Homo Deus oder Homo Erraticus?

Das Buch HOMO DEUS von Yuval N. Harari verstand es, mich durchweg zu begeistern – und doch enttäuschte es mich zugleich. So ist das lesenswerte Werk der immer deutlicher werdenden Schattenseite unserer technologischen Entwicklung zwar auf der Spur, abzulesen beispielsweise an folgendem Zitat, doch versäumt es, die unbequeme WAHRHEIT über unser Treiben auszusprechen:

Die schlechte Nachricht ist, dass sich die Lage zwar verbessert hat, gleichzeitig aber die Erwartungen förmlich explodiert sind. Dramatische Verbesserungen der Lage, wie die Menschheit sie in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, übersetzen sich eher in größere Erwartungen denn in größere Zufriedenheit. Wenn wir daran nichts ändern, dürften uns unsere Errungenschaften so wenig zufriedenstellen wie eh und je.

Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 53

Es folgen unzählige nachvollziehbare Gründe für diese Entwicklung, in der der Autor unsere menschliche Vorstellung von Harmonie treffend herausarbeitet:

Mit jedem Jahr, das vergeht, nimmt unsere Toleranz gegenüber unangenehmen Empfindungen ab, während unsere Sehnsucht nach angenehmen Empfindungen zunimmt.

Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 63

Endlich EIN Buch zudem, das der Rolle der ANDEREN Lebewesen, im Kontext unserer Entwicklung, reichlich Raum gewährt, denn, so schreibt der Autor:

Meiner Ansicht nach kann man über Wesen und Zukunft der Menschheit nicht ernsthaft diskutieren, ohne mit unseren Mitgeschöpfen zu beginnen.

Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 95

Allein für diese Betrachtungsweise hat das Buch EINE große Leserschaft verdient, ist diese doch zwingend notwendig, um dem Zeitgeist nicht länger auf den Leim zu gehen und um sich der WAHRHEIT annähern zu können. Warum dann die eingangs erwähnte Enttäuschung?
Nein, es ist nicht die im Buch allgegenwärtige Gleichsetzung von Wirklichkeit und Realität, von Gefühl und Emotion, auch nicht die von Information und Daten. Weder ist es das gewohnte Anstimmen des Lobliedes auf die globalen Impfpraktiken noch das Aufgreifen des medialen Klageliedes vom Klimawandel, der, so der Tenor, bald in EINEM Wärmechaos enden wird – müssen solche Lieder doch vielleicht längst mitgesungen werden, um überhaupt EINEN Bestseller zu ermöglichen, vielleicht gar, um überhaupt EINEN Verlag zu finden. Ob Lieder solcher Art allerdings zum generationsübergreifenden Evergreen taugen, das wird indes die Zukunft zeigen. Jene, die HOMO DEUS thematisiert – auch wenn die Darlegungen des Autors schnell klarlegen, dass sich besagte Evergreens selbst widersprechen und so eher EINE Endlosschleife menschlicher Harmonievorstellung darstellen. EIN Widerspruch, der jedoch nicht der Absicht des Autors entsprechen dürfte, sondern Zeugnis des zeitgeistigen Leims ist, dem nicht nur Yuval N. Harari anhaftet.
Wodurch wird EIN Lied eigentlich EIN Evergreen? Dadurch, dass viele Menschen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten in ihrer Hörgewohnheit und Harmonievorstellung übereinstimmen respektive kooperieren – woraus letztlich meine Enttäuschung hervorgeht, denn der Autor fasst zusammen, was er als DEN entscheidenden Unterschied unserer Spezies, im Vergleich zu allen ANDEREN Lebewesen, ansieht. EIN Unterschied, der, wie angedeutet, vonnöten ist, damit Lieder überhaupt zu Evergreens werden können. Wir EINEN sind so anders, weil:

Homo sapiens als einzige Art auf Erden in der Lage ist, in großer Zahl flexibel zu kooperieren.

Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 183

Mit “unzähligen Fremden kooperieren“ zu können, das ist laut Yuval N. Harari DIE Basis unserer “Herrschaft über den Planeten Erde“.
Leider versäumt er zu erwähnen, dass erst unsere Möglichkeit, Energie zu rauben, EINE solche Kooperation ermöglicht – bis zum heutigen Tag und vom ersten Tag an, an dem ein brennender Ast in eine bis dahin finstere Höhle getragen worden war, dorthin, wo das Feuer von Natur aus nie von sich aus hingelangt wäre. Erst dadurch bedingt, konnte all das entstehen, was der Autor lesenswert als unsere Entwicklung als Spezies beschreibt, inklusive unserer gänzlichen Andersartigkeit, verglichen mit allen ANDEREN Lebewesen auf dem Planeten Erde.

