Wenn Kleines groß geschrieben wird

Ein paar Gedanken zur Geschichte Der Buchladen aus Band 1: CHRYSALIS.

Alan Turing, der große Mathematiker, hatte es offenbar gespürt: Die Anziehungskraft der Fibonacci-Zahlenfolge, die, teilt man eine ihrer Zahlen durch ihren Nachfolger, dem Goldenen Schnitt umso näher kommt, je größer die Zahl ist, durch die geteilt wird. In diesen Zusammenhängen sah (nicht nur) Turing eine Eigenschaft, die der Entwicklung von Leben inhärent ist. Diese Zusammenhänge werden hier ausführlicher dargelegt, anbei aber ein kleiner Ausschnitt:

Es scheint, als sei die Fibonacci-Reihe eine Art Wachstumsmuster in der Natur. Die Fibonacci-Zahlen weisen zudem einige sehr eindrückliche mathematische Besonderheiten auf:
Jede Zahl der Folge ist die Summe der beiden vorausgehenden Zahlen. Die Reihe folgt demnach einem Additionsgesetz.

Jede Zahl der Fibonacci-Reihe ist die Summe der beiden vorausgehenden Zahlen [… aus einem Minor und einem Major].

Jede Zahl hat eine Beziehung zur vorherigen Zahl und zur folgenden Zahl. Ähnlich wie Major eine Beziehung zu Minor und dem Ganzen hat. Wachstum in der Natur scheint einem zeitlichen Bezugsgesetz, einem Additionsgesetz, zu folgen!

Noch erstaunlicher ist, dass diese Zahlenfolge in einem unmittelbaren Zusammenhang zum goldenen Schnitt steht. Die Verbindung ist einfach und eindrücklich: Das Verhältnis zweier aufeinander folgender Fibonacci-Zahlen nähert sich immer mehr dem Verhältnis des goldenen Schnittes, der Zahl Phi, an. Je mehr Spiralzüge beispielsweise der Blütenkorb einer Sonnenblume aufweist, um so mehr nähert sich das Verhältnis der einbezogenen Fibonacci-Zahlen dem goldenen Schnitt an. Mathematisch ausgedrückt, entspricht der Grenzwert (Limes) zweier aufeinander folgender Zahlen der Fibonacci-Folge exakt dem Verhältnis des goldenen Schnittes, der Zahl Phi!

21 : 13 = 1,6154
34 : 21 = 1,6190
55 : 34 = 1,6176
… ≈ 1,618033 (Φ)

Die nebeneinanderstehenden Fibonacci-Zahlen nähern sich in ihrem Verhältnis zueinander nicht beliebig dem Wert des goldenen Schnitts (Φ) an. Sie tun es abwechselnd von oben und von unten. Dadurch werden zwei voneinander unterschiedene Reihen beschrieben. Die eine Reihe nähert sich von oben dem Wert Phi an, die andere von unten. Sie bilden eine polare Gegenläufigkeit, die auf eine gemeinsame Einheit zulaufen, deren Repräsentant die Zahl Phi ist. […]

Quelle: Dr. Ruben Stelzner – Der Goldene Schnitt (PDF)
[ ]: Anmerkung meinerseits

Das natürliche Prinzip, welches Dr. Ruben Stelzner mittels Phi, den Fibonacci-Zahlen und dem Goldenen Schnitt beschreibt, stellt die HARMONIE dar, zu der alle Lebenwesen von Natur aus imstande sind. Nur vermögen all die ANDEREN Lebewesen mehr zu HARMONISIEREN als es uns EINEN möglich ist, streben wir EINEN doch mehr und mehr nach Harmonie. Die Folgen dieses Strebens werden deutlich, wenn man unsere modernen Kommunikationsmittel mal genauer betrachtet – und die Vorstellungen derer, die glauben man könne alle Menschen Eins werden lassen, indem möglichst viele Menschen ihr Leben mit anderen Menschen in sozialen Netzwerken teilen:

How technology created a global village – and put us at each other’s throats

Eine der zentralen Aussagen im verlinkten Text lautet:

 … the more we learn about someone else, the more we tend to dislike that person.

Genau hier liegt der eigentliche Unterschied zwischen HARMONIE und Harmonie … und damit auch zwischen all den ANDEREN und uns EINEN. Es geht dabei nicht nur um unser Verhältnis zu anderen Menschen und auch nicht um das Mögen oder Nicht-Mögen an sich. Dislike, also Nicht-Mögen, ist eher mit der Bewusstwerdung des Ausmaßes von Nicht-Wissen gleichzusetzen, im Glauben vieles doch bereits zu wissen. Dieses Nicht-Mögen lässt sich auf alles übertragen, womit wir Menschen im Leben in Berührung kommen, denn wir mögen es immer weniger etwas nicht zu wissen. Wir wollen immer mehr Fakten, Fakten und Fakten.
Während wir EINEN möglichst viel wissen wollen, um unsere Vorstellungen von Leben durchzusetzen, machen all die ANDEREN all jene Erfahrungen, die notwendig sind, um dem Wesen des Lebens treu bleiben zu können. Die ANDEREN wissen, was notwendig ist, wir EINEN wollen wissen, was möglich ist.
ANDEREN genügt zu wissen, dass ein ANDERER eine Gefahr darstellt. Sie müssen nicht wissen, wer dessen Vorfahren waren, wo sie sonst noch auf der Welt anzutreffen sind, wie viele es noch von ihnen gibt, zu welcher Spezies sie gehören, wie ihre Anatomie, ihre Biologie funktioniert, …

