Text 11: Die Digitalisierung des Informationsflusses

Um ein Problem zu lösen bedarf es der Bewusstwerdung des Problems an sich, mitsamt der begleitenden Problematik, ausgehend vom Ursprung des Problems. Um aber das PROBLEM zu lösen, dessen Bewusstwerdung durch das bisherige Leben als Ganzes verkörpert wird, bedarf es für jene, die das PROBLEM nicht als solches wahrnehmen, einer Analogie aus ihrem alltäglichen Umfeld, um sich der realisierten Problematik auf anderem Wege bewusst(er) zu werden … was allerdings nicht von vornherein erfolgsversprechend ist, wie es alltäglich, zum Beispiel, am Beispiel der sogenannten Kinderkrankheiten in den Massenmedien deutlich wird. Doch ist der realisierte Alltag nur die Karte des wirklichen Terrains und mit alltäglichen Werkzeugen wortgewandter Beschreibungen nicht direkt vermittelbar. Dass die Masse der modernen Menschen, Zivilisationen genannt, sich als sehr fortschrittlich ansieht, zeugt indes vom Trägheitswiderstand der Wirklichkeit, dahingehend, der Wahrheit, unmittelbar ins Auge sehen zu wollen.

Doch kommen wir zu besagter Analogie, die (vielleicht) darzulegen vermag, warum die Masse der Menschen mehr und mehr der Digitalisierung des Lebens verfällt und anstatt auf die Wegweiser zu achten, die den Lösungsweg des PROBLEMS säumen, in der Digitalisierung selbst die Lösung unserer Probleme sieht, so als könnte man mit immer mehr Daten, die ein Symptom beschreiben, die eigentliche Krankheit heilen. Diese Analogie ist weitverbreitet und dem modernen Menschen sehr vertraut, zumal sie ihn inzwischen auf Schritt und Tritt begleiten kann.

Der Vergleich eines einmaligen Konzerterlebnisses mit einer Schallplattenaufnahme des Konzerts und einer mp3-Datei desselben Konzerts soll aufzeigen, was die Digitalisierung wirklich im Schilde führt und warum viele Menschen meinen, dass sich mit dieser Digitalisierung die Lösungen vieler aktueller Probleme realisieren lassen, wie es zum Beispiel im hier verlinkten Loblied auf das sogenannte Internet der Dinge vermittelt wird. Auch die erhoffte Vereinfachung unseres Alltags durch Smartphones oder Unternehmen wie Smart Things begeht selbigen (Irr)Weg, parallel zum Lösungsweg des PROBLEMS verlaufend, aber die Bewusstwerdung der eigentlichen Problematik eher durch weitere Realisierungen geistreicher Ideen ersetzend, dabei eigene Möglichkeiten in den Vordergrund stellend und das All-Gemeine vernachlässigend … was durchaus zu manch einem Horrortrip werden kann.

Konzert

  • das Konzert ist live und beinhaltet alle Schwingungen, die bewusst, wie unbewusst und unterbewusst wirken,
  • ein selbst erlebtes Konzert ist einmalig,
  • es hat einen eigenen Rahmen und erschafft somit einen eigenen Kontext,
  • dieser Rahmen bzw. Kontext beinhaltet alle Möglichkeiten der Augenblicke der Darbietung,
  • das Konzert ist die Quelle, in der sämtliche Erinnerungen an dieses Konzert wurzeln, wenn man denn vor Ort zugegen war.

Schallplatte

  • die Aufnahme ist analog und entspricht einer Reduzierung der Schwingungen des Konzerts selbst,
  • die Plattenaufnahme des Konzerts kann beliebig oft abgespielt werden,
  • die Musik kann kontextunabhängig in anderen Kontexten, sprich, häuslichen Umgebungen, abgerufen werden, zu beliebigen Zeiten,
  • die Platte beinhaltet alle Möglichkeiten des Aufnahmemediums und bedient das Erinnerungsvermögen bzw. Vorstellungsvermögen des jeweiligen Hörers der Platte,
  • die Platte vermittelt nur einen Bruchteil des Rahmens des Konzerts und stellt diese Bruchteile denen zur Verfügung, in deren Besitz sich eine derartige Platte befindet.

mp3-Datei

  • die Aufnahme ist digital und somit frei von Schwingungen
  • im Grunde gilt für eine mp3-Datei des gesamten Konzerts, was für die Schallplatte gilt, aber eine mp3-Datei, sprich, die Digitalisierung der analogen Plattenaufnahme, ermöglicht, was der Schallplatte, zum einen, nicht möglich und, zum anderen, nicht in einem solchen Ausmaß möglich ist, nämlich:
    • das beliebige Kopieren, Zerlegen und Verändern des Konzertmitschnitts (!),
    • die Schaffung völlig neuer Kontexte und die Manipulation des Originals dahingehend, dass die Atmosphäre verändert werden kann, um vorzugeben, was nicht direkt während des Konzerts geschehen ist,
    • woraus sich für Andere Möglichkeiten ergeben, die jene, die vor Ort waren und das Konzert direkt erlebt haben, so nicht erleben konnten.