All unsere Kreativität, die Entwicklung all unserer Sprachen, unserer Schriften, unserer Technologien, all das ist Folge des Energieraubes, als Ausdrucksform von Energie, die dergestalt ungebändigt ihr Unwesen treibt. Dieser Raub führt(e) zur Beschleunigung dessen, was von Natur aus, aus gutem Grund, weit mehr Zeit benötigt, denn die Beschleunigung lässt die Verstrickung EINER Spezies in den eigenen Wirren als flexible Kooperation von Fremden erscheinen, die sich aber ohne Energieraub nie begegnet wären, sei es körperlich wie virtuell, um sich so, kooperierend, EINEM Raubzug anschließen zu können, der die langsam sich bildende Verwobenheit ANDEREN Lebens für die Zwecke EINER Spezies ausbeutet, unaufhörlich und unzufrieden nach dem strebend, was Yuval N. Hararis Buch bezeichnenderweise als Titel trägt.

Warum es wichtig ist, den WAHREN Grund unserer Andersartigkeit zu erkennen und zu akzeptieren? Nun, die Zukunft der Menschheit gestaltet sich entsprechend. Wenn die in HOMO DEUS identifizierte Kooperation der Grund ist, ohne sich des Energieraubes bewusst zu werden, dann wird die Zukunft EINE ganz andere sein als es der Fall sein wird, wenn die Basis allen Strebens in WAHRHEIT der Energieraub ist. In letzterem Fall wäre EINE ganz ANDERE Zukunft möglich – oder wie es Yuval N. Harari ausdrückt:

… die […] beschriebene Zukunft ist lediglich die Zukunft der Vergangenheit – also eine Zukunft, die auf den Ideen und Hoffnungen beruht, welche die Welt in den letzten dreihundert Jahren bestimmt haben. Die wirkliche Zukunft – also eine Zukunft, die aus den neuen Ideen und Hoffnungen des 21. Jahrhundert erwächst – könnte eine völlig andere sein.

Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 95

Wäre der Autor sich des Energieraubes und dessen Tragweite bewusst, dann wüsste er auch um die unterschiedlichen Schreibweisen, die uns EINEN von allen ANDEREN unterscheiden … und um die Möglichkeiten, die uns EINEN wieder auf den Boden zurückholen werden und nicht länger Irrwege verfolgen lassen. Keine Frage, Kooperation spielt dabei eine wesentliche Rolle, nur ANDERS als wir es aktuell noch für möglich halten und jene für notwendig erachten, die sich bereits selbst als EIN Gott auf Erden aufspielen und folgsame respektive folgenreiche Kooperation propagieren – in Form immergrüner Endlosschleifen. EINE Seite der WAHRHEIT fasst unser “göttliches“ Multilemma folgendermaßen zusammen:

Der Fortschritt der Gegenwart bestimmt über den Verlauf der Vergangenheit.
Je fortgeschrittener, desto mehr Unwahrheiten, auf denen die Zukunft aufbaut.

 

18 Kommentare zu “Homo Deus oder Homo Erraticus?

  1. Höhlenmalereien werden als bedeutender Beweis für die menschliche Außergewöhnlichkeit bzw. Kreativität bzw. Intelligenz angesehen:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/neandertaler-aelteste-hoehlenmalerei-europas-in-nordspanien-entdeckt-a-838916.html

    Offenbar war das Feuer zu jener Zeit bereits in manch EINER bewohnten Höhle angekommen. Demnach wären diese Künste EIN weiterer Beweis für die Auswirkungen des Energieraubes. Oder EIN wenig ANDERS ausgedrückt: Menschsein bedeutet EIN Energieräuber zu sein und EIN Mensch zu sein, beginnt mit dem Bewegen des Feuers fort vom Ort seiner natürlichen Entstehung, woraus Kontextauflösung hervorgeht und Problemverkettungen erfolgen. Die Energie, die der Raub EINEM zur Verfügung stellt, in welcher Form auch immer, sei es als Feuernutzung oder als Stromkreisschließung, muss irgendwie in die Realität einfließen, zwecks Handhabung, weshalb wir Menschen so anders sein können. Alles, was wir anders machen als ANDERE, ist einzig Folge EINES Energieraubes.

    Vor dem ersten Raub war der “Mensch“ nicht mit jenem nach dem Raub vergleichbar, sondern ANDERS unterwegs. Bedingt durch den Raub wurde der “Mensch“ EINE andere Spezies. Nun ist diese EINE Spezies unterwegs, um das Menschsein hinter sich zu lassen. Entweder, um etwas ganz anderes zu werden, wenn diese Spezies dem Energieraub derart weiter treu bleibt, oder aber, um, aufgrund der Erfahrungen als Energieräuber, in der Tat EINEN ganz ANDEREN Weg einschlagen zu können. Da der Weg, den das Buch HOMO DEUS aufzeigt, zu vorhersehbar ist, dürfte EIN ANDERER Weg wahrscheinlicher sein …

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  2. Auf den naheliegendsten Gedanken scheint Harari nicht gekommen zu sein – dass seine gepriesene Kooperationsfähigkeit offensichtlich die ANDEREN nicht miteinbezieht (siehe derzeitig aktuelle Impfdebatte u.ä.)!?
    Die ANDEREN kooperieren seit Bestehen des Lebens – selbst Todfeinde kooperieren da (Beispiel Räuber-Beute-Beziehung) und das ganz ohne Moderation.
    Selbstorganisierte Kooperation gibt´s ja noch nicht mal als Studienfach, geschweige denn als Mainstream-Idee.
    Die Zukunft wird also tatsächlich ganz anders aussehen als die Extrapolation der letzten 300 Jahre… 😉

