Arm dran!?

Bezüglich der zuvor thematisierten Lebenserwartung im Folgenden noch ein paar Gedanken.

Wer arm ist, stirbt früher. Auf diese einfache Formel konnten Forscher der Universität Washington in Seattle ihre Erkenntnisse zur Lebenserwartung in den USA reduzieren.

Quelle

Mal abgesehen davon, dass der Ausdruck EINER einfachen Formel EIN Widerspruch in sich ist (da jede Formel EINE Vereinfachung des von Natur aus Einfachen ist), zeigt der verlinkte Text den wesentlichen Unterschied zwischen Harmonie und HARMONIE auf, sowie das menschliche Multilemma, in dem wir EINEN uns befinden, solange wir uns mittels Vereinfachungen selbst an die Kette der Gesellschaft legen und EINEN einfachen ANDEREN Weg nicht gewillt sind gemeinsam zu begehen – jenen, der durch zunehmende Vermeidung von Energieraub ausgebildet wird.

Wer “ärmer“ ist, ist weniger in der Lage Energie zu rauben, weshalb weniger vom technologischen Fortschritt profitiert werden kann, der seinerseits Ausdruck menschlichen Energieraubs ist. Profitieren bedeutet im Grunde, sich Vorteile auf Kosten anderer Menschen anderswo oder ANDERER Lebewesen zu erschaffen. Die “kürzere“ Lebenserwartung “armer“ Menschen kommt daher der eigentlichen Lebenserwartung von Lebewesen näher, denn “armen“ Menschen stehen weniger Möglichkeiten der Todvermeidung zur Verfügung.
“Arm zu sein“ bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass “arme“ Menschen eher in der Lage sind der HARMONIE treu zu bleiben, sprich, leibhaftiger zu leben. Ist dieses EIN weiterer Grund, warum sich das menschliche Harmoniebedürfnis nicht mit dem natürlichen Vermögen zu HARMONISIEREN vereinbaren lässt, wo wir doch auf unsere Technologien schwören und nach höherer “Lebenserwartung“ streben? Oder haben wir schlicht EINE falsche Vorstellung von “Armut“, daher rührend, dass wir “Armut“ meist in der beengten Umklammerung der Gesellschaft und als kultureller Prägung begegnen?
Harmonie, nach der wir suchen und die wir uns vom Wohlstand erwarten, ist die zunehmende Beschleunigung der Verlangsamung von Folgen, derer wir nicht gewahr werden und die wir nicht am eigenen Leib spüren wollen. HARMONIE indes ermöglicht die Verlangsamung bereits bestehender Beschleunigung, um nachhaltig das Vermögen zu vertiefen, nicht folgenreich über vorgesteckte Ziele hinauszuschießen. Im Grunde ganz einfach.

Wird “Armut“ in Gesellschaften erlebt, die ihrerseits bereits EIN Zeugnis von Verarmung sind, sich dieses aber nicht eingestehen können, dann bedeutet “arm zu sein“ in der Tat mehr oder minder wahrhaftig arm dran bzw. doppelt gestraft zu sein. In einer Gemeinschaft jedoch, in der kein Energieraub vonnöten ist, um (über)leben zu können, ist “Armut“ nur EIN sinnentleertes Wort, das nicht erwarten kann, in einem solchen Umfeld lange überleben zu können.

Ganz ohne Formelwerk lässt sich einfach zusammenfassen: Wer arm ist, ist näher dran am Leben, wer in einer Gemeinschaft lebt, hat Anteil am Geschenk des Lebens. Genau hier liegt die Lösung des zuvor erwähnten Multilemmas moderner Gesellschaften. Wie immer im Leben gilt einzig: Alles eine Frage des Kontextes. Das gilt natürlich auch für die Dissoziation EINER Spezies und all ihrer verkörperten Teile, die in der Summe EIN Armutszeugnis sind, das sie sich selbst ausstellen.

10 Kommentare zu “Arm dran!?

  1. Was du „Todvermeidung“ nennst, ist in meinem Vokabular Teil der Vercyborgisierung, denn das technische Korsett muss immer stabiler werden, wo das Lebendige sich allmählich verflüchtigt.

