Text 10: Die Desinformation der Körpergemeinschaft

Oftmals erkennt man im Kleinen, was sich ohne Weiteres auch auf das Größere, wenn nicht gar auf das GANZE an sich, übertragen lässt. Kinder, die auf eine neue Schule wechseln und neue Busverbindungen nutzen, müssen, um dorthin gelangen zu können, sich erst einmal in dieser ungewohnten Situation zurechtfinden und zahlreiche Eindrücke verarbeiten. Welcher Bus ist der richtige ? Welche Busnummer war es doch noch gleich ? Wo muss ich aussteigen ? Was ist, wenn es der falsche Bus ist, in den ich steige ? Erkennt ein Kind nun vor einem Bus ein ihm bekanntes Gesicht aus der eigenen Nachbarschaft, wissend, dass dieses bekannte Kind schon seit längerem an jener Schule ist, auf welche das Kind nun wechselt, und daher offensichtlich den gleichen Bus benutzt, dann werden manche Eindrücke zur Information, auf die sich das Kind verlassen kann, erst recht, wenn das ältere Kind dem jüngeren vertraut ist, weil es z. B. der Bruder eines Freundes des jüngeren Kindes ist. Daher kann diese Exformation der Information den entsprechenden Rahmen gewähren und das Vertrauen des jüngeren Kindes in die gewonnene Information bestärken, weil sowohl der Freund, als auch dessen Bruder, Teil der Geschichte des jüngeren Kindes sind.

Wären doch nur mehr Menschen in der Lage es diesem Kind gleichzutun, allen voran Forscher, die noch immer die Meinung vertreten, dass technologischer Fortschritt der Menschheit als Ganzes dient, wenn nicht gar dem Leben selbst. Dass es eben nicht so ist, zeigt sich z. B. auch in der Stammzellenforschung und in der Ursachenforschung für die sogenannten Zivilisationskrankheiten, insbesondere Demenz, Krebs, Diabetes, …

Auf den ersten Blick machen Stammzellen und ihre Möglichkeiten für die moderne Medizin einen guten Eindruck, versprechen sie doch enormes Potenzial an Heilungschancen für zahlreiche Krankheiten. Auf den zweiten Blick jedoch sieht die Sache schon anders aus, denn die wesentliche Einschränkung von Stammzellen liegt darin begründet, dass sie keinerlei Beziehung zum Werdegang des Körper haben, in den sie letztendlich, in welcher (Organ)Form auch immer, eingebracht werden, oder aber, wenn es doch eine Beziehung gibt, diese derart verzerrt wird, indem sie durch künstliche Spezialisierung der Stammzellen ersetzt wird. Pflanzt man, wie bisher, fremde Organe in einen Körper ein, muss der Körper mittels Medikamenten immerfort davon überzeugt werden, dass der Körper und das ihm fremde Organ sich doch bestens kennen, sprich, dem Körper wird medikamentös eine Geschichte erzählt, die nicht wahr ist. Medikamentös werden somit Informationen beseitigt, um Exformation auf die Schnelle zu schaffen, damit aus einem Datensatz, dem Organ, Informationen werden, nämlich die Funktionen des Organs für den Körper – als ob Organ und Körper miteinander aufgewachsen wären.

Bei Organen, die nachträglich aus Stammzellen herangezüchtet werden, und sei es nur ein Zahn oder etwas Gewebe, fällt zwar die medikamentöse Überredungskunst weg, nebst ihren direkten Nebenwirkungen, aber dafür verliert der Körper mit jedem Organ, welches im Nachhinein mittels Stammzellen außerhalb des Körpers gezüchtet wurde, ein Teil des Gemeinschaftsgefühls, denn die Vorgeschichte, die zur Erkrankung führte und das Organ, daraus hervorgehend, notwendig macht, ist den Stammzellen nicht bekannt bzw. nur einer befremdlichen Erinnerung gleich. Daher wird der Körper im Laufe von eventuellen weiteren Eingriffen zum Spiegelbild jener Gesellschaft, die in der Stammzellentherapie selbst die Lösung von Problemen sieht, zu deren eigentlichem Ursprung diese aber keine Beziehung mehr hat.
So gesehen überträgt die Stammzellentherapie das äußere Gesellschaftsbild auf die innere Körpergemeinschaft, soweit sie denn überhaupt noch intakt ist, was zum aktuellen Stand unseres Fortschritts von der Gemeinschaft des Lebens eher unwahrscheinlich ist bzw. immer unwahrscheinlicher wird. Es mag zwar der Austausch eines erkrankten Organs bzw. Bereiches manch naheliegendes körperliches Problem vorerst lösen, doch der Kern der eigentlichen Problematik bleibt davon unberührt … so, als säße das eingangs erwähnte Kind in einem Bus voller Gesichter, die dem Bruder eines Freundes allesamt sehr ähnlich sind, was, in diesem Fall, dem Kind genügen würde, um überzeugt zu sein, dass es im richtigen Bus zur neuen Schule sitzt … nur um bald festzustellen, dass jedes einzelne Gesicht bzw. Kind an ganz unterschiedlichen Stationen aussteigt. Genau dieser Prozess würde im Laufe der Zukunft, in der sich die Stammzellentherapie mehr und mehr etabliert, für reichlich neues Potenzial im Körper sorgen, Unstimmigkeiten in der Geschichte des Körpers durch Symptome zum Ausdruck zu bringen, wie es sie bisher in dieser Form noch nicht gegeben hat. Es kommt zu neuen Problemen durch Desinformationen, die umso dramatischer ausfallen, je mehr der Körper bereits schon vergesellschaftet ist, z. B. durch Zivilisationskrankheiten, Umwelteinflüsse und bereits bestehende Gesellschaftsnormen.