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    • Das Wort Räuber in Verbindung mit ANDEREN Lebewesen zu gebrauchen, dürfte dem Wesen der ANDEREN nicht gerecht werden. Ich möchte behaupten, dass es von Natur aus keine Räuber gibt, wohl aber EINE Spezies, die auf dem Raubzug gegen ANDERE ist. Diesbezüglich wartet in Band 3: RAUB EINE Geschichte aus ANDEREM Blickwinkel auf. Das gilt übrigens auch für das Wort Feind

      Der von Dir aufgegriffene Widerspruch ist kein Einzelfall in Büchern, die sich mit dem Wirken und der Entwicklung unserer Spezies befassen. Es scheint, als dürfte manch EIN Dogma nicht vom Sockel gestürzt werden, egal wie sehr sich Darlegungen in Widersprüchen verstricken. Vielleicht fällt es uns EINEN aber auch immer schwerer von Vereinfachungen zu lassen und sich stattdessen auf die einfachen Zusammenhänge zu konzentrieren. Auch die Geschichte vom Kernreaktor im Innern der Erde und die Annahme eines Kerns aus Eisen ist EIN solches Dogma.

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  3. Wie man es auch dreht und egal wie viel grüne Farbe man benötigt, um etwas “Gut“ und “Nötig“ erscheinen zu lassen: EIN Energieraub bleibt EIN solcher:

    https://wattsupwiththat.com/2018/01/05/elon-musks-latest-corporate-welfare-effort/

    Energieraub beginnt in der Regel mit EINEM großen E … siehe auch https://guidovobig.com/2017/08/28/e-infallsreich-unter-strom/

    Es gibt wohl immer mehr Energieoberhaupträuber, die von stattlicher Seite unterstützt werden …

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  4. Harari macht sich keine Gedanken drüber, wie es zur kognitiven Revolution vor 70.000-30.000 v.Chr. kam. Er nimmt sie als gegeben hin. Diese kognitive Revolution ist jedoch durch den Umgang mit dem Feuer bedingt. Die Mutation, die die Großhirnrinde auffaltet, macht bloß beim Menschen Sinn, denn nur Gekochtes und Gebratenes stellt die notwendige Energie für diese die Art von Gehirn bereit.

    Die von Harari gerühmte Kooperation ist nichts anderes als die Entwicklung eines kollektiven Bewusstseins, das dieselben Geschichten teilt. Ohne Geschichten (Mythen, Religionen) würden wir nicht kooperieren. Oder anders: nur eine Gehirnwäsche bringt uns zum Kooperieren. Deshalb ist diese Art von Kooperation, wie der Mensch sie entwickelt hat, ja auch gleichbedeutend mit Energieraub. Weil es eine künstliche Kooperation ist, die nur mit großem Energieeinsatz aufrechterhalten werden kann.

    Es ist jedoch schon zu beobachten, dass das kollektive Bewusstsein gegenüber dem Individuum immer mehr Raum beansprucht. Das individuelle Bewusstsein, das die Lebewesen nicht durch erfundene, energieräuberische Geschichten miteinander verbindet, sondern durch Resonanz, wird immer weiter zurückgedrängt und verschwindet allmählich. Das kollektive Bewusstsein muss das individuelle förmlich eliminieren, um sich selbst am Leben zu erhalten und seine Macht zu stärken. Es kann gar nicht anders. Auffallend ist auch, wie der Mainstream und die Medien sich nun wieder auf ein bestimmtes Erzählgut festlegen.
    Wer heutzutage nicht die Mainstreamideologie nachplappert, ist per se rechtsradikal oder rechtspopulistisch oder dgl.

    Mit Steuern sollen ja die Gemeinschaftsbelange bezahlt werden. Würden uns diese nicht zwangsweise abgezogen, würde kaum einer freiwillig Steuern zahlen. Die sogenannte Kooperation ist in Wahrheit ein Zwangssystem.

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    • EIN weltumspannendes Netzwerk namens WWW gelingt nur durch Energieraub, während die natürlicher Verwobenheit ein WWW ohne Energieraub ist. Gäbe es unsere Form des WWWs in der Form, wie es Ted Nelson bereits vor Jahrzehnten ersann, Stichwort Projekt Xanadu, dann gäbe es heute kein GOOGLE, kein FACEBOOK, kein Datenmonopol – und keine derartige Kooperation in EINEM energieräuberischen System.