    Tragisch ist jedoch folgendes: Wir werden als Individuen ja immer mehr dazu gedrängt, geradezu verpflichtet, (Fremd)-Energie zu sparen. Stichwort Glühbirne, während die Superorganismen wie „die Stadt“, „der Markt“, „der Leitindex“, „die Wirtschaft“ in für mich als Einzelperson nicht mehr nachvollziehbarer Form immer mehr Fremdenergie verbrauchen. Stichwort: Nächtliche Beleuchtung des Planeten oder die heilige Kuh Wirtschaftswachstum.

    Und das gilt ja auch für den Medizinbereich. Mehr als 10% der Bevölkerung arbeitet inzwischen im Gesundheitswesen, und eben da verstärkt im Bereich Todvermeidung. Das ist in unserer auf den Kopf gestellten Welt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

    Das Energiesparen, zu dem das Individuum verpflichtet wird, gilt in Wirklichkeit gar nicht der Einsparung von Energie, sondern der Kontrolle und der Überwachung.

    Das Tragische: der Einzelne kann gar nichts mehr machen. Wenn er Energie spart, dient das ebenso dem System, wie wenn er Energie verschwendet. Ich habe mir schon überlegt, ob es nicht klüger wäre, als Einzelner maßlos Energie zu verschwenden, um sie aus dem technisch-industriell-künstlichen Superorganismus abzuziehen, aber das bringt auch nichts, weil wir gar keinen Fremdenergiemangel haben, sondern nicht nur den Planeten, sondern inzwischen auch die Sonne dafür hernehmen, uns mit Zusatzenergie zu versorgen.

    Das Problem: im Gegensatz zu den „Armen“ der Dritten Welt sind wir weit mehr in die Superorganismen verwoben, die längst die Kontrolle über uns als Einzelne haben. Wir können nicht mehr aussteigen.

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  2. In unserem ewigen Kreisen um uns selbst und um unsere eigene Genialität, angefangen von der „Krone der Schöpfung“ über das „geistbegabte Wesen“, den „Eroberer des Weltraums“ hin zum „Klimagestalter und Weltretter“ bekommen wir als Menschen in dieser technologischen Entwicklung doch genau das, was wir selber sind. Ist es nicht einfach so, dass dieses ewige Um-sich-selbst-Kreisen und Selbstbeweihräuchern nun dank der technologischen Entwicklung Form annimmt und sichtbar wird?
    Ist es nicht eine adäquate Realisierung, wenn wir uns selbst in Daten zerlegen und in einer virtuellen Welt Daten vor uns hin blubbern? In diesem ewigen Um-uns-selbst-Kreisen tun wir das doch schon seit Tausenden von Jahren, und das nimmt nun materiell Form an.

    Ist es nicht logisch, dass wir in dieser Entwicklung als Individuen dabei immer machtloser und unfähiger werden MÜSSEN, weil wir in dem Wahn befangen sind, die Mächtigsten und Fähigsten zu sein? Wie arrogant ist denn das? Wie wahnhaft?

    Es wird doch nur sichtbar, wer wir selber sind, wenn wir uns mal nicht selbst was in die Tasche lügen. Die Wirklichkeit hält uns ihren materiellen Spiegel vor.

    Es ist doch, genau genommen, eine Ungeheuerlichkeit, wenn wir andere Lebewesen zu unserem eigenen Nutzen verändern, ihnen eine Form aufzwingen, wie sie UNS passt. Das heißt nichts anderes, als dass wir nicht bereit, die ANDEREN Lebewesen so zu nehmen, wie sie sind. Das tun wir aber seit Tausenden von Jahren durch Züchtung und nun durch Gentechnik. Was uns als Menschen angeht, sind es Ideologien, Erziehung und Herrschaftsverhältnisse, mit denen wir uns ständig in irgendwelche Formen zwingen. Wir sind ja nicht mal fähig, uns als Menschen gegenseitig anzunehmen, wie wir sind. Wir nehmen nicht mal uns selbst an, sondern versuchen, uns selbst zu optimieren, besser zu sein, in ein selbst ausgedachtes Idealbild hineinzuwachsen. Oder auf gut deutsch: Wir sind unfähig zu lieben, denn LIEBE ist ja nichts anderes, als die ANDEREN, die WELT, die MENSCHEN, UNS SELBST anzunehmen, wie sie und wie wir sind.

    Wenn die technologische Entwicklung nun anfängt, UNS Menschen eine Form aufzuzwingen, uns zu entindividualisieren, tun wir uns damit nur dasselbe an, was wir seit Tausenden von Jahren ANDEREN antun. So wie WIR EINEN nun durch unsere eigene Technik behandelt werden, so haben wir seit Jahrtausenden die ANDEREN behandelt.

