Text 36: Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht des Menschen (3)

Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht der Vergangenheit (1)
Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht des Lebens (2)
Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht des Menschen (3)
Die Zukunft des Menschen – Aus Sicht des Bewusstseins (4)

Wenn man ein Zitat anbringt, in welchem ebenfalls zitiert wird, dann gleicht dieses Vorgehen jenem Tintenexperiment aus dem ersten Teil dieses Zukunftsvierteilers, da auch Zitate zum Glyzerin gehören, in welchem Kausalität scheinbar aufgelöst wird, um jederzeit wieder herbeigezaubert werden zu können, zum Zwecke EINES Ausblickes auf Zukünftiges:

Today, we need geniuses like von Neumann and Turing more than ever before. That’s because we may already be running into the genetic limits of intelligence. In a 1983 interview, Noam Chomsky was asked whether genetic barriers to further progress have become obvious in some areas of art and science.[X] He answered:

„You could give an argument that something like this has happened in quite a few fields … I think it has happened in physics and mathematics, for example … In talking to students at MIT, I notice that many of the very brightest ones, who would have gone into physics twenty years ago, are now going into biology. I think part of the reason for this shift is that there are discoveries to be made in biology that are within the range of an intelligent human being. This may not be true in other areas.“

Quelle: nautil.us – Don’t Worry, Smart Machines Will Take Us With Them – [X]: siehe Quelle

Das Denken in Kausalketten hat nur allzu oft etwas mit Wunschdenken gemein, denn mit akausalen Ermöglichungen, die ihrerseits zu Tatsächlichkeiten werden und sich als tragfähige Wahrhaftigkeiten erweisen. Kausales Denken ließ auch Plantagenbesitzer sich Möglichkeiten ausdenken, wie sie der zunehmenden Bereitschaft ihrer Sklaven, aufgrund der menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, Selbstmord zu begehen, Herr werden konnten. So erzählten sie die Geschichte von den Zombies, den wandelnden, arg entstellten Untoten, als welche all jene Sklaven wiederkehren würden, die es wagten sich der Beherrschung durch ihren Herrn, mittels Selbstmord, zu entziehen, so nie die Ruhe finden könnend, die sich die Sklaven vom Selbstmord erhofften. Liest man den Text in Gänze, aus welchem obiges Zitat bzw. obige Zitate stammen, so erkennt man die offensichtliche Verbindung zwischen der Geschichte, die manch EINER über durchweg positive Eigenschaften unseres technologischen Fortschritts erzählt, und jener, welche die Plantagenbesitzer verbreiteten, geht es doch in beiden Fällen darum EINE Geschichte als wahr zu vermitteln, um davon, in welcher Form auch immer, zu profitieren bzw. auf Kosten anderer Menschen zu prosperieren. Seitdem werden die Auswirkungen solcher Geschichten nicht nur in Indien immer ersichtlicher, wo z. B. EIN Konzern wie Monsanto den Bauern, durch Erwerb seiner Produkte, reichen Ertrag und Arbeitserleichterung schmackhaft macht, aber sich manche dieser Bauern umbringen, weil das schmackhaft Gemachte sich nicht als wahr, und obendrein, als ungenießbar für ihr weiteres bäuerliches Leben erweist.

Doch benötigen wir tatsächlich mehr Genies bzw. mehr Sklaven, um EIN erfüllteres, zufriedeneres Leben zu führen, um Antworten auf all jene Fragen zu finden, die uns seit Menschengedenken umtreiben?
David Bohm wird diesbezüglich wie folgt zitiert:

Nur sehr wenige Wissenschaftler stellen die Annahme in Frage, dass das Denken fähig ist, irgendwann einmal, ‚alles‘ zu begreifen. Aber diese Annahme ist möglicherweise nicht zutreffend, weil Denken Abstraktion ist, was inhärent Begrenzung impliziert. Das Ganze ist zuviel.

