Text 13: Schuld am Krieg sind immer Andere !?

Leben ist Begegnung.
Krieg ist das Aufeinanderprallen von Gegnern.
Krieg ist das Unvermögen sich gemeinsam, trotz verschiedener Größen, auf Augenhöhe zu begegnen.
Krieg ist Expansion, auf Kosten der Beziehungen, die in der Begegnung geknüpft wurden.

Krieg ist dem Leben als Ganzes fremd.
Krieg ist kein Produkt des Lebens.
Krieg ist einzig Symptom des Mangels, dem Leben begegnen zu wollen.

Krieg ist keine Ausgeburt von Herrschenden.
Krieg zieht ein in das Leben durch die Geburt von Beherrschbarem.
Krieg beginnt nicht mit der Schlacht von Heeren, sondern vielmehr durch die Verheerlichung (!) der Lebensgemeinschaft, mittels gesellschaftlicher Normen und damit einhergehender Erwartungen und Produkte.

Was im Großen seinen Lauf nimmt, begann bereits viel eher im Kleinen, mit EINEM Energieraub, der aus EINEM Gegenüber EINEN Gegner werden ließ.

Der Ton macht die Musik, so sagt der Volksmund. Leider fügt er nicht hinzu, dass nur gemeinsam wohlklingende Musik zu erklingen vermag. Gemeinschaft ist die Summe aller Töne. Wohlklang indes die Beziehung dieser Töne zueinander und damit mehr als die Töne allein. Musik ist die Geschichte dieser Gemeinschaft … vom ersten Ton an.

Kriegstrommeln sind die zyklische Abfolge von Tönen, die keinerlei Beziehung miteinander pflegen und die Stille zwischen den Tönen mit Propaganda füllen. Kriegstrommeln verkünden den monotonen Rhythmus einer Gesellschaft. Ein Rhythmus, der umso mehr zur gewohnten Hintergrundsberieselung wird, je weniger gemeinsame Beziehungen bestehen, und je weniger an noch bestehenden gemeinsamen Beziehungen angeknüpft wird.

In einer Philharmonie, der gemeinsamen Darbietung von wohlklingender Musik, kann es nur einen Solisten geben, nämlich die Philharmonie selbst. In einer Gesellschaft dagegen will EIN jeder auf die eigene Pauke hauen.

Was also tun, wenn Krieggetrommel ertönt ? Ein Friedenskonzert organisieren ? Umgeben vom Trommelradau ? Gemeinschaft demonstrieren ? Gleichgesinnte zusammentrommeln, um dergestalt, scheinbar gemeinsam, inmitten der Gesellschaft, Einheit zu zeigen ?

Kann EINE Gesellschaft überhaupt Gemeinschaft demonstrieren, wenn diese Gesellschaft ihren Alltag im Takt von Trommeln gestaltet ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, wenn Paukenschläger tagtäglich ihren eigenen kleinen Krieg untereinander austragen, bezüglich, wer denn nun die größte, beste, hippste, teuerste Pauke hat ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, wenn bestehende Gemeinschaften der Schaumschlägerei bezichtigt werden ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, wenn Anderen die Schuld gegeben wird, und von hier unten nach dort oben gezeigt wird, zur Spitze, zur Führung, zur Elite, zu einem Prozent von Hundert ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, wenn die Gesellschaft nicht einmal ihre Kinder liebevoll zu umarmen vermag, zugleich aber Andere lautstark der Kriegstreiberei bezichtigend ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, indem sie ihr eigenes Spiegelbild in tausend Scherben zerschlägt, in der Annahme, dadurch ändere sich das Wahrnehmungsvermögen der sich spiegelnden Gesellschaft ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, indem das gesellschaftstaugliche Austragen alltäglicher kleiner Kriege zunehmend auf die Spitze getrieben wird ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, wenn ihr Wohlstand nach mehr Action verlangt, aber Aktionen ausbleiben, um wahre Größe zu zeigen ?
Kann EINE Gesellschaft Gemeinschaft demonstrieren, wenn sie im Kollektiv anderswo Energien raubt, die ihr von Natur aus “daheim“ nicht zur Verfügung stehen ?

Natürlich kann man nicht alle Menschen in einen Sack stecken und diese Säcke in die Sackgasse gesellschaftlicher Lebenswege stellen, ohne selbst den Mut aufzubringen, wirklich ehrlich zu sich selbst zu sein, und für sich selbst zu erkennen, dass man selbst auch, hier und da und dort, an mehreren persönlichen Fronten kämpft. Seit Jahren schon. Daher zeigt sich der wesentliche Unterschied zwischen einer Gesellschaft und einer Gemeinschaft in ihrem Vermögen einander zu begegnen. Die Steigerung von Mut bedeutet nicht mutiger zu sein als Andere. Die Steigerung zeigt sich in der Demut dem gemeinsamen musikalischen Werk gegenüber. Verschmelzen Demut und Musik letztendlich miteinander, erklingt Stille, wie kein Ton allein sie zu vermitteln vermag. Manche nennen es auch eine Leere, die Erfüllung bedeutet.

Überall dort, wo demonstriert werden darf, es gar als Grundrecht angesehen wird, ist Frieden nicht möglich. Auch dort nicht, wo nicht demonstriert werden darf und die Teilnahme an Demonstrationen, mitunter, mit dem Tode bestraft wird. Die Wahrheit, und damit der wahre Grund für Kriege aller Art, liegt, wie so oft, wenn nicht sogar immer, irgendwo dazwischen. Irgendwo dort, wo jeder Einzelne eben nicht aus eigenem Vermögen seiner menschlichen Verkörperung zu demonstrieren vermag, was es bedeutet EIN Mitglied der Gemeinschaft des Lebens zu sein, in der kein Einzelner den Ton angibt.

Die Gesellschaft kommuniziert, um Bedürfnisse zu schaffen und zu befriedigen.
Die Gemeinschaft kommuniziert, um Bedürftigkeiten zu klären und aufzulösen.

Gemeinschaft, im Sinne der Philharmonie, bedeutet somit nicht vor dem Weihnachtsbaum gemeinsam ein paar Lieder zu trällern, aber zugleich davon überzeugt zu sein, dass das größte Paket unterm Baum für einen selbst ist …

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