Es gibt kein Zurück

Ken Wilber schrieb, bevor er sich mittels zeitgeistiger Vereinfachung der Quadratur des Einfachen verschrieb, ein anschauliches Buch über uns EINEN – in steter Anwesenheit des Lebens selbst: Halbzeit der Evolution.
Aktuell befindet sich das menschliche Leben augenscheinlich in der Halbzeitpause, sozusagen in der künstlichen Schwerelosigkeit der Höhenflüge, die uns EINEN unser technologischer Fortschritt ermöglicht hat, so die Dissoziation der Spezies Mensch deutlich offenbarend. Derartige Höhenflüge sind jedoch nur möglich, weil wir EINEN nicht länger den Zyklen ANDERER unterworfen sein wollen, sondern uns von der gemeinsamen Wurzel des Lebens losgesagt haben.

Wie jede Art von Bewusstseinswachstum war die Entstehung der Auffassung von geschichtlicher Zeit gut und schlecht zugleich. […] Schlecht war die Auffassung […], weil diese riesige neue Welt historischer Horizonte weit jenseits der jahreszeitlichen Zyklen dem Machthunger des heroischen Ego entgegenkam. Macht sucht ja nichts anderes als sich auszudehnen und diese Ausdehnung laufend zu akkumulieren. Jahreszeitlich/zyklische Zeit ist solcher Akkumulation nicht günstig, weil in der nächsten Saison ‚alles wieder von vorn anfängt‘. Für Menschen mit unersättlichem Machthunger stellt die sich linear über alle Jahreszeiten erstreckende Zeit jedoch die beste Heimat dar. […] Da Körper/Natur der Bezugspunkt für zyklische Zeit ist, Geist der für historische Zeit, ergab die Trennung von Körper und Geist auch die Trennung von Natur und Geschichte. Der eigentliche Zweck der Geschichte ist die Transzendenz der Natur. Nun aber kam es zur Dissoziation zwischen beiden, die dahin tendierte, beide zu deformieren. Sobald nämlich das Ego sich von der jahreszeitlich bestimmten Natur und vom Körper abgeschnitten hatte, besaß es keine spürbaren Wurzeln mehr, durch die seine an sich höherrangige Bewußtheit geerdet worden wäre. Daher scheute das Ego sich nicht, einen wohlüberlegten Angriff auf die Natur selbst einzuleiten, ohne Rücksicht auf die historischen Konsequenzen.

Quelle: Ken Wilber – Halbzeit der Evolution – S. 238-239

Somit ist Zeitgeist EIN Trennungskind, das die Folgen der Trennung mit Technologien zu kompensieren versucht. Wilber weiter:

Auf seiner Suche nach Ersatzbefriedigungen und Unsterblichkeitsentwürfen forderte und akzeptierte das Ego nur eine Zeit, die unablässig linear voranschritt und dabei seine Unsterblichkeitsträume mit sich führte.

Quelle: Ken Wilber – Halbzeit der Evolution – S. 239

Während von Natur aus, ermöglicht durch verschiedene Zyklen, die erworbenen Informationen des zyklischen Durchlaufens den Beginn eines weiteren Zyklus begleiten und somit das Losgelassene nicht weiter energielastig beibehalten und durch weitere Zyklen schleppen, hält der Mensch seit Beginn der Niederschrift immer beharrlicher an dem fest, was sich immer weniger als Information herausbilden kann. Im heutigen als Informationszeitalter propagierten Höhenflug, in welchem mehr und mehr entwurzelte Daten die Informationen ertränken, sind wir bestrebt jede noch so kleine Lücke der Linearität, aus der Gegenwärtigkeit heraus, rückwärtig mit Informationen zu füllen, doch wir stopfen sie einzig mit Daten aus, damit das Lineare möglichst geradlinig erscheint – und wähnen uns dabei wohlinformiert und obendrein in der Realität verwurzelt.
Die WAHRHEIT indes, sie dürfte EINE GANZ ANDERE sein – und die Expansion des Universums vielleicht EIN offensichtlicher Hinweis dahingehend, was wirklich (im All) mit all der Datenlast geschieht, die wir durch die Menschheitsgeschichte schleppen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s