Quelle: Paul Lauer – Mein Klimawandel: Die inneren Konflikte der Nachhaltigkeit

Gleichfalls, im Sinne der Genies bzw. Sklaven, könnte man fragen, ob wir mehr und mehr Schlagzeilen globaler Schlechtigkeiten benötigen, um unser Weltbild zu zementieren, wunschdenkend, dass irgendwer, aufgrund dieser Nachrichtenlage, Mittel und Wege für EINE gelingendere Realität ersinnen wird? Oder benötigen wir dringend weitere bzw. weiter reichende Umdrehungen im Zeitglas der Vergangenheit, um endlich zum Ursprung, von was auch immer, zu gelangen? Vielleicht aber sieht die Wahrheit, egal, welchen Ursprungs, einfacher aus, als sie sich aus dem Glyzerin der Vergangenheit vereinfacht herausbilden lässt? Vielleicht ist der wahrhaftigste Indikator für jedweden Wahrheitsgehalt nicht das Wort EINES Genies oder die Wörter EINES Geschichtenerzählers, sondern das Ausmaß des Leidens, welches die Lebendigkeit des Lebens als Ganzes zu ertragen hat, nachdem realisiert wurde, was als Antwort, zum Zwecke EINER Lösung, angedacht worden war?! Wobei, bezieht man Bohms Worte mit ein, die WAHRHEIT an sich, jene, die das offensichtliche Geheimnis des Lebens verkörpert, dann wächst das Denken EINES Einzelnen diesem schnell über den denkenden Kopf. Erst recht den Biologen, wie Noam Chomsky in eingangs aufgeführter zitierter Zitierung zwischen den Zeilen durchblicken lässt. Ausgerechnet den Biologen, die sich doch mit dem Leben und dessen Lebewesen, uns EINEN inklusive befassen.

Aber welchen Sinn macht EINE Wahrheitsfindung, die immer mehr verschiedene Quellen für sich beansprucht und weitere in Aussicht stellt, wenn die WAHRHEIT des GANZEN, und damit der Ursprung aller Wahrheiten, durch bewusstes Denken verborgen bleibt? Egal wie viele Genies auf der Suche sind bzw. wie viele Sklaven vor die Such-Maschinerie des Fortschritts gespannt werden?
Kein Wunder, dass die Realität an immer mehr Stellen und immer aufdringlicher, gleichsam aber anderswo auch immer subtiler, Wahrheit indirekt als viele Fragen bzw. einzelne Antworten direkt als Wahrheiten verkauft, die jedoch zunehmend nicht mit jenen zu resonieren vermag bzw. zu resonieren vermögen, die von der Wahrheit überzeugt werden sollen. Wahrheiten werden so immer seltener als das wahrnehmbar, was sie tatsächlich sind, nämlich Wahrheiten … ohne wenn und aber, und dennoch als lebendige Gewahrwerdung von Kohärenz, als Erahnung des Potenzials akausaler Ermöglichungen.
Diesbezüglich ein lesenswerter Kommentar, den ich vom Fingerphilosophen zum zweiten Teil dieses Vierteilers erhielt:

Ich sehe mich in der Situation, dass mein Gefühl mir sagt, dass in der Welt grundlegend irgendwas nicht stimmt und dass die ganze Entwicklung mit dem Wirtschaftswachstum etc. übel für die Menschheit ausgehen MUSS, aber was ich nun zeit meines Lebens (!) sehe und erlebe, ist das Gegenteil davon. Ich sehe, dass die Menschen in der Tat heute weniger schuften müssen als meine Großeltern. Ich sehe, dass die Alten länger leben und gesünder sind als vor 40 Jahren. Ich sehe, dass auch arme Menschen heute wohlhabender sind als meine mittelständischen Eltern von damals. Ich sehe, das ein Börsencrash oder ein explodierendes Atomkraftwerk nicht den Weltuntergang bedeuten, wie mir das die Erzähler von Zombie-Geschichten einreden wollen. Ich sehe, dass dieser ganze technisch-industrielle Komplex, der mir schrecklich vorkommt, irgendwie doch zu funktionieren scheint. Ich sehe, dass der Mensch sehr wohl ohne Tierwelt in Afrika auskommen kann und nichts zu vermissen scheint.

