Text 3: Die fabelhafte Geschichte vom Dorfgeist aus der Retorte

Es trug sich zu, wann genau weiß niemand mehr genau, dass sich das Bewusstsein selbst verwirklichen wollte. Es zog umher, probierte aus, ganz Kind, gemeinsam umsorgt von Mutter Natur. Schließlich fand es einen Platz an dem es sich augenscheinlich länger leben ließ. So wurde das Bewusstsein sesshaft und machte fortan Dinge, die es nie zuvor für möglich gehalten hatte, wohl eher jedoch war das Unmögliche aber bis dahin unnötig gewesen, bis es, im Rahmen von Fortschritt, notwendig wurde. Vereinzelte Gruppen von Menschen verkörperten all diese Möglichkeiten der Unabhängigkeit. Da aber in der Notwendigkeit eines wesentlichen Prozesses, der bis heute kaum verstanden oder aber gänzlich ignoriert wird, immer mehr möglich wurde, weil das Fortbestehen des Unverständnisses bzw. die Verdrängung des geheimnisvollen Prozesses immer notwendiger wurde, wurden aus vereinzelten Gruppen schließlich Dörfer, Städte und gar Metropolen. Diese muten heutzutage derart modern an, weil das Unverständnis über das GANZE mittlerweile ziemlich weit fortgeschritten bzw. das Verständnis nahezu in Vergessenheit geraten ist. Da fragen sich die Menschen auch weiterhin nicht, zärtlich über die glatten Oberflächen ihrer bisherigen Errungenschaften streichend, ob es weiter Sinn machen würde, den gewohnten Weg weiter zu verfolgen, nein, entdecken sie für sich und ihresgleichen doch unzählige weitere Möglichkeiten, um ihr Verständnis von Harmonie, nicht aber von der HARMONIE des GANZEN, vielleicht dergestalt verwirklichen zu können, wie es ihre Vorfahren bereits versucht hatten, nachdem sie sesshaft geworden waren.

Manch einer baut(e) seinen Traum über den Köpfen anderer, andere fanden sich zusammen, wie damals, vor langer, langer Zeit, und überlegten sich ein Dorf wie einst, nur moderner. Wenige ließen auch das Moderne außen vor, viele waren mit dem zufrieden wie es heute ist, doch manch EINER gab keine Ruhe und wollte endlich etwas nie Dagewesenes, das wirklich harmonisch war.

Gesagt, getan …  Masdar City wurde geboren, allerdings … und man ahnt es schon, wohin dies führen würde … auf künstlichem Wege. Eine Menge Geld, wenn nicht noch mehr, ist dabei im Spiel und viel Ansehen steht auf selbigem. Diese Stadt der Städte wird beschrieben als EINE einzigartige Perle, entworfen und gedacht, um höchste Lebensqualität mit niedrigstmöglichem ökologischen Fußabdruck zu bieten, dabei noch in jeglicher Hinsicht kommerziellen menschlichen Ansprüchen genügend. Nicht Disturbia, nicht Suburbia, nicht Utopia, sondern Schlarrafia, Elysion nicht unähnlich … aber Elysium immer ähnlicher werdend.

Doch kommt es wie es immer kommt, obwohl es kaum EINERzu sehen vermag bzw. einzugestehen mag, wenn die Harmonie des Menschen mit der HARMONIE des GANZEN gleichgesetzt wird. Masdar City ist da keine Ausnahme, jedoch ein Symptom offenbarend, welches so allgegenwärtig ist in der modernen Realität, wie der Sand auf dem Traumschlösser, -burgen, oder -städte erbaut werden. Ein Symptom, welches zwar den Geist der HARMONIE in sich trägt und doch nur einen Hauch von Harmonie verbreiten kann, sei es in Form alternativer Lebensweisen, Dörfer, Städteplanungen, Geldsysteme, Partnerschaften, Stromversorgungen, … kurz: Wünsche erfüllende Flaschengeister wohnen eben nicht in Retorten.

Dieses Symptom nennt sich Vorausplanung. Es ist EINEtypisch menschliche Eigenschaft, die über den unmittelbaren Augenblick mitunter weit hinausgeht. Man könnte es gar Intelligent Design nennen, oder aber, aus Sicht des erschaffenden Menschens, als Kreationismus bezeichnen, geht es doch darum, etwas zu erschaffen, was von Natur aus überhaupt nicht gegeben ist bzw. im Voraus erdacht wurde und letztendlich realisiert wird.

Menschen planen unentwegt etwas im Voraus, in der Hoffnung dadurch etwas zu erreichen, was ihnen entweder abhanden gekommen ist, oder was ihnen, ihrer Meinung nach fehlt, eben um dem menschlichen Verständnis von Harmonie näher zu kommen, meistens jedoch auf Kosten der HARMONIE … welche jedoch in der ausbalancierenden Währung der natürlichen Ordnung beglichen werden. Die ökotaugliche Wüstenstadt vom Reißbrett ist daher ein solches kostspieliges Symptom, genauso all die Projekte im Kleinen.