    Das eigentlich Erstaunliche ist doch: Es sind nicht die ANDEREN, die uns so behandeln. Es sind unsere EIGENEN SCHÖPFUNGEN, die eine solche Macht über uns erlangt haben, dass wir uns nicht gegen sie wehren können. Es ist die Geschichte vom Zauberlehrling …

    Und da kannst Du sagen, was Du willst: Im Grunde ist das alles sehr weise eingerichtet, egal, was nun eigentlich dahinter steckt.

    Es passiert nichts Anderes, als dass wir mit uns selbst konfrontiert werden. Je länger wir uns auf diesem Weg belügen, desto tiefer reiten wir uns selbst in die Bredouille.

    Wenn wir uns selbst erkannt haben, können wir nur noch drauf hoffen, dass diese Weisheit, die meines Erachtens direkt in der Materialität, in den Bindungen, im Sein verankert ist, auch das Motiv der Gnade kennt. Wenn nicht, dann heißt es für uns wirklich GAME OVER, was jedoch als Erkenntnis in die Materialität der Bindungen einfließen wird. Auf diese Gnade haben wir jedoch keinen Anspruch. Denn wenn wir uns selbst erkennen, erkennen wir auch die immense Zerstörung, die wir angerichtet haben und immer noch weiter anrichten.

    Und wenn im Rahmen der HARMONIE anders entschieden wird, ist das auch okay.

    Du sprichst von einer dissoziativen Störung, und genau das ist es auch, was hier mit der Menschheit passiert. Wie ist es mit den Menschen, für die die Medizin dieses Krankheitsbild erstellt? Es gibt einige, die aus ihrem Wahn wieder selbst herausfinden, wie John Nash, der in dem Film „A beautiful Mind“ dargestellt wird. Ja, es gibt den Weg der Heilung. Aber was ist es, was die Heilung in die Wege leitet? Zum Einen muss der Betroffene selbst drauf kommen, dass er sich abseits der ANDEREN gestellt hat und sich eine Fantasiewelt geflüchtet hat. Du hast Recht damit, dass dies nur IM Zentrum dieser Fantasiewelt geschehen kann (wofür Du, so wie ich es verstanden habe, das „echte Buch“ nimmst). Es funktioniert nicht, wenn der Arzt oder die ANDEREN dem Patienten sagen, dass er in einem Wahn lebt. Der Patient wird dem Arzt im besten Fall zustimmen und heimlich doch in seiner Welt weiterleben. Oder er wird den Arzt als Feind erleben, der ihm das nehmen will, was er unbedingt zum Leben braucht.

    Ich frage mich, was wir als Menschen sind: Wenn wir im Gesamtkontext die dissoziative Störung SIND, werden wir als Menschen im Prozess der Heilung verschwinden. Wenn wir noch was Anderes außer Wahn sind, wird das sichtbar werden und Form annehmen, ebenso wie jetzt gerade das Um-sich-selbst-Kreisen in der Technologie sichtbar wird. Das wird dann materiell Wirklichkeit werden und sich zeigen.

    Tja, und dann gibt es in der Medizin eben auch sehr viele Fälle, wo der Wahn nie aufgelöst wird. Wo die Menschen im Glauben Jesus oder Napoleon zu sein, sterben.

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  3. Wow … Dein Text fasst es dergestalt zusammen, dass wir nun im Grunde am Ende weiterer Ausführungen angekommen sind, denn ALLES wesentliche liegt nun offen dar. Mit Deiner EInwilligung werde ich diesen Kommentar als eigenständiges Thema übernehmen. Wäre das OK? Und wie ich uns kenne, wird auch dieser offenbarende Text nicht das Ende der Fahnenstange unserer “Diskussion“ sein 🙂 … nun, mir soll es nur recht sein.