Sprich: ich bringe Gefühl und Wahrnehmung nicht zur Deckung. Stattdessen habe ich herausgefunden, dass der Mensch nicht erst seit fünfzig Jahren in Weltuntergangsphantasien schwelgt und das Gefühl hat, dass irgendwas nicht stimmt, sondern dass dieses Gefühl den Menschen seit mindestens 10.000 Jahren begleitet. Vielleicht hat der Mensch dieses Gefühl sogar schon, seit er mit dem Feuer herumspielt. Das Gefühl suggeriert offensichtlich seit Jahrtausenden Katastrophen, die so nie eingetroffen sind. Kann man sich also aufs Gefühl verlassen?

Unzählige Hiobsbotschaften, Weltuntergänge, und Katastrophen unterschiedlichster Dringlichkeit, Brisanz, und Tragweite verbergen sich mittlerweile im brennbaren Glyzerin, in welchem ein einzelner Tropfen WAHRHEIT verwoben ist, den wir EINEN zu finden, oder vielmehr wiederzufinden, versucht sind. Doch egal wie man auch am schmaleren Zeitglas dreht, nirgends bewahrheitet sich das Unzählige, obwohl es mehr und mehr zu den zündenden kausalen Möglichkeiten der Realität gehört, jederzeit bereit für EINE Kettenreaktion.

Man sagt schon seit geraumer Zeit, dass Geschichte sich nicht exakt wiederholt bzw. sich Geschichten nicht exakt gleich ereignen, aber durchaus zu reimen vermag bzw. sich zu reimen scheinen, weshalb der Spielraum des Reimes genügt, um nicht des Verkündens von Unwahrheiten überführt zu werden und zugleich eigene Absichten zur Genüge zu verfolgen. Doch immer mehr dekohärente Unwahrheiten benötigen ihrerseits, zum einen, immer mehr Raum, damit nicht als unwahr erkannt wird, was als Wahrheit verkauft wurde, und, zum anderen, immer mehr Zeit, so gewährleistend, dass Möglichkeiten ausgedacht werden können, die weitere Unwahrheiten weiterhin verbergen. Entsprechend muss die Reichweite EINES immer komplexer werdenden, soziokulturellen Regelwerks, zeitlich, wie örtlich, zunehmen, damit die realisierte Dekohärenz, die bewusst die Runde macht, nicht als expandierende Ansammlung von Unwahrheiten erkannt wird bzw. zum Spielverderber wird. Weshalb in der Gesellschaft der Raum des Einzelnen, zur Wahrheitsfindung aus eigenem Vermögen, und die dafür zur Verfügung stehende Zeit, in gleichem Maße schrumpfen, wie die Reichweite immer weiter reicht, während das Gefühl, EINER Lüge aufgesessen zu sein, unbewusst in manch EINEM, der derart eingegrenzt wird, immer vordringlicher gedeiht, eben weil das Gefühl für Kohärenz, welches immer das gesamte Leben miteinbezieht, sich nicht be- bzw. eingrenzen lässt. Je mehr wir ANDERE zum Schweigen bringen, desto mehr ertönt unser Körper und das Zusammenleben aller Körper als Antwort auf das Zum-Schweigen-bringen ANDERER Klänge. „Darum lässt sich alles in der Natur ins Menschliche spiegeln. Dabei enthüllt sich die Wahrheit der Welt nicht auf linear-logische, sondern auf symbolisch-poetische Weise“ [A.W.]. Oder in den Worten Hartmut Rosas ausgedrückt, dessen Buch Resonanz eine wahrhaftige Klangerfahrung ist:

Quantifizierung von Resonanz führt zur Senkung der Resonanzqualität. Reichweitenvergrößerung ist zu einer beherrschenden Form der Resonanzsuche geworden.