In Wirklichkeit jedoch geht das Leben als Ganzes die Realität ganz ANDERS an, nämlich als Fortführung dessen, was bereits da ist, welches jedoch, in einen ANDEREN Kontext gesetzt, plötzlich als etwas völlig Neues erscheint, scheinbar dem Zufall entsprungen, wenn es aus Sicht des Menschen betrachtet wird.
Auch wir Menschen setzen Vertrautes in einen, für das Vertraute, ungewohnten Kontext, nur sind wir uns dieses Prozesses in seiner Trag- und Reichweite nicht so ganz bewusst. Nassim Taleb bringt diesbezüglich in seinem Buch Antifragilität folgende Beispiele, die allesamt als etwas Anderes gedacht waren, um schließlich, anders angewandt, weltweit zum Erfolg zu werden, wenn auch nicht ganz unproblematisch … doch dafür sind wir Menschen ja, nicht nur, stadtbekannt:

1)  Räder an sich und Räder unter Koffern speziell
2)  Coca-Cola
3)  das Internet

Nun, dem Auge von Lebewesen und dem Flagellenmotor der Bakterien, um nur zwei natürliche Beispiele zu nennen, erging es nicht anders – wenn auch im Wesentlichen ANDERS, doch das ist EINE ANDERE Geschichte für später.
Leben ist, so betrachtet, die bewusste Entfaltung von Potenzial, aufgrund von Möglichkeiten innerhalb einer allumfassenden Notwendigkeit … doch ist das nur die ”halbe” Geschichte. Diese ”Hälfte” verdeutlicht aber, wofür der Mensch irgendwann ins Spiel gekommen war: Um vorausplanend auf Sand zu bauen, was notwendigerweise möglich wurde, obwohl das, was er plant(e), nicht zu dem Ergebnis führt(e), wie es zuvor geplant worden war. Wofür wir wirklich vorausplanen, ist für die andere ”Hälfte” der Geschichte, auch wenn aus dem Geplanten dann letztendlich etwas ganz A N D E R E S werden wird, doch nur, weil es in der ersten ”Hälfte” nicht erfolgreich und dauerhaft zu dem werden konnte, wonach menschliche Harmonie in besagter erster ”Hälfte” verlangte. Verrückt, oder?

Der Rahmen dieser ”Hälfte” ist nun nahezu ausgefüllt, wie die untere Hälfte einer Sanduhr kosmischen Ausmaßes. Viele Möglichkeiten liegen bereits unter Sand begraben, oder wurden auf Sand gebaut, manchmal ist Sand im Getriebe, und vieles streut uns EINEN Sand in die Augen … und hier und da liegt manches wegen einer Sandbank auf dem Trockenen. Aber so ist das in einem endlichen Universum, welches zugleich jener allumfassende Rahmen ist, in dem sich ALLES Mögliche, aufgrund einer Notwendigkeit, abzuspielen vermag. Im Höhepunkt dieser Raumforderung wird die Sanduhr umgedreht werden und die Vorzeichen sich ändern. Die Notwendigkeit bleibt, doch mit den Vorzeichen ändern sich auch die Möglichkeiten, auf das zurückgreifend, was zuvor nicht realisierbar war, obwohl die Möglichkeiten als unendlich vorausgesetzt wurden. Oder ganz anders ausgedrückt, mit den typischen Worten einer Fabel: Jenseits des Höhepunkts wird all der Sand mit Wasser gemischt werden … und Kinder wissen, was alles aus dieser Mischung hervorgehen kann. Wir EINEN, groß und klein, werden entdecken, was alles ans Licht der Sonne kommen wird, wenn immer mehr Sand mit Wasser gebunden wird … hält doch auch hier das Sonnenlicht, durch Anwesenheit von Wasser, die einzelnen Sandkörner gemäß ‘like-likes-like’ zusammen …

Was in der zweiten ”Hälfte” dieser fabelhaften Geschichte geschehen bzw. überflüssig werden wird, ist indes EINE ganz ANDERE Geschichte, doch nur aufgrund der ersten ”Hälfte”. Die reale Bildersprache erzählt sie unentwegt,  grammatisch  korrekt … ganz im Zeichen der HARMONIE … und im Sinne des Lebens als ein GANZES.

phiklein

Zwei ”Hälften”, die keine halben Sachen machen, sondern immer im Sinne eines GANZEN sind. Dem, der den Kopf nicht in den Sand steckt, offenbart sie sich auf Schritt und Tritt … überall dort, wo nicht vorausgeplant wird und dort, wo es eben doch geschieht.

Und die Moral von der Geschichte ?
Egal, welchen Wunsch wir Menschen der Harmonie wegen auch hegen, weder Flaschengeist, noch kunstvolle Lösungsversprechen aus der Retorte, vermögen der HARMONIE das Wasser zu reichen. Doch alles Große war auch einmal Klein … und wo heute nur Sand ist, war einst auch Grün.

There is harm in monotony … but a solution for everything in HARMONY.

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