Der ultimative Turing-Test

Es gibt so Meldungen, wo ich mich frage, ob nicht das Leben an sich eine gehörige Portion Ironie in sich birgt. Die folgende ist eine solche:

Bluttest zeigt früh das Alzheimer-Risiko an

Dort heißt es:

„Unser einfacher und kostengünstiger Bluttest kann die Erkrankung bereits in einem noch symptomlosen Stadium aufspüren und Personen identifizieren, die ein besonders hohes Risiko haben, Alzheimer zu entwickeln“

Das Thema der neuen Bluttests hatte ich bereits an anderer Stelle aufgegriffen. Nun aber soll es mal aus ganz ANDERER Sicht betrachtet werden, um der zuvor erwähnten Ironie auf die Schliche zu kommen.

Man möchte meinen, wir leben in herrlichen Zeiten, in denen uns der Fortschritt Jahre im Voraus über Krankheiten in Kenntnis setzen kann, von denen man weder weiß, wann oder in welchem Ausmaß sie EINEN letztlich ereilen noch, ob sie EINEN überhaupt treffen. Herrliche Zeiten deshalb, weil man bei EINEM positiven Testergebnis sofort therapeutisch eingreifen kann – wobei therapeutisch nicht gleichzusetzen ist mit heilend. Herrlich zudem, weil man Jahre später, wenn die Therapie erfolgreich war, den resultierenden Gesundheitszustand mit dem Fortschritt verbindet – selbst wenn sich dieser Gesundheitszustand ohne fortschrittliche Therapie zugetragen hätte. Das mag man durchaus auch als Ironie ansehen, doch meine ich etwas ANDERES.

Kennen Sie den Turing-Test? Auf WIKIPEDIA liest man diesbezüglich:

Im Zuge dieses Tests führt ein menschlicher Fragesteller über eine Tastatur und einen Bildschirm ohne Sicht- und Hörkontakt mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern eine Unterhaltung. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Wenn der Fragesteller nach der intensiven Befragung nicht klar sagen kann, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden, und es wird der Maschine ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt.

Wenn die Maschine dem Protein entspricht, das Auslöser für Alzheimer sein soll, und sowohl der Turing-Test als auch der Bluttest positiv ausfallen, zeugt das dann von einer gewissen Ironie, bedenkt man, mit welcher Skepsis man heute in der Forschung dem Turing-Test begegnet? Durchaus, aber auch darauf will ich nicht hinaus.

Was die Meldung über den Bluttest klarlegt, ist, dass wir Menschen mehr und mehr danach streben, bereits Jahre im Voraus Symptome EINER Erkrankung zu umgehen, nicht, um möglichst früh die eigentliche Ursache der Symptome aus der Welt zu schaffen, sondern die Symptome selbst, am besten, noch bevor sie sich zeigen, während die Ursache jedoch bestehen bleibt, denn über diese macht der Test keinerlei Aussage.
Im Fall von Alzheimer soll ein Protein eine fehlerhafte Faltung aufweisen und so zur folgenreichen Verklumpung im Gehirn führen. Woher dieses vermehrte Auftreten derart fehlgefalteter Proteine rührt? Egal, EINEN Test zu haben, der rechtzeitig vor den Folgen des Egalen warnt, ist wichtiger/lukrativer/fortschrittlicher/was auch immer. EINER der Gründe des Egalen wird indes hier näher beschrieben. Gemeint ist das Ersetzen von Sonnenlicht durch immer mehr Kunstlicht bzw. von immer weniger natürlicher Dunkelheit durch noch mehr künstliche Erhellung, die, in solch fortgeschrittener Form, mitverantwortlich für besagte Fehlfaltungen ist. Die Vermeidung EINER solchen folgenreichen Erhellung ist allerdings nicht Teil der vorgreifenden Therapie von Alzheimer. Ironie? Ja, aber …

… OK, ich will Sie nicht länger hinhalten, die moderne Aufmerksamkeitsspanne lässt mittlerweile ja auch reichlich zu wünschen übrig.

Immer, wenn neue Tests, wie jener gegen Alzheimer, gegen Krebs und andere Erkrankungen auftauchen, frage ich mich, ob derartige Tests nicht EIN kläglicher Abklatsch des einzig WAHREN Turing-Tests sind. Damit meine ich das Leben selbst.
Man stelle sich das mal vor, das Leben als wahrhaftig aussagekräftiger Turing-Test, dahingehend, herauszufinden, welche Form von Leben wirklich lebendig ist und nicht nur vorgibt, lebendig sein zu wollen. Man stelle sich mal vor, das Leben verfüge über zahlreiche Tests, die nicht vergessen machen, was die Ursache dafür war, das EINE Lebensform weiterhin vorgeben kann im Sinne des Lebens lebendig zu sein. Tests, deren Ergebnisse darauf ausgerichtet wären, nicht die Symptome EINES Schwindels möglichst frühzeitig aus der Welt zu schaffen, sondern den Schwindel selbst an der Wurzel zu packen. Wie diese radikale Heilung aussehen könnte, das hatte ich bereits beschrieben.