Quelle: Hartmut Rosa – Resonanz

Die Folge ist, dass immer mehr Effekte das Versprechen von Wahrheit begleiten, Effekte, die aber ihrerseits mehr und mehr geraubter Energie bedürfen, damit sie überhaupt noch (den) Eindruck (von Wahrheit) hinterlassen. Ergo belügt die Lüge sich selbst und wird vom Bewusstsein, soziokulturell bedingt, als Wahrheit gedeutet. Abrakadabra, schon verschwindet manches Problem im Glyzerin der Vergangenheit. Auf Nimmerwiedersehen!?
So „[bleibt] Resonanz […] das Versprechen der Moderne. Entfremdung aber ist ihre Realität“ [H.R.]. Deutlicher wird Rosa an anderer Stelle: „An der Wurzel der Resonanzerfahrung liegt der Schrei des Nichtversöhnten und der Schmerz des Entfremdeten. Sie hat ihre Mitte nicht im Leugnen oder Verdrängen des Widerstehenden, sondern in der momenthaften, nur erahnten Gewissheit eines aufhebenden ‚Dennoch‘. Die aus Indifferenz und Repulsion gebildete Entfremdung muss erst spürbar werden, bevor sich resonante Weltbeziehungen ausbilden können“ [H.R.].

Aber kann das nun wahr sein, bedenkt man, dass das moderne Leben doch wie am kausalen (Perl)Schnürchen klappt und kaum EINER auf seine versprochenen Annehmlichkeiten verzichten mag bzw. auf weitere Errungenschaften unsererseits verzichten wird, wünschen wir EINEN uns doch mehr und mehr immer schnellere Lösungen für immer größere Probleme, die längst unsere aktuellen menschlichen Fähigkeiten zu übersteigen scheinen, weshalb, wie Fingerphilosoph kommentierte, sie, welch effektvoller Zauber, nicht wahrnehmbar sind. Stattdessen wird technologischer Fortschritt längst als dieser EINE Zauber wahrgenommen, dessen Wirkungsweise wir nicht verstehen müssen, solange er bewirkt, was wir uns wunschdenken. Doch Vorsicht sei hier angeraten, ohne Technologie generell als Teufelszeug zu brandmarken, wie im vierten Teil gezeigt werden wird.

Stell Dir vor der Mensch schafft sich ab, und immer mehr Menschen machen bereitwillig mit.

Wir modernen Menschen sind im Grunde nicht wesentlich anders als jene Sklaven, die durch Geschichten über Zombies vom Selbstmord abgehalten werden sollten. Wir sollen mit der Fehlbarkeit des Natürlichen und allen damit einhergehenden Sicherheitsrisiken vom wirklichen Zauber der Lebendigkeit ferngehalten werden und lassen dieses mehr und mehr bereitwillig geschehen, den Genies und den Geschichtenerzählern anderweitig zur Verfügung stehend. Die moderne Medizin ist randvoll mit solchen Geschichten, z. B. hier.
Solange allerdings der Raub von Energie EINEN Zauber bedingt, der im Kern EIN fauler ist, bedeutet, Rosas Worten nach, technologischer Fortschritt die Entzauberung der Welt, da die Stille durch Aneignung von Weltausschnitten kompensiert werden soll. Besagte Stille ergibt sich aus dem Verlust des Kohärenzgefühls, aus unserem, um sich greifenden, Unvermögen zu spüren, wie das Leben sich fühlt bzw. wie Leben sich wirklich anfühlt und welchen Anteil wir EINEN am Empfinden aller ANDEREN und am Missempfinden unterEINANDER haben. Das ist es, was Bewusstsein tatsächlich ist: Aneignung. Nur wahr haben wollen wir es nicht.
Kein Wunder, haben geniale Geschichtenerzähler doch (nahezu) ganze Arbeit geleistet, dahingehend, dass wir EINEN nicht nur im Glauben sind, Leben bedeute einzig und allein Menschsein, sondern zudem dem Gedanken verfallen sind, einzig unser eigenes Bewusstsein wisse wo es lang geht. Ja, man achte, wie überall im Leben, auf die Doppeldeutigkeiten, die EINEM im eigenen Leben, welches mehr und mehr zu EINEM Doppelleben wird, begegnen.

