Text 34: Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht der Vergangenheit (1)

Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht der Vergangenheit (1)
Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht des Lebens (2)
Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht des Menschen (3)
Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht des Bewusstseins (4)

Der sich mit diesem ersten Teil entwickelnde Vierteiler ist der Versuch „das Leben, das Universum, und so weiter“ in einer Form zu beschreiben, wie es, meines Wissens nach, bisher noch nicht getätigt wurde. Im Rahmen dessen wird das Bewusstsein zwar entzaubert, aber nichtsdestoweniger der Zauber an sich bewahrt, so EINE Sensibilität fördernd, die längst in uns EINEN schlummert und die unumwunden das weitere Leben in dieser Welt beeinflussen wird. Weit mehr und ANDERS als es die Entwicklung unseres technologischen Fortschritts vermuten lässt. Durch die Zeilen dieses Vierteilers schlängelt sich zugleich der Lösungsweg, der all die Probleme, die wir EINEN dem Leben zufüg(t)en, aufzulösen vermag, indem er den Problemen direkt begegnen wird, ohne dabei einen unmenschlichen Verlauf zu nehmen. Unmöglich? Mal schauen … denn spätestens der abschließende Teil wird es in sich haben. Was genau? Das versteckte Geheimnis des Lebens, das so gut versteckt ist, weil es so offensichtlich ist – im wahrsten Sinne des Wortes.

Newton ist, trotz Quantenmechanik, noch immer EIN Held der Moderne, funktioniert die klassische Welt seinen Gesetzmäßigkeiten nach auch noch im 21. Jahrhundert, mehr oder minder, zauberhaft. Klassisch, im Sinne von alltagstauglich und allgemeingültig. Klassisch, im Sinne der uns vertrauten Realität. Warum aber gab Max Weber bereits vor 100 Jahren zu bedenken, dass wir Menschen durch Newton entzaubert wurden und so die Moderne betraten? Was hat es demnach mit der klassischen Welt und der Welt des Zaubers auf sich? Bereit für EINE kleine Zeitreise? In die Vergangenheit? Aus der modernen Gegenwart heraus?

Tropft man EINEN (!) Tropfen Tinte in einen Glaszylinder mit Glyzerin und steckt einen etwas schmaleren Zylinder umgekehrt in den breiteren hinein, dann kann man durch die Zeit reisen, indem man den schmaleren Zylinder, immerzu langsam, im Uhrzeigersinn dreht, in Anlehnung daran, dass die Zeit vergeht. Solange, bis der Tropfen Tinte vollständig im Glyzerin verloren scheint. Hört man schließlich auf zu drehen, befindet man sich in der Gegenwart, im JETZT, aus der es nun gilt zurückzureisen, nämlich dorthin, wo die Tinte noch EIN Tropfen war. Irgendwo in der Vergangenheit, als ALLES noch EINE Singularität war. Wie? Indem der schmale Zylinder, der noch im breiteren steckt, gegen den Uhrzeigersinn gedreht wird, sprich, zurück. Ganz langsam. Und siehe da, irgendwann ist, in der Tat, der Tropfen wieder da. Zeitreise geglückt.
Zauberei? Keineswegs. Eher EIN Irrtum, denn ganz so vereinfacht verhält es sich keineswegs mit der Vergangenheit, geschweige denn mit der Zukunft. Auch wenn wir EINEN noch immer so tun, als wäre dieses der Fall, weshalb wir die Geschichte des Universums wie EINE Perlenkette von Ereignissen gestalten, wo jede Perle für EIN bedeutendes Ereignis steht, wohlgemerkt von Bedeutung aus der jeweiligen Gegenwart heraus, aus der heraus die Vergangenheit betrachtet wird.