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  4. Der Wahn hat aber gerade da einen Sinn, wo er als Anzeiger oder Stimme dient, lebendig zu halten und auszudrücken, wo sich Eigensinn selbst entzogen oder gegen sich selbst gerichtet ist, durch die Umstände die den Wahn erst bedingen und ermöglichen, also dem Leben gerade auch seinen Sinn entziehen, durch Enteignung und Fremderleben und gelebt Werdens innerhalb sich reproduzierender Machtverhältnisse. Die Stimme des Wahns ist also das aufklaffende Loch innerhalb einer Wirklichkeit, die sich beständig selbst entzogen ist und wird gerade dadurch für das Leben notwendig um sich selbst zu erhalten. Es ist ja gerade eine Suche nach dem inhärenten Sinn, der für Wahr gehalten, aber innerhalb der sich vollziehenden Lebensumstände nicht mehr wahrgenommen werden kann. Also im Grunde eine Identitätskrise, indem sich die Lebensumstände gegen sich selbst gekehrt haben und damit das Leben darin bedrängen.
    Heilung vom Wahn würde demnach vielleicht bedeuten, gerade zu bestätigen, was immer schon gewähnt wird, aber sich nicht erfüllen kann. Was vergleichbar ist dem, was in natürlichen Umständen und Verhältnissen bedeuten würde, wirklich auch den Kampf auszutragen, der sich im Wahn des Menschen hier in ihm selbst abspielt, also sich nicht verwirklichen kann und damit ewig um sich selbst kreist.
    Es ist geradezu so, dass der Mensch die natürlichen Verhältnisse, von fressen und gefressen Werdens, bzw. den ganzen Zyklus von Leben in seiner Schaffung von Kultur von Außen nach Innen getragen hat. Man sagt ja auch, wo sich jemand streitet und im täglichen Leben gegenseitig bekriegt, hilft kein Umzug in ein neues Heim oder das Wechseln von Umständen, weil der Krieg zugleich auch dort wieder ausbrechen würde. In der Natur würden solche Verhältnisse direkt ausgetragen werden, aber unter den Menschen werden sie chronisch, weil sie sich nur andeuten und auf ein gerichtetes zwischenmenschliches Zusammenleben übertragen werden, wo sie eben dergestalt ihre existenzielle Grundlage verlieren, obschon sie dennoch im Erleben und für Wahr halten durch die angesprochenen Gefühle und den Instinkt präsent sind.
    Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass man entstehenden Wahn in der Medizin gerade durch einen Eingriff in die Regulation des eigenen Botenstoffhaushaltes bekämpft oder eindämmt. Wo also natürliche Verhältnisse auf menschliche übertragen werden, wird instinktives Erleben zwar angesprochen und geweckt, also auch Aggression, Angst, Ekel, usw. empfunden, die sich körperlich und psychisch niederschlagen, sich aber durch eine zunehmende Angleichung von Umständen und Verunmöglichung von Ausweichs-, Kampf- oder Fluchtverhalten nicht mehr ausdrücken können, wodurch der Eigensinn, also auch der Körper in seinen Reizen und Verhalten, gegen sich selbst gerichtet wird. Und da stimmt natürlich die Aussage, dass sich unsere eigenen Schöpfungen gegen uns selbst kehren und das mit uns Menschen nun auch genau das passiert, was wir seit jeher den Anderen zufügen.
    Vielleicht erklärt sich aus angesprochenem auch, warum über den eigenen Wahn keine „Krankheitseinsicht“ bestehen kann, denn was sich innerlich an Erleben abspielt hat seinen Sinn für sich, ist für das Überleben unbedingt notwendig, da es die Brücke über einen aufgetanen Abgrund darstellt.

    Aber was sich hier vielleicht vollzieht ist ja gerade, dass sich die existenzielle Grundlage aus den gewähnten Verhältnissen entzieht. Was im Erleben bleibt ist demnach Andeutung, Gefühl, das sich nicht verwirklicht. Wo also der Existenzkampf z.B auf Geldverhältnisse übertragen wird, vollzieht sich im Erleben immer noch ein existenzieller Konflikt, dem aber in der technokratischen Gesellschaft zunehmend der Stachel genommen werden könnte. Also wird in diesem Prozess vielleicht eine Umwandlung geschaffen der instinktiven Gefühle und Reaktionen, die von Natur aus gegeben sind. Das Tier ist von seinem Instinkt gerade vollständig vereinnahmt. Wenn es um sein Leben rennt, dann geht es auch völlig darin auf, ist vollständig in seine Gegenwärtigkeit verankert. Aber wir Menschen können durch die Übertragung dieser Verhältnisse vielleicht gerade darin ein Sowohl-als-Auch erschaffen, durch die Ersetzung von Notwendigem zu Möglichem und Tatsächlichem zu Potenziellem.
    Wenngleich diese letzte Überlegung auch nur darauf abzielt und davon lebt, gerade den Tod aus der Lebensgleichung auszuschließen und damit wohl auch nur weitere Auswüchse von Transhumanismus, Gentechnik und Technosphäre befördert.
    Also doch ausweglos verrannt?…

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    • Ich komme mit dem Wow-en ja nicht mehr nach 🙂 . Gleichfalls ein Kommentar, der einen eigenständigen Text wert wäre.