Energieräuberische Technologien und Zauberei sind nicht vereinbar, denn zum Zaubern gehört auch, die Konsequenz des Zaubers selbst zu spüren zu bekommen, erst recht, wenn der Zauber, aufgrund von Unvermögen, nach hinten losgeht, sprich, einen selbst trifft. Aber unsere Form von Technologie wird ja gerade dazu erdacht, dass eben nicht die Folgen der vermeintlichen Lösung am Einsatzort spürbar werden. Verzauberung, indessen, setzt einen Gesang voraus, den das Kohärenzgefühl erklingen lässt und so die Stimme des Zauberers trägt, wodurch Rekohärenz verwirklicht werden kann. Dass Zauberer, von Natur aus, nicht leicht als solche zu erkennen sind, verwundert ebenfalls nicht.

Technology as disenchantment. Technologie als Entzauberung.

Die Welt”, bemerkt Hartmut Rosa, „hört buchstäblich auf zu singen.“ Die ANDEREN haben davon längst Wind bekommen. Wir EINEN tönen entsprechend global herum. So wird die Sensibilisierung manch EINES Menschen, diesem Getöse gegenüber, nach und nach akausal ermöglicht.
Wenn die Folge von Vereinfachungen, nebst anschließender Verallgemeinerung, und der damit einhergehende Verlust von Wesentlichem, zunehmende Komplexität ist und die immer komplexer erscheinende Realität immer mehr Künstliche Intelligenz bedingt, weil wir selbst immer weniger mit den Folgen klar kommen, dann wird umso klarer, warum das Natürliche, das HARMONISIERENDE, zum Zombiedasein verdammt ist und energieräuberischer technologischer Fortschritt als einzige wirksame Lösung verkauft werden kann, Leid bewirkend, keineswegs es verunmöglichend.

In zeitgenössischen Träumen […] scheint sich das Bild des ‚Fortschritts‘ vom Diskurs des gemeinsamen Optimierens zu dem des individuellen Überlebens verlagert zu haben. Fortschritt wird nicht mehr im Kontext eines Vorwärtsdrängens gedacht, sondern mit dem verzweifelten Versuch in Verbindung gebracht, im Rennen zu bleiben.

Quelle: Zygmunt Bauman – Flüchtige Zeiten

Konsum wird so zum Zauberstab der Masse, da der Zeitgeist immer intensiver mit der Fehlbarkeit des lebendigen Körpers wirbt und dessen leidvolle Verletzbarkeit in den Vordergrund rückt, und sei es nur im Rahmen des Alterns. Doch um Resonanz zu spüren, um Rekohärenz zu ermöglichen, muss Berührung mit der Welt und mit ANDEREN zugelassen werden, doch, so Rosa, damit nimmt man selbst in Kauf verletzt zu werden. Und sei es nur indem man altert.
Wenn nun aber Menschen, gentechnisch manipuliert, wie ebenfalls im eingangs verlinkten Text erwähnt, EINEN IQ von 1000 (!) erhalten können, wohlgemerkt ohne Erfahrungen zu durchleben, die mit dem Kohärenzgefühl des Lebens einhergehen bzw. in einem qualitativen Resonanzverhältnis mit der Welt stehen, ohne „Transformation des Beziehungs- oder Resonanzbegehrens in ein Objektbegehren“ [H.R.], und, stattdessen, zusammen mit der Künstlichen Intelligenz „evolvieren“, werden wir selbst zu dem, was wir mittels Technologie nicht wahrhaben bzw. wahrnehmen wollen, nämlich zur WAHRHEIT, zu jenem besonderen Tropfen, nach dem wir seit Anbeginn der Entfremdung verrückterweise suchen. Warum dem so ist, wird ebenfalls Teil 4 näher beleuchten.