Steven Weinberg sagte einmal, dass, je mehr wir über das Universum wissen, es umso unbedeutender erscheint. Man kann gar noch weiter gehen und sagen, dass es umso unbedeutender ist, denn was wir EINEN, wir Menschen, meinen zu wissen, entspringt der Kausalkette, die einen Tropfen Tinte wieder sichtbar werden lässt. Gleichwohl versuchen wir an der Uhr des Universums zu drehen, um zurück zum Urknall zu gelangen. Wenn aber „Geschichte entsteht, wenn der Raum dessen, was möglich ist, weit größer ist, als das, was tatsächlich geschehen kann“ [S.K.], dann droht bereits frühzeitig EINE Kettenreaktion, die kaum mehr aufgehalten werden kann und immer reaktionsfreudiger werden wird. Weil die klassische Welt, die Welt, die gelehrt wird und die unsere menschliche Kulturen prägt, „überwiegend als Struktur eines Gewebes von Kausalitäten angesehen wird. Die Welt als vierdimensionale Raumzeit-Manifestation tatsächlicher Ereignisse, die in kausaler Beziehung zueinander stehen. In dieser verbreiteten Newton’schen Sicht gibt es keine Möglichkeiten, nur Tatsächlichkeiten“ [S.K.]. Und alles, was an Zauberei aufgetischt wird, ist Jahrmarktzauberei. Oder anders ausgedrückt: Um der Vergangenheit wieder habhaft zu werden, müssen auch all jene Möglichkeiten bekannt sein, die nicht zu Tatsächlichkeiten wurden. Das grenzt an wahre Zauberei.
Da aber jede Tatsächlichkeit nur eine von sehr vielen Möglichkeiten darstellt, bleibt die Vergangenheit überwiegend verborgen bzw. sie wird weitestgehend verzerrt, als rückwärtige Kausalkette akausaler Verwobenheit. Vergangenheit ist demnach die Verdichtung von Akausalitäten, aus der Gegenwart heraus, eine Verdichtung, die aber nicht vereinfacht werden kann, ohne wesentliche Bindungen endgültig zu verlieren und somit EIN komplexes Labyrinth zu betreten, immer blinder werdend, weil immer abhängiger von technologischen Errungenschaften. Ergo, je weiter wir fortschreiten, desto rückständiger ist unser Verständnis der Vergangenheit.

Die Realität ist die Welt der Tatsächlichkeiten. Das Reich der Möglichkeiten aber ist die Wirklichkeit, der Raum, wo Möglichkeiten Realisierungen erahnen lassen bzw. jederzeit auf dem Sprung in die Realität sind. Beide, Realität und Wirklichkeit, benötigen einander, beide verwandeln einander an, wie im Verlauf des Vierteilers noch näher beschrieben werden wird. Goethes „Nur wer Wissenschaft wie Kunst betreibt, ist auf dem Weg zur Wirklichkeit“ gibt bereits die Richtung vor. Das hindert uns EINEN allerdings keineswegs daran ALLES mehr und mehr zu vereinfachen, in der Annahme unsererseits, der Komplexität so Herr werden zu können. Jaron Lanier nennt Vereinfachung „das wichtigste Handwerk unserer Zeit.“ EIN gewaltiger Irrtum. So geht es tiefer hinein, ins Labyrinth unseres Fortschritts, EIN Labyrinth, beherrscht von der Roten Königin.

Zur Vereinfachung gehören sämtliche Naturgesetze und Naturkonstanten, auch jene, die zur Feinjustierung des Universums, laut wissenschaftlicher Lehrmeinung, unabdingbar sind, sowie etliche Zutaten des Newton’schen Regelwerks.
Doch ist die Vergangenheit erst einmal vergangen, kann sie nie wieder für etwas Gegenwärtiges herangezogen werden, ohne den Werdegang des Lebens weiter zu verkomplizieren, denn je weniger wir EINEN die Vergangenheit ruhen lassen, z. B. durch immer mehr Möglichkeiten verschiedene Messungen durchführen zu können, desto mehr Energie müssen wir anderswo rauben, um das bereits erschaffene, kausalverkettete Bild der Vergangenheit möglichst stabil beizubehalten, gilt doch obendrein, dass, je „höher“ eine Spezies entwickelt ist, das verkörperte Bewusstsein umso mehr eine vorhersehbare, stabile Welt benötigt. Solange wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen können, um uns für die Zukunft zu rüsten, kann die Energie vor Ort, wie von Natur aus bereits zugegen, nie genügen, weshalb der Raub von Energie für uns EINEN immer mehr zum Alltag, gar zum vordergründigen Lebensinhalt, wird. EIN Teufelskreis, weil:

  • das „was Tatsächlichkeit wird, ermöglicht, was als weiteres möglich werden kann“ [S.K.], nicht nur vor Ort, sondern überall, nicht nur in der Realität, auch in der Wirklichkeit,
  • jedes Geschehen ein unvorhersehbares Entfalten ist, wo, was bereits real ist, hervorbringt, was möglich werden kann“ [S.K.],
  • jede Tatsächlichkeit akausal und sofort neue Möglichkeiten ermöglichen kann“ [S.K.] … wohlgemerkt ermöglichen, nicht zu verwechseln mit verursachen,
  • Newtons Regelwerk der klassischen Welt, nebst der klassischen Physik im Allgemeinen, mit Ursachen rechnet, nicht aber mit Möglichkeiten ungezwungen spielt,
  • mitunter andere Tatsächlichkeiten ermöglicht werden, bedingt durch Tatsächlichkeiten, die nicht real wurden, sie daher wahrscheinlicher werden,
  • jede Tatsächlichkeit so unzählige Möglichkeiten ändert, die bereits durch andere Tatsächlichkeiten möglich sind“ [S.K.],
  • sie [die Tatsächlichkeit] verändert, was möglich ist, manche Möglichkeiten zunichte machend, aber so andere möglich werden lassend“ [S.K.],
  • Ermöglichung (enablement) als Auswirkung real erscheint und weder kausal, noch lokal ist,
  • die Geschichte des Universums „ein persistierendes Werden, ein persistierender Status nascendi, ist, in einem Universum, welches nicht ‚ist‘, sondern ‚wird‘“ [S.K.],
  • jeder weitere Augenblick der Realität sich auch hätte ganz anders ereignen können, und damit die Realität selbst,
  • Ermöglichung durch Akausalität den freien Spielraum eröffnet, der notwendig für die HARMONISIERUNG des GANZEN ist (vielleicht durch die irrationale, wechselseitige Annäherung an Phi, den Goldenen Schnitt, welcher den Kern des Kosmos bildet? … egal, nur so eine Idee),
  • jedes akausale Netz aus Möglichkeiten, welches Tatsächlichkeiten aus der Wirklichkeit holt, einzigartig verwoben und nicht wiederholbar ist, es steht somit für keine weitere Tatsächlichkeit zur Verfügung, auch nicht in der Gegenwart, um in den tiefen Gewässern der Vergangenheit zu fischen,
  • sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen bedeutet im Trüben zu fischen, mit EINEM Netz voller Löcher, die allesamt größer sind, als die Maschen selbst,
  • Zufall das Potenzial aller Möglichkeiten, als akausales Erscheinungsbild, birgt“ [S.K.].

Dabei ergeht es dem Zufall wie der Komplexität. Beide wurden von Newton an Naturgesetze und -konstanten gekettet und werden seitdem im Kontext von Kausalität wahrgenommen, ohne jedoch jemals den Wahrheiten, den Tatsächlichkeiten der Vergangenheit, im Kontext ihrer Möglichkeiten, gewahr werden zu können. Welche Folgen und Ermöglichungen daraus in der Gegenwart die Realität beeinflussen, und damit das Leben, davon mehr im dritten Teil.
Befreit man aber Zufall und Komplexität aus der energieräuberischen Kausalverkettung, dann zeigt sich:

  • dass das Aufeinandertreffen von mindestens zwei Notwendigkeiten umso mehr als Zufall erscheint, je mehr Notwendigkeiten man versucht kausal mit EINEM Sinn zu verbinden … und dabei scheitert,
  • dass Komplexität die Vermehrung von Unwesentlichem ist bzw. die Expansion EINES Irrgartens beschreibt,
  • dass Komplexität in der chaotischen Ordnung der Natur nicht existiert, sondern nur dort als solche erscheint, wo Möglichkeiten nicht in Erwägung gezogen werden, ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt wird, oder sie zum Schweigen gebracht werden, weil einzig Tatsächlichkeiten immer mehr zu (er)zählen haben,
  • dass Komplexität der Verunmöglichung entspringt Akausalität kausal zum Ursprung, der vermeintlichen Kausalkette, zurückzuverfolgen, weshalb uns die Gegenwart umso komplexer erscheint, je mehr wir uns mit der Vergangenheit beschäftigen und je weiter wir uns dabei von der Gegenwart entfernen,
  • dass Komplexität, ganz einfach dargelegt, EIN Labyrinth voller Teufelskreise ist,
  • dass Naturgesetze und -konstanten unseren kausalen Vorstellungen der realen Vergangenheit entspringen, weshalb der Tintentropfen wieder erscheinen kann bzw. zuvor erwähnte Perlenkette zu faszinieren weiß, doch, und das muss man sich erst einmal vorstellen (können), „die Gesetze des Universums evolvieren gleichwohl“ [S.K.], wodurch bedingt EINE jede Perle eher der Glaskugel EINES Wahrsagers gleichkommt,
  • dass, „wenn die Welt kein Fundament„, in Form von Naturgesetzen und -konstanten, „hat, dann ist die Welt bei weitem mehr emergent, als wir uns erträumen können“ [S.K.] und genau hier schlummert das Potenzial von Wissenskunst, Posie und … Zauberei, ohne billige Tricks, und nicht auf Kosten Anderer bzw. der ANDEREN,
  • dass „die ‚fundamentalen Gesetze‘ der Physik nicht gegeben sein mögen, sondern sich entwickeln, als ermöglichende Beschränkungen“ [S.K.].