Der Informationsfluss, der sich demjenigen, der vor Ort war, bot und somit der Quelle der Exformation entspringt, in Form des gesamten Konzerts, inklusive, zum Beispiel, der Vorfreude auf und der Anreise zum Konzert, wird somit, über die Möglichkeiten der analogen Schallplatte, hin zu den Möglichkeiten der digitalen mp3-Datei, auf umso mehr voneinander unabhängige Kanäle gelenkt, je mehr Kopien des Originals einen Hörer erreichen. Je mehr Verbreitung die Kopien erfahren und je mehr einzelne Kopien von der Exformation des Originals abweichen, desto mehr geht die Bindung an das Original verloren, wobei die Beschleunigung dieser Entbindung, durch die Digitalisierung selbst, die Möglichkeiten der Entfremdung vom Ursprünglichen fördert. Bedingt durch neue Kontexte, in denen die Kopie gehört werden kann, denn einen Plattenspieler führt(e) man in der Regel selten mit sich.
Sicherlich ist die Musik des Konzerts in allen drei Fällen gleich … und doch ist das, was sie jeweils zu vermitteln vermag, in allen drei Fällen ganz verschieden, denn je mehr Hörer nicht direkt vor Ort waren, desto mehr verschiedene Vorstellungen entstehen von diesem Konzert in der Summe aller Zuhörer, inklusive derer, die vor Ort waren. Oder ganz anders ausgedrückt: die Digitalisierung lässt aus dem wirklichen Ereignis bzw. Erlebnis vor Ort ein Mehrspaltexperiment hervorgehen, in Anlehnung an das berühmte Doppelspaltexperiment der Quantenmechanik.

Das wird umso deutlicher, wenn man sich mal bildhaft macht, was mit der Exformation des Konzerts, dem Kern des Erlebnisses, geschieht, wenn sie vom Ursprung entfremdet und auf Schallplatte gepresst bzw. in eine mp3-Datei umgewandelt wird:

konzert

schallplatte

mpdatei

Letzteres zeigt die sprichwörtliche Quadratur des Kreises, sprich, den Versuch, das gesamte Konzert, inklusive der Vorfreude, der Vorbereitungen, der Atmospäre, des Gemeinschaftsgefühls, der Emotionen, …, und damit das Ganze, zu digitalisieren. Digitalisierung ist stets der Versuch einer Annäherung an das Original mit den jeweils aktuellen Möglichkeiten des technologischen Fortschritts, was sich in diesem Fall als Auflösungsvermögen zeigt, worin sich aber auch das Maß der Entfremdung aller Hörer vom Original widerspiegelt, denn die Erhöhung des Auflösungsvermögens der digitalen Technik und ihres Mediums ( z. B. mp3-Datei ) hat nichts mit dem Vermögen gemein das eingangs erwähnte PROBLEM auflösen zu können. Ganz im Gegenteil.

Das Zerhacken des Informationsflusses durch uns Menschen in eine Aneinanderreihung von Spalten ist typisch für die Gestaltung unserer Welt, weil das Fließende ( Wellen ) durch immer mehr Spalten ( zunehmendes Auflösungsvermögen ) in immer mehr verschiedene Einzelbilder ( Teilchen ) verdichtet wird, schließlich verinnerlichen wir die Digitalisierung inzwischen derart, dass immer mehr Bereiche des alltäglichen Lebens durch die Mehrspaltigkeit unserer Wahrnehmung geschickt werden.
Was geschieht aber, wenn Konzerte durch Kriegsschauplätze ersetzt werden oder durch andere weitreichende Ereignisse, die von manchen direkt am eigenen Leib erlebt und von vielen anderen durch verschiedene Medien später nachgelebt werden, ohne die Exformation aller Augenblicke, die das Ereignis im Original letztendlich in seiner gesamten Tiefe ausmachen ? Wie kann man vom Digitalisieren Lösungen für Probleme erwarten, wenn der Digitalisierung gar keine Informationen darüber zur Verfügung stehen, was der Ursprung des Problems ist, weil die Wurzeln zum Ursprung zwischen den Spalten verschwunden sind und sich zunehmend Oberflächligkeit breit macht?