EIN IQ von 1000 bedeutet nichts anderes, als die Verzehnfachung des bereits vorliegenden Kohärenzverlustes unsererseits! Damit einhergehend wird der Raub von Energie weiter beschleunigt und das Unvermögen des biologischen Körpers, diese Entwicklung zu kompensieren, immer deutlicher werden, durch Anhäufung immer lauter tönender Symptome, an denen wir aber nicht leiden wollen und unsere Kinder nicht leiden sollen. Weshalb diese Symptome auch mit EINEM IQ von 1000 nicht als das wahrgenommen werden, was sie tatsächlich sind, nämlich immer weitreichendere Folgen von Entfremdung bzw. Weltenstille. Doch irgendEINEN Reim wird sich der fortgeschrittene Zeitgeist darauf schon machen, solange sich dadurch weitere Anteile von Welt aneignen lassen und Objekte, auch virtuelle, die Subjekte aus der Realität verdrängen, zumal dann Künstliche Intelligenzen, zu der auch jene Intelligenzbestien mit EINEM IQ von 1000 gehören werden, als die neuen Genies und Geschichtenerzähler erhört werden, die von leidloser Heilung in Reimform erzählen. Nein, mit der Poesie, die der Lebendigkeit innewohnt, hat das beileibe nichts mehr gemein.

EIN lebloses Willkommen in EINER schöneren, neueren Welt.
Mehr und mehr Soma für jedermann.
Nein, viel mehr Soma für jedes Ding,
denn Lebendigkeit wird immer weniger zugegen sein.

Vielleicht”, gibt Andreas Weber in Alles fühlt zu verstehen, „ist es in Wahrheit sogar noch einfacher: Subjektive Bedeutung ist Gefühl. Leben ist Gefühl. Eine Zelle ist Gestalt gewordene Empfindung. Fühlen ist der unmittelbare Eindruck davon, am Leben zu sein. Es ist die magische Verwandlung, die aus Materie eine Identität katalysiert.“ Vergleicht man das Tempo der Evolution mit der Entwicklung des technologischen Fortschritts, dann könnte man zum Schluss kommen, dass unser Fortschritt schneller, imposanter, bedeutender ist als alles, was die Natur über Jahrmillionen zustande gebracht hat. Das einzige, was der Mensch jedoch bewirkt, ist die Aneignung von möglichst viel Welt für eigene Zwecke, in immer kürzeren Zeitabschnitten, ohne selbst dafür eigene Konsequenzen zu tragen bzw. die Folgen anderswo als leidvoll wahrzunehmen. Was uns verloren geht ist die Anverwandlung von Welt, welche zum Zauber gehört, den das Leben als Ganzes ermöglicht. „Anverwandlung„, schreibt Rosa, „[…] ist zeitintensiv und erfordert das Sich-Einlassen auf die Dinge sowie die Bereitschaft, sich selbst zu verändern, sich gleichsam aufs Spiel zu setzen, zugleich ist sie nur dort möglich, wo Selbstwirksamkeit erfahr wird […]. Und sie enthält immer ein Moment des Unverfügbaren und deshalb Unbezahlbaren. Resonanz ist kein rechtliches oder ökonomisches Besitzverhältnis“ [H.R.].
Warum aber benötigt die Natur diese Langsamkeit, während wir EINEN immer schneller realisieren können, was zuvor noch unmöglich schien? Wo liegt der Trug besagten Schlusses? Natürlich dort, wo wir EINEN die wesentlichen Prinzipien des Lebens bzw. der Lebendigkeit bzw. des Vermögens zu HARMONISIEREN, mehr und mehr ins ENTHARMONISIERENDE Gegenteil verkehren. Diese Prinzipien lauten:

1) Vermeidung von Energieraub,
2) Realisierung von Kohärenz durch Rekohärenz,
3) fortwährende Ermöglichung von 1) und 2) durch Diversität von Lebensformen mit individuellen Eigenschaften.