      Wie Nick zuvor klarstellte, entgeht Harari in der Tat das Offensichtliche: dass die ANDEREN, insbesondere die Kleinsten aller Kleinen, pure Kooperation verkörpern, ohne EINES Raubes jedweder Energie dafür zu bedürfen. Was Harari aber treffend darlegt, ist die von Dir angesprochene Erzählung von Geschichten, derer wir Menschen bedürfen, um der Realität EINEN Sinn zu geben. Aber wehe es wagt jemand etablierte Geschichten zu hinterfragen … wie wahr, denn die etablierte Geschichte muss, hat sie erst einmal EINEN bestimmten Punkt überschritten, unter allen Umständen aufrechterhalten werden. Daher auch das oft widersinnige Verhalten von Experten, Politikern, Befürwortern, die EINEN Irrtum ab besagtem Punkt nicht mehr eingestehen wollen/können/dürfen und stattdessen eher Anderen etwas unterstellen oder weitere Geschichten zur bestehenden hinzudichten.

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      • Das Unverständnis für diese Form der ‚Kooperation‘ der ANDEREN rührt beim Menschen daher, dass er sich nicht mehr als Teil eines allumfassenden Transformationszyklus‘ begreift, sondern sich als Ausnahme davon definiert und entsprechend geriert.
        Das ‚Fressen-und-Gefressen-Werden‘ ist Ausdruck völligen Unverständnisses dafür, dass sich hier ‚lediglich‘ Energie-Exformationen wieder vereinen bzw. Energieinduzierung für weitere Transformation ausgeübt wird.
        Wenn viele kleine Luftwirbel (quasi als Energiependant des einzelnen ANDEREN) sich gegenseitig ‚fressen‘ nährt sich daraus ein wachsender Luftwirbel (aka Zyklon etc.). Wandert er vor sich hin und zerfällt dieser am Ende wieder, so gibt er sozusagen zum ‚Nulltarif‘ wieder alle Energie zurück, die er aufgesaugt hat und das Ganze kann wieder von vorne beginnen.
        Luft transformiert zum Wirbel – viele Wirbel transformieren zum Zyklon – am Ende ist wieder genau so viel Luft da wie zu Beginn.
        Das muss der Mensch erst mal nachmachen – schafft er nicht.
        Der Mensch macht auch viel Wind (meist um nichts), schafft damit aber keine Energie, sondern verbraucht sie eben nur ersatzlos.
        Und wenn der Sturm im Wasserglas vorüber ist, ist das Wasser sinnlos verpufft und es bleibt noch nicht mal mehr heiße Luft über.

        Das Zyklische der ANDEREN musste dem Linearen des menschlichen Geistes weichen.
        Das (geistige) Feuer ist in sich nicht zyklisch, sondern endlinear.
        Ich kann einen Baum nur einmal verbrennen und zwar einen anderen mit der Asche düngen, aber ich kann allein aus der Asche keinen neuen Baum ziehen.
        Der Mensch ist ein enormes Zuschussgeschäft, das ohne die Subventionen der ANDEREN schon längst Konkurs hätte anmelden müssen…

        Schon irgendwie lustig – da gibt es die Belousov-Zhabotinsky-Reaktion und etliche andere Beispiele zyklischer Energietransformation, die sich aber nicht wirklich selbst verbraucht, aber mensch ist zu blöde, um daraus zu lernen.
        Das ‚Perpetuum mobile‘ gibt es schon längst, nur kann man es eben technisch nicht kopieren.
        In der heute vergleichbaren Komplexität gibt es das Leben seit 700 Millionen Jahren etwa. Klar endet auch das mal, aber halte mal technisch was 700 Millionen Jahre am Laufen – 😉

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      • “Das ‚Perpetuum mobile‘ gibt es schon längst, nur kann man es eben technisch nicht kopieren.“

        Gemeinsam ist das Leben unsterblich – durch die Sterblichkeit jedes einzelnen Lebewesens. Je mehr EINE Spezies indes nach Unsterblichkeit Einzelner strebt, desto schneller ist besagte Spezies vom Aussterben bedroht.
        Nicht, dass noch EINER, ob der Unsterblichkeit gemeinsamen Lebens, glaubt, das Leben sei ein Tumor und die Technisierung EINER Spezies die Heilung.

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  5. Die Stärke von Hararis Buch ist die Darlegung der Abhängigkeit der Menschen von Geschichten, denn nur wenn möglichst viele Menschen sich in EINER Geschichte wiederfinden können, sind sie bereit, der Erzählung zu folgen. Die Schattenseite ist: Je mehr Energieraub ins Spiel kommt, desto eher kann EINE Lügengeschichte bzw. EINE Mär als stimmige Geschichte verkauft werden. Woran man solche Geschichten erkennt? Am sich verändernden Vokabular, allem voran dem Vokabular der Überschrift:

    https://wattsupwiththat.com/2018/01/28/atmosphere-cancer-the-latest-name-for-global-warming/