In der Natur dagegen (oh Wunder, Cradle-to-Cradle genannt) gibt es keine derartigen Spalten und erst recht keine Spalter. Schickt man einen Informationsfluss durch die Wildnis, dann kommt dabei etwas ganz ANDERES heraus. Man vergleiche dieses mit einem Informationsfluss, der durch die zahlreichen Realisierungen menschlicher Mehrspaltexperimente geschickt wird. Anbei ein paar Beispiele:

stonehengeStonehenge

appsApps für Tablets und Smartphones

statistikStatistiken jeglicher Art

messenMessergebnisse von Messgeräten

schrankSchränke voller Schubladen in den Köpfen vieler Menschen

monokulturMonokulturen in der Landwirtschaft

metropoleMetropolen der Welt

Alle Beispiele sind nicht in der natürlichen Ordnung zugegen und nicht Teil aller ANDEREN Lebewesen und deren Lebensgemeinschaften. Somit kann in der Anwendung derartiger Herangehensweisen kein Problem gelöst werden, welches das Verhältnis von uns EINEN, uns Menschen, zu den ANDEREN, der Natur, betrifft und damit auch nicht das PROBLEM an sich. Deshalb können wir Menschen auch keine Probleme untereinander lösen, solange kein Bewusstsein für dieses eine PROBLEM besteht. Wir, mal ganz allgemein gesprochen, modernen Spalter spalten das Fließende in verschiedene Kanäle … und sei es nur der linke und der rechte Kanal einer Stereoaufnahme … oder in fünf, wenn nicht gar in sieben Kanäle einer modernen, digitalen Surroundanlage, um den realistischen (!) Eindruck zu gewinnen, man säße irgendwo mitten in einem Konzert, welches man selbst jedoch nicht selbst direkt vor Ort besucht hat …

Smartphones, in deren Entwicklung sich das Auflösungsvermögen des Fortschritts in der Bandbreite der Übertragung äußert, werden somit auch kein Bewusstsein für das PROBLEM und auch nicht für den Ursprung vieler anderer Probleme hervorbringen können. Genauso wenig wie das Internet der Dinge und die eingangs erwähnte Unternehmung Smart Things. Für den Lösungsweg all dieser Probleme wird etwas anderes notwendig werden, um, in der Tat, nicht als Horrortrip zu enden … Needful Things lassen grüßen … damit nicht anderswo entstehen kann, was sich nirgendwo so zugetragen hat, wie es die Digitalisierung für möglich hält. Daher entspricht die Realität auch immer weniger der Wirklichkeit und manifestiert sich, mehrkanälig und aufgespalten aus dem wellenreichen Meer der Möglichkeiten, in alltäglichen Formen.

Wozu nun all die Digitalisierung gut sein soll, wenn schon keine Probleme damit an der Wurzel gepackt werden können? Das liegt doch im Grunde auf der Hand, wenn sie nicht gerade ein Smartphone hält. Um den Sinn für Kohärenz, das Gemeinschaftgefühl von Stimmigkeit, welches das Leben als Ganzes stets als Chor verkörpert und unmittelbar zum Besten gibt, tief verwurzelt in der HARMONIE, mit all jenen Wassern zu waschen, die nicht natürlichen Ursprungs sind …

Ein Kommentar zu “Text 11: Die Digitalisierung des Informationsflusses

  1. Passend dazu:

    http://nautil.us/issue/50/emergence/why-you-need-emoji

    “Emojis are the body language of the digital age.“

    Körpersprache ist Ausdruck der Verwobenheit, mit der sich der Körper seiner Umwelt mitteilt. Wird diese Verwobenheit vereinfacht, nimmt das Ausmaß von Missverständnissen und Informationsverlust zu, Wird diese Verwobenheit auf den extrem vereinfachten Datensatz EINES Emojis vereinfacht, bleibt von der Verwobenheit nur noch EIN Bruchteil übrig. Es ist bezeichnend für den Stand unseres Fortschritts, dass täglich weltweit derart viele Emojis zur Kommunikation eingestzt werden – und es ist zugleich EIN Armutszeugnis dahingehend, was wir fortgeschrittenen Menschen unserem Körper – und unseren Sprachen – noch zutrauen. Offensichtlich nicht mehr viel.

    Was Emojis aber können: Sie ermöglichen es auf die Schnelle unseren Wunsch nach Harmonie zum Ausdruck zu bringen – EIN Wunsch, weil uns längst Wesentliches abhanden gekommen ist und wir glauben, es durch grinsende Gesichter ersetzen zu können …

    “ According to a 2015 survey, about 45 percent of all emojis used are some sort of happy face.“

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