Allergisch gegen das Leben? Kein Problem. Dagegen kann man bald impfen.

Eula Biss‘ lesenswertes Buch Immun über “Zweifel, Angst und Verantwortung“ des Impfens von möglichst vielen Menschen, als Ausdruck demokratischen Miteinanders, bewog mich, das Thema Impfen noch einmal aufzugreifen – wie bereits in einem Dreiteiler und Einteiler zum Thema geschehen. Warum ich Eula Biss‘ Buch für lesenswert halte, obwohl es, laut eingangs verlinkter Buchkritik, EIN “[k]luges Plädoyer für das Impfen“ ist und ich das Impfen, in der seit Jahrzehnten global durchgeführten Art und Weise, sehr kritisch sehe – um nicht zu sagen, als EINEN der Gründe ansehe, die die Spezies Mensch dem Leben gegenüber immer fragiler, immer anfälliger werden lässt und längst EINEN Teufelskreis initiiert hat, dessen Folgen immer weitreichender werden? Nun, es ist die Herangehensweise der Autorin, die sich der Kontroverse des Themas anschaulich unter Einbeziehung persönlicher Erlebnisse und vertrauter Metaphern anzunähern versucht, anstatt mit Statistiken, Zahlenkolonnen und Grafiken zu postulieren: Fakten sind Fakt und f…ed is everything else. Allerdings fällt die Autorin dabei derselben Kurzsichtigkeit der Impfbefürworter anheim, die auch das Gros der Impfkritiker blind für das eigentliche Problem der gängigen Impfpraxis belässt. Gemeint ist das von Ed Cohen, anbei dreifach verlinkt, hervorragend ausgearbeitete Missverständnis EINER Immunität, inmitten der Lebensgemeinschaft mit allen ANDEREN Lebewesen, dessen ersten Text ich bereits an anderer Stelle mit einbezogen hatte.

The Paradoxical Politics of Viral Containment, or How Scale Undoes Us One and All

Myself as an Other: On Autoimmunity and „Other“ Paradoxes

Immune Communities, Common Immunities

Drei Texte, die im Grunde zwingend notwendig sind und komplett gelesen werden sollten, um die gesamte Tragweite der Problematik des Impfens, und anderer medizinischer Herangehensweisen, im Kontext des Lebens zu überblicken. Leider liegen die Texte nicht in einer deutschen Übersetzung vor.

Die eigentlichen Gründe für zahlreiche Erkrankungen, die uns Menschen nicht nur in der heutigen Zeit ängstigen, entspringen nach wie vor den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verstrickungen, die EINE Gesellschaft im Laufe der Zeit ausbilden. Um Herr über deren Symptome zu werden, seien es die von AIDS, Masern, Influenza, Cholera, Pest, …, baut die Gesellschaft weiter auf jene Verstrickungen auf, die zuvor bereits die Voraussetzungen für das Auftreten der Krankheiten schufen, nur wird dieses mit keinem Wort derart kommuniziert, sondern einstimmig ANDEREN die Schuld in die Schuhe geschoben, allen voran Viren und Bakterien, als vermeintlich primärer Auslöser von Erkrankungen. Und wehe, es wagt jemand, auf die zunehmende Verstrickung hinzuweisen, dann ist zwar der Teufel los, aber der Teufelskreis selbst bleibt unangetastet, wie im dritten Text von Ed Cohen deutlich wird.

Politik hat ihren Ursprung in der menschlichen Unterscheidung zwischen Freund und Feind, woraus die Begriffe der Immunität und der Selbstverteidigung hervorgingen und schließlich ihren Weg in die Medizin der Neuzeit fanden. Fatal für unsere heutige Situation ist, wie von Ed Cohen beschrieben, dass unsere Vorstellung von Immunität keineswegs ein natürlicher Prozess ist, aber als natürlicher Vorgang verkauft wird, während der eigentliche natürliche Prozess einer ganz unreligiösen Kommunität entspricht. Immunität ist demgemäß EINE Impfung der Natur seitens uns Menschen mit politischen Belangen und somit EIN einseitiger Prozess, der auf Vereinfachungen und Kontextverlust fußt, aber dennoch als wichtiger Fortschritt zu Markte getragen wird.