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    • Naja, Geschichten sind ja nichts anderes als Deutungsversuche zu linear-logischen Befriedung für den Kausalitäts-Knastbruder Geist.
      Die Kohärenz einer Geschichte entscheidet ja i.d.R. über ihre Glaubwürdigkeit.
      Dumm nur, dass auf der energetischen ‚Ebene‘ Kohärenz zerfließt wie Strukturen im Rauschen von Röhrenfernsehern.
      Wobei es natürlich auch sein kann, dass das sogenannte ‚Rauschen‘ nichts anderes ist als eine ‚gestauchte‘ Menge Information, die nur nicht durch unsere geistigen wie technischen Mittel korrekt restrukturiert werden können (vgl. etwa die ‚Verrauschung‘ einer 4-dimensionalen Struktur durch die Reduktion auf 2 Dimensionen!).
      Ungefähr so, wie bei einem Popup-Buch, wo unser Geist zu blöde ist, es zu öffnen und denkt, das Titelbild, der Umschlag wäre die Message 😉
      Im Grunde sind also die historischen Geschichten wie die physikalisch-mathematischen Geschichten etc. nichts anderes als unser Unvermögen zur Gleichzeitigkeit ab einer gewissen Komplexität der Informationen bzw. des Energieniveaus (vgl.: wir sehen nur ‚leeren Raum‘, wo möglicherweise das Maximum an Energie plasmisch brodelt).
      Es ist wie bei der Musik, wo die Noten zweitrangig sind und ihre Zwischenräume, die Pausen, die Zeittakte für ihre Phänomenalisierung also entscheidender sind für die Komposition als die Noten selbst.
      Materie bildet ‚Noten‘, aber die Musik wird ganz woanders komponiert.
      Eine Filmrolle enthält einen 1.5-stündigen Film gleichzeitig und stellt ihn auch gleichzeitig dar.
      Aber keiner kann diesen Film gleichzeitig zur Gänze sehen und verstehen!
      Geschichten sind also das Ergebnis eines mühsamen Abtastens eines elend linearen Geistes ohne die er sofort wieder vergisst, was der Film eigentlich darstellt.
      Es gibt ja idiot savants mit photographischem Gedächtnis – Seite nur kurz angucken – gemerkt undlebenslang fehlerfrei reproduzierbar.
      Aber auch der darin begabteste idiot savant muss eine Geschichte daraus machen, sie also linear erzählen.
      Es gibt keine Möglichkeit die erfasste Seite mit einem Laut darzustellen und so auch noch die Informationen maximal komprimiert bis zur Unverständlichkeit zu kommunizieren.
      Witzigerweise kann das Gehirn aber das durchaus!
      Es könnte also sehr gut sein, dass bewusstes Denken einfach nur ein Organ, Instrument für die lineare Kommunikation ist, obgleich das Gehirn sehr wohl Gleichzeitigkeit in einem bestimmten Umfang beherrscht.
      Man kann sich ja mal spaßeshalber fragen, wie z.B. drei Löwinnen in ihrer typischen Y-Jagdformation die jeweils perfekt koordinierten Aktionen untereinander ‚kommunizieren‘, synchronisieren!?
      In der Kampfkunst gibt es das auch oder im Zen, dass erst die Isolierung des Bewusstseins radikal andere Möglichkeiten erschließt.
      Deswegen wird es wohl auch keinerlei Chance für die Physik oder Mathematik geben, dieses Universum zu verstehen, ja noch nicht mal annähernd zutreffend zu beschreiben, weil beides lineare Beschreibungsformen sind, die auf diese Weise ihre Geschichten erzählen, die aber so nur zu Mythen und Legenden geraten, aber nicht zur echten ‚Wissenschaft‘!
      Beide versuchen in vielen kleinen Sprüngen einen ozeanweiten Graben der Unwissenheit zu überspringen – aber das geht selbstredend so nicht. Aber immer wieder fallen sie darauf herein und halten das dann für Fortschritt 😉
      Emergenz entsteht immer durch Synchronizität, die das Lineare ablöst, bzw. diesem vorangeht.
      Das Zerlegen eines Weckers hat mir in der Analyse seiner Einzelteile auch nicht erklärt, wo die Zeit herkommt, die er anzeigt! Zudem nach dem Zusammenbau etliche Teile übrig geblieben waren, der Wecker aber trozdem genauso funktionierte wie vorher 🙂
      Zeit ist also eine Illusion eines zur Synchronizität unfähigen Geistes. Seine Geschichten etwas um das ansonsten für ihn völlig Unverständliche wenigstens linear-logisch zu erklären, denn sonst käme er sich doch so dumm vor, wie er tatsächlich ist!
      Der Geist ist wie ein Zentimetermaßband, das damit die Schönheit einer Symphonie ermessen können möchte.
      Und Mathematik, Physik dito.

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      • Ich erwähnte die Bedeutung von Geschichten, wie Harari sie in HOMO DEUS beschreibt, weil er verdeutlicht, warum so viele Menschen an EINER Geschichte festhalten, obwohl es zuhauf stimmigere Fassungen gibt, die mehr mit dem resonieren, was die Geschichtenfesthalter nicht hören wollen. So wird weiterhin am Modell der Sonne als massiver Fusionsreaktor festgehalten, obwohl die schwarzen Flecken eher Löcher sein dürften, die den Blick ins kalte Innere der Sonne freigeben. Die Dunkle Energie und Materie sorgen gleichsam für Schwarzseherei, ohne wirklich Licht ins Dunkle zu bringen. Aber gut, auch das ist nur EINE von unendlich vielen, sich ständig ändernden Geschichten 😉

        Was Du beschreibst, passt auch sehr gut zu den Sternbildern, die das Plattmachen verschiedener Vergangenheiten auf EINE Gegenwart projizieren, inklusiver EINER Geschichte. Zeit als Trick der Natur, damit nicht alles zugleich geschieht, wie einst Einstein in den Raum warf? Oder der Trick EINES Zeitgeistes, um dahingehend Druck auszuüben, dass EIN Geist in aller Ruhe Lügen über die WAHRHEIT verbreiten kann?