Bestes Beispiel diesbezüglich ist die zunehmende Verbreitung von Demenzerkrankungen, die sich immer mehr in den Gesellschaften der fortschrittlichen Menschheit ausbreiten, allem voran der sogenannte Alzheimer. Die bisherige Zunahme des Durchschnittsalters dieser Gesellschaften lässt, so betrachtet, das kollektive Gehirn altern, während zugleich Anzeichen von Erschöpfungen allgegenwertig werden. Das kollektive Gehirn verliert seinen Zugang zum Informationsfluss und kann mit den Datenströmen des Fortschritts nicht mehr Schritt halten, nicht, weil der Körper fehlerhaft ist, sondern, weil der Informationsfluss für das Leben wesentlich, der Datenstrom aber im Wesentlichen unnötig ist. Die Beziehungen der Menschen zueinander, innerhalb dieser Gesellschaften, gehen dadurch bedingt ebenfalls verloren bzw. kommen aufgrund der Gesellschaftsnormen und -formen und ihrer Kultur(en) erst gar nicht zustande, ganz im Gegensatz zu einer Gemeinschaft.
Gesellschaften werden so zunehmend zu einem Flickenteppich ganz verschiedener Geschichten und Fragmente, ohne je an einer gemeinsamen Geschichte interessiert zu sein, ohne aus der Exformation der Lebensgemeinschaft zu schöpfen, weil mehr und mehr beziehungslose Datenströme ihren Alltag bestimmen und beeinflussen. Demenz, aufgrund digitaler Erschöpfung, und nicht digitale Demenz aufgrund körperlicher Erschöpfung.
Vielleicht sollte Demenz daher als Erkrankung einer erschöpften Gesellschaft im Ganzen verstanden werden, einer Gesellschaft, die immer weniger im Sinne des Lebens zu schöpfen imstande ist. Diese Erschöpfung kommt in einzelnen Betroffenen symptomatisch zum Ausdruck und kann nicht geheilt werden, indem man diesen Einzelnen eine Therapie zukommen lässt, um diese Therapie letztendlich der Allgemeinheit zukommen zu lassen. Der Kern der Problematik käme auch hier nicht ans Licht und könnte weiter für ganz andere Probleme sorgen.

Da nutzen auch keine Forschungen an Mäusen in Laboren, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was man den Menschen ”in freier Wildbahn” angedeihen lassen könnte, damit endlich geheilt würde, was jedoch keineswegs geheilt werden kann, solange immer mehr gesellschaftstaugliche Geschichten in Umlauf gebracht werden, die nichts gemeinsam haben … abgesehen davon, den Ursprung von Problemen nicht zu thematisieren und das Gefühl für selbigen nicht zu kultivieren, aus Angst davor, was daraus hervorgehen und bisher Gewohntes verändern könnte.
Warum Mäuse in der Medizin als Menschen taugen mögen, kann hier nachgelsen werden. Warum diese Idee sich hartknäckig hält und in isolierten Laboren noch immer eingesperrte Mäuse, die nie mit Sonnenlicht in Kontakt kamen, fortschrittliche Freiheiten verkörpern sollen, wird in diesem Artikel jedoch nicht beantwortet. Dabei ist es sehr bezeichnend, dass gar nicht mal das ähnliche Genom von Maus und Mensch für heilsame Rückschlüsse taugt, sondern die Lebensumstände, unter denen die Labormäuse gezüchtet werden und anschließend zum Einsatz kommen, denn menschliche Gesellschaftformen werden den Lebensbedingungen von Labormäusen immer ähnlicher. Deshalb zielt die Forschung auf die Genetik, nicht aber auf die Epigenetik, die Geschichte, die in der Genetik zum Ausdruck kommt …

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