganz ohne meins und deins – in Kohärenz.

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