      Sie schreiben:
      “Aber wir Menschen können durch die Übertragung dieser Verhältnisse vielleicht gerade darin ein Sowohl-als-Auch erschaffen, durch die Ersetzung von Notwendigem zu Möglichem und Tatsächlichem zu Potenziellem.“

      Vielleicht ist die Technologie das Medium, das uns mit den ANDEREN Lebewesen versöhnen kann, das uns das Spiegelbild verstehen lernt, welches uns die ANDEREN in Form ihres Verschwindens fortwährend vorhalten, während wir weiter fortschreiten? Vielleicht ist ein Sowohl-als-Auch aller ANDEREN und uns EINEN der Weg schlechthin und nur über die Auswirkung unserer Technologien möglich? EINEN ANDEREN (Aus)Weg gibt es vielleicht tatsächlich nicht, zumindest für uns Menschen nicht, frei nach dem Motto:

      Schneller als unsere alternden Körper verwesen dürfen, verliert sich unser Wesen in EINEM leeren Kokon. Wahnsinnig vor Trennungsschmerz, heilte sich das Leben selbst … und ward davongeflogen.

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  5. „…. die natürlichen Verhältnisse von Fressen und Gefressenwerden, den Zyklus von Leben in seiner Schaffung von Außen nach Innen getragen hat. Man sagt ja auch, wo sich jemand streitet und im täglichen Leben gegenseitig bekriegt …“

    Versteckt sich dahinter nicht eine Sicht auf die natürlichen Verhältnisse, die diese Verhältnisse als destruktiv oder grauenvoll einstuft? Offenbart sich da nicht die Sichtweise, dass Fressen und Gefressenwerden nicht sein darf? Fressen und Gefressenwerden: das ist der Tod in zweigeteilter Form. Ist das nicht wieder nur die alte Geschichte mit der entsetzlichen Angst vorm Tod?

    Was passiert, wenn Fressen und Gefressenwerden bzw. der Tod nicht sein darf? Jedes Lebewesen strebt nach Entfaltung, Vermehrung. Es will sich ausbreiten und immer mehr ausbreiten. Das ist der Lebenswille, der in jedem einzelnen Lebewesen verkörpert ist. Würde es Fressen und Gefressenwerden, den Tod, nicht geben, würde jedes einzelne Lebewesen sich endlos ausbreiten, bis die Welt durch die Fülle der Lebensformen an sich selbst erstickt. Oder es würde keine Vermehrung, Entfaltung und keine Ausbreitung geben. Statik statt Dynamik. Insofern ist der Tod in Form von Fressen und Gefressenwerden eine elegante Lösung, dem Lebensdrang der einzelnen Lebewesen zu entsprechen.

    Was wäre denn ein Leben ohne Lebensdrang? Ohne den Wunsch sich einzubringen, sich auszubreiten ….?
    Es wäre der tote Planet, das Nichts, denn Lebewesen sind ja nichts anderes als der Lebenswunsch, der Form angenommen hat.

    Und nun ist es im Tierreich mit Fressen und Gefressenwerden ja getan. Da entsteht weder Hass noch Krieg noch Sadismus oder dergleichen. Für kurze Zeit, während der Jagd, ist Aufruhr, danach zwitschern die Vögel wieder, als wäre nichts gewesen.

    Überdies dient Fressen und Gefressenwerden der Verminderung von Leid. Es gibt in der Natur keine alten, siechen, vereinsamten, kranken, depressiven oder sonstwie leidenden Wesen, weil der Tod sie schon alle einholt, bevor sie dahin kommen. Es gibt nur den Hunger, und manche Lebensformen bringen sich selber dahin, wegen der Aufzucht ihres Nachwuchses schier zu verhungern, sich also selbst mit allem, was man ist, zu riskieren. Ich denke da an den Marsch der Pinguine oder die Reise der Wale oder die Zugvögel. Warum tun die Tiere das? Doch nur, um zu zeigen, wieviel ihnen das Leben BEDEUTET. Und weil sie zeigen, wieviel das Leben ihnen bedeutet und was sie dafür auf sich nehmen, dienen sie der HARMONIE.