Wir testen Blut, um Krankheiten auf die Spur zu kommen, deren Ursprung uns im Grunde aber nicht sonderlich interessiert, da uns viel mehr daran gelegen ist zu erfahren, wie wir die Symptome der Krankheiten möglichst schnell wieder loswerden können. Das Leben hingegen mag sich des schwarzen Blutes bedienen, seit es durch unsere Adern fließt, in Form unseres beschleunigten, energieräuberischen Fortschreitens vom Leben, das längst komplett auf Erdöl fußt. Somit wäre es der technologische Fortschritt, verkörpert als Menschheit, der dem ultimativen Turing-Test unterzogen würde – und wie es aussieht würde er positiv ausfallen, wenn das Leben dieser Test wäre. Positiv für das Leben, aber negativ für EINE Spezies, die sich immer weniger an die “Spielregeln“ für Lebendigkeit zu halten gedenkt. Das ist die eigentliche Ironie des Lebens, die sich in unseren Tests widerspiegelt, mit denen wir glauben, etwas wirklich wesentliches über das Wesen des Lebens zu erfahren – denn mit jedem positiven Ergebnis unserer Tests bestärken wir das negative Ergebnis des ultimativen Turing-Tests.

8 Kommentare zu “Der ultimative Turing-Test

  1. Ein Test ist der Versuch festzustellen, ob etwas bestimmten Erwartungen entspricht oder eben nicht.
    Wenn ein Test also entwickelt wird, dann hinsichtlich der Erwartungen derer, die diesen Test benutzen.
    Und natürlich MUSS der Test in der Lage sein etwas zu finden und damit zu bestätigen, was er ja ‚beweisen‘ soll, denn sonst ‚taugt‘ der Test ja nichts.
    Jeder Test ist also qua Prinzip dazu verdammt den Erwartungen seiner Schöpfer und Anwender zu entsprechen, indem er etwas findet und quantitifiziert und somit aber nur eines beweist, nämlich die Sichtweise der Tester zum Testthema.
    Für einen Test müssen Kriterien definiert werden und relationiert werden.
    All dies immer nur auf Basis der Weltsicht, Priorisierung und Assoziationsbandbreite derer, die ihn entwickeln.
    Jeder Test muss zudem linear ausgerichtet sein innerhalb eines begrenzten Spektrums, weil nonlineare Daten nicht relationierbar sind bzw. nicht in einem allgemein gültigen Defintionsschema darstellbar.
    Das wiederum bedeutet, dass der Test nur Bedeutung für dieses Spektrum haben kann, aber das lineare Spektrum (und erst recht nicht ein nonlineares!) keineswegs vollständig erfassen kann.
    Ein Test ist demnach IMMER selbst im besten Falle nur ein Fragment der Wahrheit/Wirklichkeit.
    Kann man spätestens an nicht getesteten, weil nicht vorhersehbaren Nebenwirkungen von Medikamenten sehen, für die es folgerichtig keine testmäßig erfassbaren Kriterien geben kann, selbst wenn sie 10 Jahre getestet wurden (weil die Realität nicht simulierbar ist!).
    Das zum Heilen gedachte und als ‚gesund machend‘ Apostrophierte kann u.U. also schlimmer krank machen oder gar tödlicher sein als die so behandelte Krankheit.
    Irgendwelche gefalteten Prionen (sind die nicht alle gefaltet?) erzeugen also angeblich Alzheimer.
    Dabei ist ja noch nicht mal gesichert, wie Alzheimer de facto entsteht bzw. ob es nur eine oder mehrere Ursachen gibt und ob diese nur bei bestimmten Menschen oder bei allen gültig sind etc.
    Der Test misst also zuallererst die einfältige Betrachtungsweise der Tester von vielfach gefalteten Prionen – sonst nichts.

    Prof.Dr. Christian Alzheimer (ein ehemaliger Klassenkamerad von mir) forscht zu dem Thema schon viele Jahre:
    https://www.physiologie1.uni-erlangen.de/en/Alzheimer/index.shtml
    – und ist immer noch ratlos.
    Das deckt sich auch mit dem, der einen Dr. mehr hat:
    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/demenz-man-wirft-der-alzheimerforschung-komplettes-versagen-vor-1.3850998

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    • PS: den ‚Turing-Test‘ des Lebens wird die Menschheit nicht bestehen.
      LEBEN bedeutet nämlich ausnahmslos die coincidentia oppositorum complementorum, sonst funzt das nicht.
      Der mensch will aber in seiner angemaßten Deutungshoheit immer nur EIN-Deutigkeit gelten lassen und muss dazu alles andere ausblenden, verleugnen oder sogar vernichten.
      Was passiert nochmal, wenn ich einer Zelle ihre Polarität nehme?
      Richtig – sie stirbt.
      Deshalb ist auch die Menschheit zum Aussterben verdammt…

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    • Mich verwundert es nicht, dass man bei Alzheimer weiter im Dunkeln tappt. Die Fehlfaltung kommt vermehrt durch das falsche Licht zur falschen Zeit zustande, sind Proteine im Grunde doch Antennen für solare Informationen. Der Mangel an (morgendlichem) Sonnenlicht bedingt zudem, dass in der Nacht das Fehlgefaltete nicht entsorgt werden kann, zumal immer mehr Menschen unter modernen Bedingungen nicht erholsam schlafen können, wodurch die Entsorgungsphasen verkürzt werden.