Herdenimmunität, also die impfbefürwortende Annahme, dass, wenn man mindestens 95 Prozent EINER Bevölkerung impft, diese zu 100 Prozent allesamt (!) gleich (!!) auf die Impfung reagieren, um als immun fortan zu gelten, beschreibt EINE Gesellschaft, die EIN Körper wird, um mit EINER Stimme der Gefahr von Erkrankung zu begegnen, ganz im Sinne des Körpers der Wissenschaft, der einhellig proklamiert, dass Immunität mittels Impfungen Fakt ist und Abgrenzung vom Leben ohne wesentliche Folgen für EINE Spezies bleiben wird.

Zu leben bedeutet, am Leben Anteil zu haben, mit einem Körper, der verkörperte Gemeinschaft verschiedener Lebewesen ist. Zu leben bedeutet nicht, zumindest nicht aus Sicht des Lebens, mit EINEM Körper und anderen Körpern EINEN Staatskörper zu bilden, der sich, als politisch, sozial und wirtschaftlich motivierter Schein EINER Gemeinschaft, vom Leben isoliert, indem gemeinsame Isolation propagiert, aber als Unabhängigkeit vom Leben verstanden wird. Den Schein zu wahren, lautet aber die Kernaussage von Immun, weshalb, der Autorin nach, das Impfen zur demokratischen Pflicht EINES jeden gehören sollte, um jene zu schützen, die, aus welchem Grund auch immer, keine eigene Immunität aufbauen können:

Unsere Körper gehören vielleicht zu uns, wir gehören aber trotzdem zu einem aus vielen Körpern zusammengesetzten größeren Körper. In körperlicher Hinsicht sind wir also gleichermaßen unabhängig wie abhängig.

Eula Biss – Immun – Seite 154

Hauptsache, es fragt niemand nach den einfachen Zusammenhängen natürlicher Kommunität. Hauptsache, niemand ist gewillt, den Kontext der Lebensumstände in das Auftreten von Krankheiten mit einzubeziehen. Hauptsache, niemand hinterfragt den Einfluss politischer, sozialer und wirtschaftlicher Interessen, hinsichtlich ihrer Begünstigung des Krankheitsgeschehens. Hauptsache, niemand zweifelt an, dass ein Virus der eigentliche Auslöser bestimmter Symptome ist und dass das Virus nur durch EINE bestimmte Impfung unschädlich gemacht werden kann, auch wenn man sich der Auswirkungen von Armut und Krieg durchaus bewusst ist. Hauptsache, jeder begreift, dass unser Körper sich permanent im Krieg mit dem Leben befindet – und wir es sind, die eigentlich in Frieden kamen und immer die Belange des Lebens respektiert haben. Hauptsache, wir müssen uns nie eingestehen, dass wir uns seit langer Zeit schon selbst belügen und als vom Leben unabhängig wähnen, weil wir ja immun gegen die einfache WAHRHEIT sind.

Das eigentliche Problem steckt somit in der Frage: Wohin wollen wir Menschen eigentlich mit unserem Menschsein? Betrachtet man, gegen was wir bereits alles impfen und gegen was in naher Zukunft geimpft werden soll (Herzinfarkt, Krebs, Schnupfen, Diabetes, Bluthochdruck, Karies, Allergien, …), dann streben wir offensichtlich die komplette Isolation vom Leben an, um unser ganz eigenes Ding zu machen, ohne aber wahrhaben zu wollen, dass das mit weit mehr Problemen einhergehen wird, als von Natur aus vorliegen würden, wenn wir Teil der Kommunität mit dem Leben geblieben wären. Wohin es mit der Immunität der Menschheit gehen wird, wenn wir am bisherigen Kurs festhalten, kann hier nachgelesen werden.

 

 

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