Alles Zufall – wenn die Vorgeschichten nicht bekannt sind?!

Es gibt so – Zufälle. Nein, eher sind es “Zufälle“, also Dinge oder Geschehen, die einem einfach so zufallen bzw. sich ergeben. Zufälle sind auch immer wieder Thema in den Kurzgeschichten des Romans. Dabei finden diese Geschichten ihren Weg keinesfalls zufällig in einen der sechs Bände, sondern haben ihrerseits ihre ganz eigenen Vorgeschichten – und manchmal offenbaren sich die Vorgeschichten erst im Nachhinein, nachdem eine Geschichte längst fertiggestellt ist oder aber ein Band veröffentlicht wurde. Zufall als Erinnerung im Voraus? Oder als Aufeinandertreffen von mindestens zwei Notwendigkeiten, von denen einem aber vielleicht nur EINE Notwendigkeit unmittelbar bewusst ist, während die ANDERE am Rande der Bewusstheit vorüberzieht und so zufällig erscheint, was gar nicht zufällig sein kann? Vielleicht ist Zufall aber auch nur EINE Erfindung der Menschen? Oder EINE Ausrede? Nun, in Band 2: FRAGMENTE wird diesen Fragen etwas weiter nachgespürt. Worauf wollte ich jetzt eigentlich hinaus? Ach ja –

– ich erhielt heute eine Mail, in der ich gefragt wurde, ob ich das Buch Die Maschine steht still von E. M. Forster kenne, das hier ausführlicher vorgestellt wird. Ich verneinte und schaute, was ich im Netz über Buch und Autor erfahren konnte. Was ich fand, war eine Geschichte, die im Grunde Zuckerbergs Dämon aus BAND 1 anders erzählt, aber zu gleichem Ergebnis kommt – über 100 Jahre nachdem besagter Dämon real werden lässt, was Forster bereits damals sprichwörtlich prophezeit hatte.
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Häufung derartiger “Zufälle“, seit ich damit begonnen habe Material für meine Texte und Geschichten zusammenzutragen, wobei sich das Zusammengetragene nicht nur auf Bücher beschränkt, sondern auch auf CDs und Filme. Da wäre z. B. Kintsugi von Death Cab for Cuties, die mir völlig unbekannt waren und mir praktisch zum richtigen Zeitpunkt über den Weg liefen, um einen Erzählstrang fortführen zu können bzw. eine weitere Geschichte für Band 2: FRAGMENTE daraus hervorgehen zu lassen, die in den gesamten Kontext des dissoziativen Romans passt. Gleiches gilt für das einzigartige Orphèe von Jòhann Jòhannsson, woraus Soldat und Tänzer in Band 1: CHRYSALIS hervorgegangen ist. Besonders eindrucksvoll offenbarte sich dieser unbeschreiblich(e) rote Faden, der sich seit Jahren durch meine Texte zieht, in der Begegnung mit einem Buch, wie es passender kaum sein konnte. Die Rede ist von Speak von Louisa Hall, die mir bis zur Begegnung ebenfalls gänzlich unbekannt war. Insbesondere dieses Buch fasste mehrere “Dinge“ in einem Buch zusammen, die ich dergestalt noch in keinem anderen Buch gefunden habe – außer in CHRYSALIS, nachdem ich es fertiggestellt und veröffentlicht hatte. Dazu gehört das Thema der Künstlichen Intelligenz, das Louisa Hall mal aus anderem Blickwinkel betrachtet, aber auch das Thema des Goldenen Schnitts, der eigentlich eine unerwartete Zutat in einem Roman ist. Nun, manchmal ist er notwendig, um etwas ANDERS beschreiben zu können.

Für jemanden, der diesen Text hier liest, wird sich, allein durch das Lesen bedingt, keineswegs jedwede Annahme von Zufall wohlwollend in Nichts auflösen. Für mich, der die dargebotenen Geschichten der Autoren, Künstler und Interpreten kennt und damit das Ergebnis jener Notwendigkeit, die erst die Motivation hervorbrachte, solche Werke entstehen zu lassen, sieht das anders aus. Ich fand diese Werke aus meiner persönlichen Notwendigkeit heraus einem Gefühl zu folgen, welches anfangs erwähnter roter Faden mehr und mehr ist. So trafen und treffen noch immer mindestens zwei Notwendigkeiten zusammen, was anderen Menschen in der Tat als Zufall erscheinen mag. Je intensiver das Gefühl, je länger der rote Faden desto unzufälliger wird der Zufall und umso mehr weiß man um diese Unzufälligkeit. Doch wie bereits hier erzählt wurde, kann niemand allein alle Vorgeschichten kennen. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass etwas Zufall ist, nur weil man nicht ALLES weiß. Das bedeutet aber auch, dass das Leben als Ganzes kein Zufall ist, denn nur das Leben weiß um ALLE Vorgeschichten – da im Leben ALLE Vorgeschichten stets gegenwärtig sind …

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