Das Zusammenspiel dieser Prinzipien benötigt jene Zeit, die wir EINEN immer weniger haben, weil wir den durch Entfremdung bewirkten Zeitmangel durch effektvolle Vereinfachungen und Verallgemeinerungen meinen ausgleichen zu können. Vereinfachen, und damit beschleunigen und die Folgen möglichst lange verborgen halten, was von Natur aus dergestalt nicht möglich ist, können wir aber nur, weil wir EINEN:

A) Energie rauben,
B) Dekohärenz verbreiten und Rekohärenz behindern,
C) sich ausbreitende Eintönigkeit, mit gleichen Eigenschaften, fördern, die ihrerseits A) und B) weiter anfeuert.

Wir EINEN, selbst in der Annahme auf EINEM natürlichen Weg zu sein, bewirken eher das Gegenteil von Natürlichkeit bzw. Lebendigkeit: Wir verunmöglichen das HARMONISIERENDE Leben, indem wir Lebendigkeit auf Effekte reduzieren, aber wesentliche Erfahrungen vermeiden.
Allgemein werden die Eigenschaften aller Lebewesen, nicht nur in der Biologie, wie folgt dargelegt:

  • Sie sind Stoffsysteme.
  • Sie haben Energie- und Stoffwechsel und sind damit in Wechselwirkung mit ihrer Umwelt.
  • Sie organisieren und regulieren sich selbst (Homöostase).
  • Sie pflanzen sich fort, das heißt, sie sind zur Reproduktion fähig.
  • Sie wachsen und sind damit zur Entwicklung fähig.[X]
  • Sie sind reizbar und damit fähig, chemische oder physikalische Änderungen in ihrer Umgebung zu registrieren.

Quelle: WIKIPEDIA – [X]: siehe Quelle

Wie praktisch für uns EINEN, und weiteren Spielraum eröffnend, uns derart als zum Leben zugehörig anzusehen, obwohl wir durch unser Bewusstsein bzw.unseren Fortschritt und dessen Folgen und Ermöglichungen, immer lebensfeindlicher agieren. Beschränkt man aber das Leben auf das Einfache, auf das Wesentliche, ohne die Poesie der Lebendigkeit (1-3) zu zerstören und ohne gereimten Ungereimtheiten kohärenzlos auf den Entfremdungsleim zu gehen, offenbart sich eben diese lebensfeindliche Tendenz des Menschen (A-C). Und obendrein die Dramatik, die dem Leben innewohnt, deutet diese Dramatik doch immer auf den Verlust von Resonanzqualität hin, den Bewusstsein bedingt, aber Sensibilisierung für das Wesentliche benötigt. EIN Verlust, der dem Leben umso tiefgreifender verlustig geht, je mehr wir EINEN es ernst meinen mit unserer Aneignung von Weltausschnitten, weil wir nicht daran denken daran zu denken, woran nicht EINER zu denken vermag, um die Wahrheit wahrhaftig wahrzunehmen.

Menschsein bzw. die Ausbildung menschlichen Bewusstseins, im Modus expandierender Weltaneignung, bedeutet „Reichweitenvergrößerung im Zuge der Entfremdung/Technisierung zu naturalisieren, sie zur zweiten Natur werden zu lassen, so dass sie als die normale, primäre, selbstverständliche Form der Weltbeziehung erscheint. Das diese Naturalisierung nicht gelingen kann, lässt sich nur begreifen, oder besser: erahnen, wenn der Sinn für die Möglichkeit einer anderen Weltbeziehung erhalten bleibt“ [H.R.].
Besagtes Erahnen ist die Sensibilisierung, besagter Sinn für eine andere bzw. EINE ANDERE Weltbeziehung ist das Kohärenzgefühl. Was Hartmut Rosa mit diesen eindringlichen Zeilen beschreibt, nannte ich, in Anlehnung an Stuart A. Kauffmans gleichnamiges Buch, Reinventing the Sacred.

