Verschwörungen, Legenden und Schubladen

Willkommen im Daten(!)zeitalter – Verschwörungen zuhauf. Was ist Wahrheit, was ist News, was Fake? Man weiß es immer weniger. Schönes Beispiel Klimawandel, obwohl jedes Thema verschwörerisch tauglich ist, dessen Vereinfachungen von wesentlichen Zusammenhängen anschließend von der Masse als Verallgemeinerung konsumiert werden. Die Folgen beschreiben die Geschichten des dissoziativen Romans aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Folgen EINES solchen Konsums zeigen sich aber auch anderswo, zum Beispiel in Talkrunden und anderen Kreisen, die der Quadratur von natürlichen Kreisläufen gehörig auf den Leim gehen:

Es war der Beweis für das immer weiter verbreitete Phänomen – nicht nur in Sachen Umwelt – Wissenschaftler als Lügner darzustellen und Fakten sowie Studien mittels Verschwörungstheorien zu diffarmieren.

Quelle

Ja, Fakten sind Fakten und f…ed ist alles ANDERE, sprich, the science is settled. Punkt. Ausrufezeichen.

Der Verschwörungstheoretiker ist EINE praktische Schublade, in der faktisch jeder landen kann, der, wodurch auch immer motiviert, eine andere Sicht vertritt als jene, die den Fakten ewige Treue geschworen haben. Fakten, die verankert im Raume stehen und allen Stürmen von Beobachtung, Logik und Kontextbewahrung scheinbar widerstehen können. Tauchen Verschwörungen auf, fragt sich kaum EINER, warum dem so ist, denn Verschwörungen sind einzig EIN Symptom, das auf EINE Bruchstelle in der faktischen Fassade hinweist – nicht mehr, nicht weniger.

Verschwörungen lassen sich mit Legenden vergleichen, denn in beiden Fällen kommt es primär überhaupt nicht auf den Inhalt an, sondern vorerst auf die Umstände, die Verschwörungen bzw. Legenden bedingen. Der Inhalt ist sekundär und einzig dafür da, dass sich der Inhalt räumlich wie zeitlich auszubreiten bzw. zu halten vermag, wie es für Symptome typisch ist – vorausgesetzt man versucht sie nicht sofort, aus welchem Grund auch immer, wieder zum Verschwinden zu bringen, insbesondere durch Kontextauflösung.
Symptome sind Hinweise auf Unstimmigkeiten in einem größeren Kontext; auf Geschehnisse, deren schieres Auswirkungspotenzial derart groß ist, dass EIN Bewusstsein versucht, die Größe in die begrenzte Räumlichkeit bestehender Weltbilder zu integrieren. Je länger sich demnach EIN solches Symptom zu halten vermag, desto mehr Unstimmigkeiten sind thematisch am Werk, desto eher droht die Bruchstelle, der für robust gehaltenen Fassade, sich zu vergrößern, desto mehr rückt das Symptom der Masse auf den Pelz. Die Masse aber ist Vereinfachungen gewohnt, deren Verallgemeinerung EINEN fragilen Gegenpart zu den Fakten bildet, was zu weiteren Spannungen in der Fassade führt. EIN Teufelskreis – EINER, der mit Wahrheiten droht, hinter der Fassade gelegen? Oder EINER, der nach und nach mehr und mehr verdeutlichen wird, dass Schubladen, egal welcher Quadratur, nicht ewig gefüllt werden können, weil der Schrank der WAHRHEIT nur EINE begrenzte Anzahl von Schubladen hat?

Wie gut, dass wir also in EINEM Daten(!)zeitalter leben und nicht in einem Informationszeitalter, denn je mehr virtueller Raum geschaffen wird, desto seltener benötigt man noch EINEN Schrank. Wie viele Schubladeninhalte passen in EINE Cloud? Ist der Datenhimmel grenzenlos? Nein, denn Fakt ist: Je weniger Kontext, desto näher kommt man der Wahrheit – nee, Moment, es heißt: Fu…ed ist, wer den Fakten glaubt und den Kontexten nicht vertrauen kann, die mit räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Informationen verwoben sind. Informationen, hinsichtlich des Klimas, gibt es zum Beispiel hier zuhauf.

Sicherlich ist es praktisch über solche Schubladen zu verfügen und all jene darin zu verstauen, die nicht nur Verschwörungstheoretiker sind, sondern auch jene, die über weitreichende Informationen zu verschiedenen Themen verfügen, die nicht als Fakten angesehen werden oder aber nicht zu den Fakten passen, weshalb Quadrierer Verschwörungen gerne aufgegriffen und die zugehörigen Theoretiker in den Kreis von Quadrierenden eingeladen werden. So lassen sich unbequeme Informationen bzw. deren Vermittler schließlich vereinfacht als Verschwörung bzw. als deren Theoretiker verallgemeinern. Doch nicht jeder andersdenkende und kontextaffine Informant ist EIN wahrhaftiger Verschwörer, so, wie nicht jeder Datensatz eine Information darstellt – und Fakten keine Fakten sind, wenn Kontext einzig auf Schubladengröße heruntergebrochen wird.
Warum überhaupt quadriert wird? Nun, in der Hoffnung, das Klima kontrollieren zu können. Nicht, dass eines Tages, statt vereinfachter Daten, wohlinformierte einfache Grundlagen auf die Allgemeinheit herabregnen und Fassaden voller Risse weiter aufweichen. Klingt nach Verschwörung? Fu…!

Vielleicht hilft ein Blick auf das Obstsalat-Syndrom, welches im dritten Band: RAUB eine eigene Geschichte bekommen wird. Dazu im nächsten Beitrag mehr.

 

4 Kommentare zu “Verschwörungen, Legenden und Schubladen

  1. Mediales Ausschlachten von Meeresspiegeln, die steigen und steigen und die Welt ertränken werden? Nur, wenn man Kontext im Datenozean ersäuft … aus welchem Grund auch immer. Bezieht man Kontext mit ein und spannt den Rahmen mal etwas größer, dann sieht das Bild anders aus, denn die Meeresspiegel lagen allesamt schon mal höher als es heute der Fall ist:

    https://www.iceagenow.info/sea-levels-rising-10000-years/#more-23254

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