Quelle der Grafik: Dr. Ruben Stelzner – Der Goldene Schnitt (PDF)

HARMONIE, aus Sicht der ANDEREN, bedeutet sich dem Goldenen Schnitt anzunähern, zwischen Wissen und Unwissen, zwischen dem Notwendigen und dem Möglichen, durch Erfahrungen, die am eigenen Körper erlebt werden, ganz im Sinne von Phi und damit ganz im Sinne der PHI(L)HARMONIE – wie sie in der Geschichte des sonderbaren Buchladens beschrieben wird. Dabei bildet das Wissen den Minor und das Unwissen den Major dessen aus, was zusammen die HARMONIE zum Ausdruck bringt. Harmonie dagegen ist einzig darauf aus Alles zu wissen, damit Unwissenheit nicht für Verunsicherung oder gar für Ängste sorgen kann. Harmonie will stets der Major sein und diesen mit dem Ganzen gleichsetzen, sprich, der Minor soll gar nicht erst zum Tragen kommen, obwohl es der Minor ist, der für die HARMONIE wesentlich ist. Aus diesem Grund sorgen soziale Netzwerke und das Einssein mittels Software und Algorithmen nicht für Harmonie, sondern vielmehr für EINE Verkünstlichung der HARMONIE, deren Folge EINE ganz unharmonische Zeit ist. Die letzten drei Sätze in einem der zuvor verlinkten Texte bringen es auf den Punkt:

At a personal level, we may need less self-expression and more self-examination.

Technology is an amplifier. It magnifies our best traits, and it magnifies our worst.

What it doesn’t do is make us better people. That’s a job we can’t offload on machines.

Quelle: How technology created a global village – and put us at each other’s throats

Was nutzt es, über das Netz EINEN Freund am anderen Ende der Welt gefunden zu haben, wenn ich meinen Nachbarn als meinen Feind erachte – während die ANDEREN einem ANDEREN als ein Gegenüber, und nicht als Feind begegnen?

Ein Kommentar zu “Wenn Kleines groß geschrieben wird

  1. Hab‘ vielen Dank für diese treffende Weiterführung des Textes. Das Thema ist so endlos wie die irrationale Zahl Phi. Wir schreiben uns den Naturschutz auf die Fahne und wollen nicht wahrhaben, dass der beste Schutz für ANDERE die Abwesenheit des Menschen ist. Erst vernichten wir ANDERE Populationen fast vollständig, nur um dann wieder die Population isoliert zu züchten und auszusetzen – im gleichen Umfeld, in dem wir zuvor schon die Population arg dezimiert haben und ohne am Umfeld bzw. an unserem Verhalten etwas zu ändern.

    Natürlich lässt sich die HARMONIE bzw. Harmonie auch sehr anschaulich und erhellend auf die scheinbar ewige Diskussion der Gleichberechtigung von Frau und Mann übertragen. Wie viele Frauen braucht eine Firma, um erfolgreich zu sein? Mehr Frauen als Männer, um sich so dem Goldenen Schnitt möglichst anzunähern? Bei all diesen Diskussionen um Chancengleichheit, Karriere und Verdienst, fragt sich offensichtlich keiner, was an den männlichen Vorgaben/Möglichkeiten der Lebensgestaltung so toll ist. Ist das Wesentliche im Leben, wonach es zu streben gilt, Karriere, Verdienst, Ansehen, Selbstdarstellung? Für mich ist das eher EIN Armutszeugnis der Frauen in unseren modernen Gesellschaften, dass sie glauben das Leben wäre lebenswerter bzw. harmonischer, wenn möglichst viele Frauen es den Männern gleichtun könnten, sprich, den gleichen Irrweg einschlagen.

    Als nach den Weltkriegen die männliche Population schrumpfte und es verhältnismäßig mehr Frauen gab, konnte sich die Bevölkerung nur erholen, weil die Frauen das Wesentliche des Lebens wieder in den Vordergrund rücken konnten. Je mehr Frauen meinen, der Weg der Männer sei nachahmenswert und der Job, das Ansehen wichtiger als das Wesen des Lebens, desto schneller kann weitere Einverleibung fortschreiten. Wie wichtig das Wirken der Frauen, jenseits von Karriere und Geld, wirklich ist, kann ja zur Genüge in Büchern wie “Was war vor den Pharaonen?“ von Doris Wolf, “Der Fall“ von Steve Taylor oder “Von Isis zu Jesus – 5000 Jahre Mythos und Macht“ von Harald Specht. Es genügt vielleicht auch sich den Werdegang der Hebammen anzuschauen. Andererseits braucht es für diese Erkenntnis kein Buch … ich erlebe die Bestätigung jeden Tag :-). Wahrscheinlich flüchten sich die meisten Männer eher in den Schoß der Firma, der Karriere, des Ansehens und des Geldes, um der Wahrheit daheim nicht immerzu direkt ins Antlitz blicken zu müssen.
    Da fällt mir ein: Frauen irren nicht nur bezüglich der Wertigkeit des Jobs, sondern auch hinsichtlich ihrer Annahme, im Gegensatz zu den Männern multitaskingfähig zu sein, denn das können beiderlei Geschlechter nicht: https://www.bostonglobe.com/ideas/2016/09/26/why-your-smartphone-hard-ignore/PVdP9cYj3YuXkmFSYvcZON/story.html

    Es ist nur EINE Illusion, wie die, dass Frauen weniger “wert“ sind, nur weil Männer “bessere“ Jobs haben und mehr “verdienen“. Mann. Mann. Mann. Kling fast wie: Fakten. Fakten. Fakten.

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