      Besteht nicht offensichtlich der einfache Zusammenhang zwischen Erkrankungen, die seit Jahrzehnten stark zunehmen, und der Vermeidung von Sonnenlicht, bedenkt man, wie lange Natur uns Menschen mit dem Sonnenlicht und dessen täglichen wie jährlichen Zyklen verwoben hat – und in wie kurzer Zeit wir die Verwobenheit durch Verstrickungen mit Kunstlicht ersetzen?

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      • Man kann vielleicht zusammenfassend sagen, dass das Grundproblem die Substituierung des Natürlichen durch die artifizielle Kopie ist.
        Wenn ich einen Superduper-Guido-Robocop frankensteinesk kompiliere, wird er bei aller denkbaren technischen Raffinesse niemals Guido ersetzen können.
        Was fehlt aber dem artifiziellen Guido, was der echte Guido hat?
        Was fehlt dem Kunstdruck, was das Original besitzt?
        Das, was fehlt, macht auch vegane Wurstware nicht zu einem gleichwertigen Ersatz, so wenig wie Karotten aus Mett diese ersetzen können.
        Selbst ein absolut identischer Klon ist nicht gleichwertig zum Original.
        Das ‚Originale‘ heißt nicht umsonst so, denn es bedeutet das ‚Ursprüngliche‘. Jede Kopie des Originals gilt als Fälschung desselben. Kopieren wäre demnach zugleich ein falscher Vorgang.
        Doch warum?
        Gutei’s Finger-Geschichte vermag echtes Licht in diese Angelegenheit zu bringen:

        „Was auch immer Meister Gutei über Zen gefragt wurde, als Antwort streckte er einfach einen Finger hoch. Einst wurde sein junger Diener von einem Besucher gefragt: „Worin besteht die Lehre des Meisters?“ Da hielt der Bursche ebenfalls einen Finger hoch. Als Gutei davon hörte, schnitt er dem Jungen mit einem Messer den Finger ab. Schreiend vor Schmerz lief der Junge davon. Gutei rief ihm nach. Als der Junge seinen Kopf zurück wandte, streckte Gutei einen Finger hoch. Da wurde der Junge plötzlich erleuchtet.“

        Das Ursprüngliche entsteht aus ganz spezifischen Bedingungen, die niemals identisch reproduziert werden können.
        Das Ursprüngliche besitzt die Kraft der Schöpfung, weil es selbst geschöpft wurde und diese so vererbt.
        Ein Bild von einer Fackel kann kein neues Licht entzünden.

        Das LEBEN lebt aber nur in der Kraft des Schöpferischen, des Originals weiter.
        Der Kopie fehlt jeglicher Impuls, jegliche Gestaltungskraft, die unumgänglich notwendig ist, damit etwas weiter LEBT.

        Ein Schimpanse von heute sieht wie eine Kopie seines Vorfahren vor 5 Millionen Jahren aus. Aber er ist keine Kopie, er ist lebendige Originalität, weil jeder einzelne Schimpanse – und sähe er noch so zum Verwechseln einander ähnlich – eine ganz eigene Quellenfunktion hat, eine nur ihm zueigene Schöpferqualität, indem er individuell west und nicht ein Leben reproduziert, das ein anderer Affe Millionen Jahre vor ihm gelebt hat, selbst wenn es diesem stark ähneln sollte – es ist nicht dasselbe und keine Kopie.

        Die Menschen sind zu Kopisten verkommen – sie reproduzieren nur noch Regeln, Attitüden, Normen und schimpfen sich ‚Individualisten‘ ohne auch nur zu ahnen, dass dieser Begriff die Ungeteiltheit und damit die Ununterscheidbarkeit, also das Gegenteil von dem was sie eigentlich zu bezeichnen vermeinen, besagt!? Und so kopieren sie voneinander, untereinander und beschwören dabei ihre ‚Einzigartigkeit‘ und Originalität wird zum Abziehbild.

        Sonnenlicht ist das Original – deshalb besitzt es diese schöpferische Kraft. Sie kann nicht von einem Glühbirnchen kopiert werden.
        Wenn jemand eine originelle Idee hat, ist dieses Empfinden dabei einzigartig und nicht kopierbar – schon gar nicht, indem man die Idee kopiert.
        Wer einmal schöpferische Kraft und ihren Effekt in sich, auf sich und auf seine Umwelt verspürt hat, der WEISS ganz genau, dass da so und nicht anders ist.
        Und bevor er zum Kopisten des Unkopierbaren degenerieren würde, würde er lieber gar nichts tun und andächtig schweigen…

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      • PS:
        Deshalb stinkt auch alles Rituelle, Konventionelle, Traditionelle nach Verwesung.
        Man demgemäß auch legitim feststellen, dass das ‚Göttliche‘ aka ‚Schöpferische‘ in der Tat tot ist, seitdem man eine Religion daraus gemacht hat.

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