        Das Bewusstsein, auf das wir uns ja im Laufe der Menschheitsgeschichte reichlich viel eingebildet haben, dürfte wohl eher der Widerpart des Gefühls für Kohärenz sein und Träume in ein ANDERES Licht rücken. Je mehr Bewusstsein im Spiel ist, desto weniger kann Kohärenz erspürt werden. Geschichten zu erzählen scheint indes des Bewusstseins liebste Tätigkeit zu sein. Vielleicht kommt es gar nicht auf den Inhalt der Geschichten an. Vielleicht ist das Erzählen an sich Ausdruck von Energie, die noch nicht kohärent verwoben werden konnte und so rastlos umherirrt.

        Mathematik und alles, was wir darauf aufbauen, ist längst EIN aufgeblasenes Abbild menschlichen Treibens, dem nicht die Luft ausgehen darf, damit die Lügen nicht in sich zusammenstürzen – obwohl doch die WAHRHEIT ganz einfach ist, denn 1 + 1 ist keinesfalls 2, sondern der Grundstein aller Vereinfachungen. Wenn schon die einfachste Rechnung nicht der WAHRHEIT entspricht, weil es nicht zwei exakt Gleiches geben kann, das zugleich am selben Ort ist, dann hat diese Vereinfachung zum Ergebnis, dass etwas Wesentliches verloren gehen muss, damit zwei Ungleiches exakt gleich erscheinen kann. Lustig in diesem Zusammenhang, finde ich die Begeisterung mancher, wenn sie feststellen, dass auch Tiere, nach vielem Üben im Gehege/Labor, zählen können und deuten dieses als Anzeichen von Intelligenz. Nein, Intelligenz hat nichts mit Mathematik zu tun. Intelligenz äußert sich mitunter ANDERS:

        http://www.zeitpunkte.eu/2015/07/das-pferd-das-rechnen-konnte/

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      • Bezüglich der Musik – BINGO 🙂

        Passend dazu ein Zitat von Mark Hollis – dem “Genie“ von Talk Talk:

        “Before you play two notes, learn how to play one note, y’know. And that, it’s as simple as that really. And don’t play one note unless you’ve got a reason to play it.”

        Seine Solo-Platte setzt genau diese Gedanken von Note und Stille um und auch die beiden letzten Talk Talk- Alben greifen diese auf. Nicht umsonst gehören diese Platten nach wie vor mit zum Eindrucksvollsten, was ich kenne.

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  6. @entangled:

    also ich kenne das ganz profan so – da ist z.B. ein Stück Schnur.
    Dieses Stück Schnur gerät irgendwie durch eine Unachtsamkeit in meine Hosentasche.
    Nach einiger Zeit entdecke ich die Schnur in meiner Hosentasche, ziehe sie heraus und stelle verwundert fest, dass da jede Menge Knoten in der Schnur sind.
    Ich denke: oh, ein Quippu der Inka! Wusste gar nicht dass ich so etwas je gefunden hatte – quasi meine persönliche archäologische Hosentaschensensation!
    Wie man weiß, sind Quippus Knotenschnüre als Informationsträger.
    Was wollten mir also die alten Inkas mitteilen?
    Nun sitze ich da und studiere alte Schriften, lerne Quechua und korrespondiere mit Chile und Peru, sammle Knotenschnüre und entdecke seltsame Parallelen zu der Stringtheorie!!!
    Besonders verblüfft war ich als einer meiner Korrespondenten mir erzählte, dass er am selben Tag wie ich meine Schnur in der Hose fand ebenfalls eine verknotete Schnur an seinem Schuh vorgefunden hatte!
    Als wir die beiden Schnüre verglichen waren wir total perplex! – sie hatten dieselbe Farbe!!!

    Was lerne ich daraus?
    Die eigentliche Verbindung all dieser Phänomen besteht darin, dass jedes menschliche Gehirn offensichtlich denselben Defekt hat! – analytische Raserei.

    Das war schon bei denen so, die irgendwelche Knöchelchen in die Luft geworfen haben, um so aus deren Fallverhalten die Zukunft zu deuten.
    Heute werfen Physiker halt Teilchen in die Luft und versuchen so aus deren Verhalten auch die Welt zu deuten.

    Verschränkt oder nicht verschränkt ist dabei jedoch überhaupt nicht die Frage – eher: wie kommen all die Knoten bloß ins Hirn?…*grübelgrübel

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  7. Als der Mensch sich Geschichten von Göttern erzählte, hatte er herausgefunden, dass er viel mehr machen konnte, wenn er sich als Gott aufspielte und die Stimmen der ANDEREN zum Verstummen brachte.