Beschränkungen, man möge dieses Wort im Hinterkopf behalten, in Form von beabsichtigtem Informationsverlust, als Tunnelblick, im Namen des Zeitgeistes, durch Nicht-Realisation von Möglichkeiten, um der Notwendigkeit einer möglichst klassischen Welt akausal „Folge“ zu leisten, weil „Leben eine ausreichend klassische Welt benötigt“ [S.K.]. Damit Evolution sich entfalten kann und Involution das Leben, vermögender an Erfahrungen, wieder EINANDER zugänglich macht bzw. um ein PROBLEM zu problematisieren und einen Lösungsweg gestalten zu können. Diese Welt, die zwar funktioniert, im Sinne der klassischen Physik, ist aber „nur“ Teil weiterer, auch zauberhafter, Möglichkeiten von Verweltlichung, die nicht mit Weltaneignung verwechselt werden sollte. Zumal, wie bereits erwähnt, die Gegenwart, in der Tat, auch anders hätte werden können und fortwährend anders werden kann … „auch anders, als die klassische Welt an Möglichkeiten vorgibt“ [S.K.]. Vielleicht auch ANDERS. Oder EINE ganz ANDERE Welt, also A N D E R S.

Warum aber ist die Welt wie sie ist, und warum kann sie immer weniger werden, was sie von Natur aus sein könnte? Weil wir EINEN EINE Absicht hegen (können), die den ANDEREN Lebewesen wesensfremd ist, wo sie doch keinerlei Absicht hegen, sondern einfach nur leben. Nicht in der Vergangenheit, nicht bereits in der Zukunft, sondern JETZT. Während wir EINEN die Vergangenheit immer genauer beschauen, um für die Zukunft immer besser, in unserem Interesse, gerüstet zu sein, doch sehen wir in dieser Absicht nicht nur den Wald vor lauter Bäumen nicht, sondern befinden, hinsichtlich dieser Absicht, gar den Wald als den falschen Wald, was nicht ohne Folgen bleiben kann, solange wir rückverfolgen, was sich akausal ermöglicht hat, durch all das, was tatsächlich geschehen ist.

Geschichte ist dergestalt nicht nur ein Werden. Es ist ein Werden hinein in das, was nun möglich ist. Dabei ist uns EINEN schneller möglich, was von Natur aus und den ANDEREN möglich ist, durch Energieraub und durch Vereinfachungen, die als Kausalketten verallgemeinert werden, weshalb die Realität immer mehr zum Kettenhemd für das Leben wird und schwerer wiegt, als das einfache Leben. Je weiter wir dieses fortführen, desto größer gestaltet sich das Spannungsfeld zwischen den ANDEREN und uns EINEN – und zwischen uns EINEN und uns selbst. Dazu mehr im zweiten Teil, in welchem verdeutlicht werden wird, was es mit der Realität nun wirklich auf sich hat und warum Bewusstsein für das Leben EIN zweischneidiges Damoklesschwert ist, auf welches wir EINEN uns nicht allzu viel einbilden sollten. Längst sind die Folgen unseres Treibens offensichtlich, zumindest die kausalen. Und, dadurch bedingt, unsere Zukunft vorhersehbar.
Paradox, dass wir die Zukunft vorhersagen wollen, aufgrund vergangener Ereignisse, aber das bereits Vorhersehbare nicht das ist, was wir EINEN von der Zukunft erwarten.
Wie aber verhält es sich mit den akausalen Möglichkeiten, die sich aus unserem Treiben ergeben werden, im Kontext des Lebens?

Quellennachweis:
[S.K.] Stuart A. Kauffman – Humanity in a creative universe – Oxford University Press 2016 – Übersetzung meinerseits

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