EIN dämonischer Vergleich

Ein paar Gedanken zur Geschichte Zuckerbergs Dämon aus Band 1: CHRYSALIS.

Jede Zeit hat ihre Dämonen. Lange Zeit trieb Maxwells Dämon Physiker in den Wahnsinn, bis er letztlich an die kausale Kette gelegt werden konnte. Nun aber treibt ein neuer Unhold sein Unwesen, gemeint ist Zuckerbergs Dämon. Sozusagen die digitale Variante vom analogen Dämon, den Maxwell damals ins Leben rief.

Nicht nur zu Maxwells Zeit begegnete man Menschen, die Stimmen hörten und die niemand anders hörte, mit reichlich Argwohn. Diese Menschen gibt es auch heute noch. Allerdings gibt es heute weit mehr Menschen, die durch die Gegend laufen und sich laut mit Menschen unterhalten, die nicht vor Ort zugegen sind. Früher sprach man von Wahnsinn, Hexerei, dann wurden psychische Krankheitsbilder daraus – und heute nennt man es Fortschritt. Hinzu kommen immer mehr Objekte, die Menschen sehen, die aber nicht real sind – und auch das nennt sich Fortschritt, genaugenommen Augmented Reality.

Wir lassen uns von all diesen fortschrittlichen Möglichkeiten versprechen, die zunehmende Komplexität des Lebens in den Griff zu bekommen, weshalb wir die zukünftige Realität immer berechenbarer, immer vorhersehbarer gestalten wollen, indem wir die Komplexität vereinfachen. Hier kommen Unternehmen wie Facebook ins Spiel … und damit Zuckerberg … und damit besagter Dämon.

Was Maxwells Dämon für analoge Teilchen war, ist Zuckerbergs Dämon für digitale Bits und Bytes. Je mehr wir EINEN das Leben vereinfachen wollen, um Herr über die Komplexität zu werden, desto unberechenbarer wird der Mensch. Nicht nur, weil Komplexität die Folge von immer mehr Vereinfachung ist sondern, weil der Irrtum, Komlexität ließe sich durch Vereinfachungen aus der Welt schaffen, den digitalen Dämon erst in die Welt bringt. Was ihn nähren wird, ist die weiter herumirrende Annahme, dass sich zwischenmenschliches Verhalten und menschliche Begegnungen mathematisch vereinfachen lassen, um EINE Gemeinschaft zu bilden, um Eins zu sein.

Zuckerbergs Dämon wird immer mehr Menschen verfolgen, nicht nur jene, die Physiker sind. Die einzige Möglichkeit, die wir EINEN sehen werden, um auch diesen Dämon an die kausale Kette EINES virtuellen Kettenhemdes zu legen, welches wir der Realität überziehen, wird jene sein, von der eingangs erwähnte Geschichte erzählt, nämlich die Quadratur EINES Teufelskreises. Wie sagte einst Arthur Schopenhauer sinngemäß: Jeder sieht die Grenzen seiner Sicht als die Grenzen der Welt an. Oder anders ausgedrückt: EINE jede Sicht ist nicht die EIN-Sicht von Vielen. Ganz im Sinne EINER multiplen Persönlichkeitsstörung, die der dissoziative Roman in sechs Teilen thematisiert. Und was das Einssein anbetrifft, dass uns dämonische Algorithmen in Aussicht stellen: Ist es nicht ratsamer wir EINEN teilten alle, in aller Verschiedenheit, die gleiche LIEBE zum Leben, anstatt alle gleich sein zu wollen, um Eins zu sein? So, wie es all die ANDEREN Lebewesen, ganz ohne Mathematik und Algorithmen, frei von Dämonen, verkörpern. Von Natur aus. Ohne Profit, Kontrolle und Berechenbarkeit.

5 Kommentare zu “EIN dämonischer Vergleich

  1. Anbei ein Link, der deutlich macht, wie die Künstliche Intelligenz immer weiter in unsere Sicht der Welt eindringt:

    https://aeon.co/ideas/science-has-outgrown-the-human-mind-and-its-limited-capacities

    “One promising strategy to overcome the current crisis is to integrate machines and artificial intelligence in the scientific process. Machines have greater memory and higher computational capacity than the human brain. Automation of the scientific process could greatly increase the rate of discovery.“

    Weil es immer mehr Studien gibt, die kaum gelesen werden, kann die Künstliche Intelligenz demnächst all unsere Bücher lesen, unsere Musik hören, all unsere Filme und Videos anschauen, denn von alledem gibt es ja mehr und mehr. Mehr, als wir je lesen, hören und sehen können.

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  2. https://aeon.co/essays/can-we-design-machines-to-make-ethical-decisions

    Was vermag Technologie in naher Zukunft zu leisten, wenn wir schon genug unlösbare Probleme mit anderen Menschen haben? Wir haben noch nicht einmal diese ansatzweise gelöst, geschweige denn haben wir EINEN Lösungsansatz diesbezüglich.
    Der Weg mittels Künstlicher Intelligenz dürfte all unsere bereits “falschen“ Pfade und nur noch “falscher“ werden lassen.

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  3. https://lareviewofbooks.org/article/a-brutal-intelligence-ai-chess-and-the-human-mind/

    “Near the end of his book, Kasparov notes, with some regret, that “humans today are starting to play chess more like computers.” Once again, the ancient game may be offering us an omen.“

    Im Laufe der Digitalisierung sprechen wir zunehmend wie Maschinen, ohne dass Maschinen unsere Sprache verstehen müssen. Und so, wie wir sprechen, sehen wir letztlich auch unsere Welt … und so, wie Suchmaschinen unsere Fragen beantworten, gestaltet sich unsere Welt, nicht nur hinsichtlich des Klimas, in dem wir leben:

    https://wattsupwiththat.com/2017/07/06/why-are-search-engines-so-hostile-to-climate-realism/

    “Thus, to some extent, a large part of humanity has already entrusted their decisions on political, ideological, and even spiritual matters to a computer program.“

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  4. Immer mehr Kameras, immer mehr Daten, immer mehr Auswertung, immer mehr Einsatz von Algorithmen, immer mehr Verbreitung von Künstlicher Intelligenz, immer deutlicheres Hervortreten von Zuckerbergs Dämon:

    https://www.armstrongeconomics.com/world-news/taxes/facial-recognition-in-street-cameras-to-increase-tax-revenues/

    Und während die im ersten Band erzählte Quadratur des Kreises langsam immer mehr Form annimmt, stimmen die Künstliche Intelligenz und deren Befürworter schon mal ihre Hymne an:

    http://www.azlyrics.com/lyrics/leonardcohen/firstwetakemanhattan.html

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