    Als der Mensch sich Geschichten von einem wie ein Uhrwerk funktionierenden Universum erzählte, hatte er er gerade eben die Bewegungsgesetze und die Mechanik entdeckt.

    Als der Mensch sich Geschichten von der Evolution als der Anpassung des Fittesten erzählte, mussten Menschen in die industrielle Landschaft eingepasst werden.

    Als der Mensch sich Geschichten von den ununterscheidbaren Teilchen erzählte, ging es darum, die Welt samt dem Menschen in statistische Größen zu verwandeln, was ein neues Feld der Machbarkeit eröffnete.

    DNA und Zelle verhalten sich nicht anders als eine CNC-Maschine, die aus Programm an Arbeitsschritten besteht.

    Bei all diesen Geschichten, die Menschen sich erzählen, geht es überhaupt nicht um Sinn, sondern um Machbarkeit. Oder anders: Machbarkeit ist offenbar der einzige Sinn, den der Mensch im Leben entdeckt und gelten lässt. Diese universalen Geschichten sind doch immer ein Abbild des jeweiligen Standes der Technik. Dieser aktuelle Stand wird in die Natur und die Welt hineininterpretiert, und natürlich lässt sich dann damit mehr machen. Das verführt dazu zu denken, dass wir die Natur verstanden haben.
    Die Entwicklung der Technik folgt trotz scheinbarer Quantensprünge einem durch und durch linearen Muster.

    Wenn Du nun erzählst, dass Diabetes eine Krankheit ist, die aufgrund mangelnder Winterruhe und -beschränkung (in Sachen Nahrungsmittel bspw.) auftritt, dann folgst Du im Grunde demselben Erzählmuster. Deins ist feinteiliger und elaborierter, aber es nicht prinzipiell anders als das Muster, das Diabetes als ein Zuviel an Zucker darstellt. Du bewegst Dich im Grunde sogar in derselben Abstraktionsebene. Das heißt, wir als Menschen kommen aus diesem Muster gar nicht heraus. Immer interpretieren wir den aktuellen Stand der Technik in einen kontinuierlichen Fluss hinein, der scheinbar, das immer alles im Fluss ist, im Fließen auch die Form annimmt, die wir ihm geben.

    Das eigentlich Spannende ist doch, dass die Natur/Welt dem Menschen scheinbar recht gibt und ihn in seinem Tun bestätigt. Der Mensch kann heute ja in der Tat Dinge manipulieren – bspw. Gene, Elemente, Landschaften – die vor 500 Jahren weit außerhalb seiner Reichweite lagen. Offenbar haben die Welt/Natur und die ANDEREN nicht vor, diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben. Es geht doch immer weiter und immer neue Felder der Manipulation tun sich auf.

    Ich glaube, das muss man so akzeptieren. Auch wenn wir versuchen, andere Geschichten zu erzählen, es klappt nicht. Auch die Geschichte von Harari bleibt im gängigen Erzählmuster, nur dass als „Erlösung“ nicht grün-links-versiffte Weltgemeinschaft, sondern Buddhismus durchschimmert, wobei das nicht so weit auseinanderliegt. Auch hier ist es doch wieder nur die Machbarkeit.

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    • Manno, jetzt hast Du alles verraten 🙂

      Ich könnte mir vorstellen, dass unsere Fähigkeit, unser Bestreben, Geschichten zu erzählen, Ausdruck von Energie ist, die nicht im natürlichen Kontext zur Verfügung steht. Dabei erzählen wir umso mehr vereinfachende/vereinfachte Geschichten, je mehr Fremdenergie zum Ausdruck gebracht wird (respektive gebracht werden muss?). Man erkennt diese Geschichten vielleicht an der Zunahme neuer Begriffe, neuen Vokabulars, wie z. B. die Dunkle Energie oder all die Worte, die im Rahmen der Quantenmechanik aufgekommen sind. Oder nimm all die Teilchen, die es so gibt (geben soll). Vielleicht aber liegt die eigentliche Kunst der Geschichtenerzählung in den einfachen Geschichten ( Beschränke alles auf das Wesentliche, aber zerstöre nicht die Poesie ). Geschichten, die im Grunde nichts Neues erzählen, es aber ANDERS erzählen müssen, damit die Vereinfachungen nach und nach ihren Einfluss verlieren – weil immer weniger auf Energieraub gebaut werden wird ?!

      Wird das Natürliche immer technischer werden oder aber das Technische natürlicher?

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      • Gestern musste ich noch länger über Deine Erklärung zu Diabetes nachdenken. Im Grunde leuchtet mir das, was Du dazu sagst, voll ein. Das ist also eine Geschichte, die ich gerne glauben möchte. Glauben heißt, dass man die Geschichte für wahr hält, also geneigt ist zu denken, dass die Realität und die Geschichte ineinanderfallen.