    In der Verinnerlichung dieser Außenwelt wird aus dem Fressen und Gefressenwerden beim Menschen Hass, der sich gegen die eigene Spezies richtet. Und die Verinnerlichung gelingt ja nur rudimentär, denn das Herzstück unserer ganzen technologischen Entwicklung ist ja doch der technisch-militärische Komplex. Wir führen doch nur wegen der Atombombe keine großen Kriege mehr, weil wir uns einen solchen Krieg nicht leisten können. Die Bedrohung bleibt indessen bestehen. Und zudem entsteht der Terrorismus, wo sich der Krieg nun mehr und mehr gegen den Einzelnen INNERHALB der eigenen Gruppe richtet statt gegen einen angeblichen Feind AUSSERHALB. Das ist doch aber etwas anderes als die instinktiven Gefühle, denen das Tier folgt.

    In der Beweisführung gibt es nicht nur die Verifizierung, sondern auch die Falsifizierung, um eine These, ein Verfahren zu bestätigen. Vielleicht sind alle ANDEREN Lebensformen eine Verifizierung und wir als Menschen die Falsifizierung. Denn tatsächlich stellen wir ja zielsicher alles, was Natur ist, auf den Kopf …

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  6. Also “funktioniert“ das Leben einzig in LIEBE zum Leben durch Gegenwärtigkeit, in der Lebensfreude und Todesgewahrsamkeit zum Ausdruck kommen. Daher auch all das Gebalze in prachtvollen Farben und lautstarkem Gehabe – nicht, um dem Weibchen zu imponieren, sondern um dem Tod den Mittelfinger zu zeigen, als Ausdruck des Mitten-im-Leben-Stehens. Kein WUnder, dass der Mensch das fehlinterpretiert, weil er von Todesgewahrsamkeit nichts hören und sehen will und stattdessen lieber Kosmetik- und andere Balzimperien aufbaut, die seine Fehlsicht zum Ausdruck bringen.

    Also bedeutet Menschsein den Tod in all seinen Formen zu zerschlagen, zu fragmentieren, und die Einzelteile, sprich, Scherben, sprich, Fakten, sprich, Messwerte, sprich, Daten, zu immer neuen Mustern zusammenzulegen – Hauptsache, der Tod wird in diesen Mustern nicht wieder ersichtlich, weshalb die Muster vorsorglich als Fortschritt deklariert werden. Und doch hat jedes Teil Anteil am Tod …

    Die Antwort auf “das Universum, das Leben und den ganzen Rest“ ist nicht 42 – es ist der Tod … aber vielleicht ist 42 EIN Code für den Tod 😉 ?

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    • Natürlich löst es Begeisterung aus, wenn einer hergeht und dem Tod im Gewahrsein des Todes gerade mal eben den Stinkefinger zeigt. Warum sollen die Weibchen da eine Ausnahme machen? Jeder, der das Leben feiert, hat seine ganz besondere Anziehungskraft. Ob er das nun mit prachtvollen Farben, lautstarkem Gehabe oder auch ganz leise tut. Der Maulwurf in meinem Garten feiert das Leben in Form von Erdhügeln. Und warum eigentlich nicht? 🙂

      Sind die Königspinguine nicht tatsächlich die Könige unter allen Stinkefingerzeigern: sie suchen sich den absolut unwirtlichsten Ort der Erde aus, um dort ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen.
      Welche Kühnheit zeigt sich denn da?
      Ein Hoch auf die Königspinguine. Die wahren Meister des Lebens.

      Der Stinkefinger: das und nichts anderes gibt dem Leben seine Schönheit und seine Würde.

      Im Übrigen steht dieser Weg jedem offen. Auch uns Menschen. Dir und mir.

      Sollen die Todvermeider den Tod doch zerschlagen, fragmentieren und in Form von Daten zu immer neuen Mustern zusammenlegen.
      Das Leben findet woanders statt.

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  7. Und dann kommt noch das Bewusstsein ins Spiel, dessen Multilemma die zunehmende Übelnehmung des Todes ist. Je “höher“ ein Bewusstsein entwickelt ist, desto mehr teilt sich die Welt in Opfer und Täter, in Jäger und Gejagte und in Räuber und Beraubte – und in die Fressenden und die Gefressenen. Daher treiben umso mehr Ängste ihr Unwesen in der Welt, je weniger das Bewusstsein im Wesen des Lebens gegenwärtig ist und stattdessen EINE Welt aus Vergangenem und Zukünftigem aufbaut.

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