Technological progress may have become second nature to us humans,
having led us straight into the realm of our artificial third nature …
but Nature herself has never completely left us to our own devices.

Der eingangs verlinkte Text gibt EINEN möglichen Einblick in die Zukunft, die umso wahrscheinlicher wird, je mehr wir EINEN unsere Dreiecksbeziehung mit der Natur und unseren künstlichen Kreationen ver-ABC-ieren, ganz im Sinne des zeitgeistigen Alphabets. Doch was das Wahrscheinliche bzw. das scheinbar Wahre immer unwahrscheinlicher bzw. als wahren Schein erkennbar werden lässt, ist die weitere objektbeladene Verbreitung von Dekohärenz bzw. die weitere Bewusstwerdung der Spezies Mensch, zur Sensibilisierung unsererseits führend, ermöglicht durch jenes Trojanische Pferd, welches im zweiten Teil ins Blickfeld gerückt wurde. Sensibilisierung für jenen Verlust, der die Dramatik des Lebens sich weiter zuspitzen lässt. Man kann diese gesamte Entwicklung gar selbst, sprichwörtlich, auf die Spitze treiben: Der Wahn des Menschen arbeitet für das Leben. Auch so EINE Doppeldeutigkeit, die ANDERS gedeutet werden kann.
Der Mensch zerstört und plündert nur aus EINEM einzigen Grund und bringt nur aus diesem Grund das Leid in die Welt, wozu nur der Mensch in der Lage ist: Weil das Nichtgelingen dessen, was der Mensch, hinsichtlich EINER ANDEREN Weltbeziehung, erahnt, ihn in diesen kausalen Wahn(Sinn) treibt. Warum es noch nicht gelingen kann? Weil das Feuer, welches ihn in diese Lage brachte, noch Nahrung hat. Erlöschen die Flammen, dann kommt die WAHRHEIT endlich ans Licht. Doch diese Entwicklung wird nur ermöglicht, weil sie nicht bewusst abkürzbar und nicht anderweitig vorausplanbar ist, auch nicht mit Hilfe von BIG und BIGGER DATA. Im Gegenteil!

Alles, was geschehen ist und im Rahmen dieser Entwicklung geschehen wird, geschieht, weil es im realisierten Zeitraum, welcher der Kosmos ist, sich nicht anders entwickeln kann, obwohl die Realität dieser Entwicklung jederzeit anders wahrgenommen werden kann. Um zu ermöglichen, was unausweichlich, ja, notwendig ist. Keine neue Welt. Sondern EINE ANDERE Welt. So, als durchliefe die Spezies Mensch aktuell den Höhepunkt ihrer Pubertät, wo die Natur EINEM immer weniger sagt bzw. zu sagen hat, und was sie sagt, nicht das ist, was wir EINEN hören wollen, „da wir bestimmen wollen, wie wir sein wollen“ [H.R.], während Wahrheiten überall aus dem Boden zu sprießen scheinen. Hauptsache es sind nicht die Wahrheiten der Eltern, die allerdings durchaus einen Tropfen WAHRHEIT beinhalten … und auch das EINE oder ANDERE Fünkchen Wahrheit. Um diese EINE ANDERE Welt wird sich der vierte und abschließende Teil drehen.

Quellennachweis:
[H.R.] Hartmut Rosa – Resonanz – Suhrkamp Verlag 2016
[A.W.] Andreas Weber – Alles fühlt – thinkOYA Verlag 2014

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