        Und dann habe ich ein bisschen weiter gedacht. Mal angenommen, wir kommen mit unserem Verstand dazu, zu sagen, so wie es die Natur von vorneweg eingerichtet hat, ist es am besten. Wir schrauben Fremdenergie wieder zurück, gehen mit untergehender Sonne schlafen und stehen bei aufgehender Sonne auf, halten uns möglichst viel im Freien auf, heizen nicht mehr, vergessen das Wirtschaftswachstum, gewöhnen die Nutztiere wieder an ein freies Leben und gehen auf Jagd usw. usw. Das ist eine Welt, in der ich mich vielleicht zu Hause fühlen könnte. Zumindest würde ich so eine Welt wählen, wenn ich eine vorgeburtliche Wahl hätte. Ich würde diese Welt gern mal ausprobieren, ABER NUR, wenn mir nicht bewusst wäre, dass die Natur es am besten eingerichtet hat. Sobald diese Welt zu einer Sache des Verstandes wird, fände ich sie schrecklich.

        Das ist mein großes ABER. Wenn wir nämlich mit unserem Verstand erstmal drauf kommen, dass die Natur es am besten eingerichtet hat, dann machen wir aus dem, was „natürlich“ ist, unter Garantie wieder ein Zwangssystem, und zwar eines, das noch viel rigider ist als das jetzige.

        Dann schreiben wir uns gegenseitig mittels Verordnungen vor, dass wir mit untergehender Sonne schlafen gehen müssen, fünf Stunden und 33 Minuten draußen sein müssen usw. usw. Dann haben wir wieder einen überbordenden Regelapparat und handeln wie die Automaten, indem wir wieder die vom Verstand gesetzten Regeln befolgen. Das heißt: Wieder verwechseln wir die Geschichte, aus der dieser ultimative Regelapparat herrührt, mit der Wirklichkeit. Wir haben wieder das Problem, dass wir nicht mit der Wirklichkeit einfach mitfließen, sondern uns an ein Abbild von der Wirklichkeit klammern. Und wieder gibt es keinen Platz für neue Entwicklungen. Auch dieser Weg, die Natur in den Stand einer Geschichte zu erheben, führt in die Sackgasse der Erstarrung und des eigentlichen Todes.

        Die Natur in den Stand einer Geschichte zu erheben, ist Technisierung. Bis jetzt sind es eben nur Teile der Natur, die den Status einer Geschichte erhalten. Am Ende ist es vielleicht die Natur als Ganzheit, die zur Geschichte wird. Aber alle Geschichten haben als innersten Impetus immer die Machbarkeit. Fällt der Impetus weg, gibt es keine Geschichten mehr.

        Irgendwo hast Du gesagt, dass es in der Natur nicht zwei gibt, die identisch sind, die Formel 1 + 1 = 2 also eine eigentlich unzulässige Vereinfachung und Verallgemeinerung ist. Aber jede Geschichte ist eine Verallgemeinerung, muss es sein, denn sonst wird sie von anderen ja nicht verstanden.

        Der Unterschied zwischen Natürlichem und Technischem ist die Bewusstheit. Bewusstheit ist immer technisch: man guckt von außen auf die Abläufe und analysiert sie. Natur und natürlich ist hingegen immer unbewusst. Man fließt mit und erlebt das Geschehen im Mitfließen.

        Das Natürlich-Unbewusste ist kohärent, ein Kontinuum.
        Das Technisch-Bewusste ist eine gepixelte Welt, in der die einzelnen Pixel nur durch den logisch-rationalen Verstand des Menschen miteinander verbunden sind, aber sonst beliebig nebeneinander angeordnet sind, ohne innere Verbindung zueinander.

        Wenn das Natürliche in unser Bewusstsein tritt, wird es technisch, und das zerstört die Kohärenz.

        Man müsste also in letzter Konsequenz darauf verzichten, bewusst werden zu wollen und sich Geschichten zu erzählen, aber das ist gegen unsere Wesensnatur. Wir können gar nicht anders als bewusst zu werden und Geschichten zu erzählen. Das ist das Paradoxon, das wir als Mensch aus- und erleben.

        Meiner Beobachtung nach sind Menschen, die an Bewusstwerdung und Wissen weniger interessiert sind als andere, in der Regel glücklicher als die Erleuchteten und die Wissenden. Die Bewusstwerdung bezahlen wir also vermutlich mit unserem Glück und unserer Zufriedenheit. Das ist ein stolzer Preis. Deshalb ist der Mensch schon irgendwie eine tragische Gestalt.

        Und all das bloß, weil unsere Vorfahren gezündelt haben. Hoppla, auch das ist eine Geschichte ….

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      • So wird jedes Oder oder Aber, die dem Paradoxon EINEN Ausweg gewähren wollen zum Hintereingang in besagtes Paradoxon. Nun, wenn schon derart reichlich Fremdenergie unsere Realität durchwirkt, dann sollten wir sie wenigstens aktiv für lebenswerte(re) Geschichte(n) nutzen, als uns einzig passiv in Lügengeschichten verstricken zu lassen. Und wer weiß, vielleicht kommt doch EINE ganz ANDERE Geschichte dabei herum.

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