Wir ver-APP-eln das Leben

Die Super-Medizin der Zukunft wird Super-Menschen aus uns machen, denn, was die Medizin möglich machen wird, lässt, so könnte man glauben, kaum noch Platz für Krankheiten und diverse andere Wehwechen und Gebrechen. Es wird Impfungen geben gegen Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Schnupfen, Demenz, Herzinfarkt, Allergien, und so weiter, und so fort. Das Leben wird länger und länger werden und die Verbesserungen unserer biologischen Fehlbarkeiten, sie werden uns immer weiter fortschreiten lassen von den unberechenbaren Geißeln des Lebens. Der Haken an der Sache ist jedoch ein zweigeteilter, auch wenn die Hersteller all dieser medizinischen Möglichkeiten nichts von Haken, geschweige von Ösen, hören wollen.

So mutet es, zum einen, paradox an, dass ausgerecht die Spezies, die ihre Lebensbedingungen zunehmend verkünstlicht und sich so von natürlichen Zyklen und Verwebungen isoliert, dieselbe ist, die sich nicht an diese Bedingungen anpassen mag, während sich ANDERE Lebewesen immer mehr daran anzupassen vermögen. Das gilt nicht nur für Viren und Bakterien, sondern zunehmend auch für größere Vertreter ANDEREN Lebens.
Die Folge unserer Anpassungsverweigerung drückt sich, immer deutlicher werdend, durch die Vielzahl an Symptomen aus, die uns seit jeher die Medizin vom Leibe halten soll. In diesem Rahmen bedeutet EINE Therapie die kurzsichtige Unterdrückung oder Verschleierung von Symptomen bzw. die Verstrickung der Patienten in immer mehr Wechselwirkungen, die sich aus den verschiedenen Therapien im Laufe der Zeit ergeben. Weitsichtige Heilung bzw. die Beseitigung der eigentlichen Ursache(n) bleiben hingegen auf der Strecke, während zugleich immer mehr Diagnosen gestellt, Tests unternommen und neue Therapien ersonnen werden – wie durch die eingangs erwähnten angedachten Möglichkeiten der Super-Medizin deutlich wird.

Zum anderen handhaben wir all die bereits bestehenden sowie zukünftig angedachten Möglichkeiten der Medizin, als wären es getrennt voneinander funktionierende Apps und als wäre unser Körper, EINEM Smartphone gleich, bloß EINE Hülle mit alterndem Innenleben, das fortwährenden Updates moderner Anwendungen immer bedürftiger wird, um weiterhin einwandfrei funktionieren zu können – weshalb der Haken schließlich zu EINEM solchen wird.

Quelle

Warum die Medizin die Biologie unserer Körper zunehmend schwächen und stattdessen  sich die Verkünstlichung unserer Körper beschleunigen wird, offenbart sich in der Angleichung der Art und Weise, wie Menschen inzwischen ihren Alltag ver-APP-eln,  und sich Gesundheit und Heilung vorstellen. Wie das  alltägliche Ver-APP-eln längst über die Alltagsbühne geht, ist im Folgenden anschaulich beschrieben:

Modernen Gadgets und Apps liegt ein Verhaltensdesign zugrunde, das ihre Nutzer auf einen permanenten Gebrauch hin konditioniert.

Quelle – Eduard Kaeser – Sucht-Design – Journal21.ch

Je mehr Möglichkeiten verschiedene Hersteller, als Therapie für an der Moderne erkrankter Körper, zur Verfügung stellen, desto mehr will der weiter fortschreitende Mensch davon seiner Hülle zugute kommen lassen, desto schneller verlangt er obendrein danach, sobald sich auch nur EIN eventuelles Symptom zeigt, so, das zuvor verlinkte Ver-APP-eln mehr und mehr auf die Medizin übertragend, weil der Mensch irgendwann permanent neue Symptome erwartet, die umgehend behandelt werden müssen. Die Folge wird sein, dass unser biologisches Anpassungsvermögen immer weniger mit dem Körper in Verbindung steht, zumal Lebewesen, von Natur aus, nicht wie EIN Smartphone funktionieren. Doch das stört die Hersteller der Super-Medizin genauso wenig wie es die bisherigen Hersteller kümmerte, denn jeder Hersteller sieht vorerst sein eigenes Produkt und strebt dessen möglichst profitable Verbreitung an.
So wie jede Pille Nebenwirkungen hat, haben Pillen, je mehr EINER davon zu sich nehmen muss, um am Leben bleiben zu können, Wechselwirkungen mit all den anderen eingeworfenen Pillen, was weltweit jährlich etliche Todesopfer nach sich zieht. Wird der Körper über Pillen hinaus immer weiter ver-APP-elt, ohne dass verschiedene Therapien in Einklang mit anderen Therapien und mit den biologischen Abläufen gebracht werden, dann wird die Zukunft unserer Spezies immer absehbarer.

Wenn sich die Biologie EINES Körpers schon nicht heilen lässt, weil man an den Lebensbedingungen und Vorstellungen von Leben nichts ändern möchte, dann wandeln wir den Körper halt vereinfacht in etwas Künstliches um und lassen so als Heilung erscheinen, was im Grunde die Abschaffung des Biologischen ist. Bereitwillig lassen wir uns somit ver-APP-eln und veräppeln uns als Spezies gehörig selbst, dahingehend, weiter zu glauben, dass wir lebendig sind – während unser Leben mehr und mehr am Haken der Industrie hängt und wir immer abhängiger von dieser werden, weil die eigentliche biologische Anpassungskompetenz zunehmend mundtot gemacht wird.

Es kann nicht funktionieren, die Auswirkungen verkünstlichter Lebensbedingungen nicht am eigenen Körper zu spüren zu bekommen und gleichzeitig im biologischen Sinne lebendig zu bleiben – es sei denn, man spricht in Zukunft nicht mehr von einem Menschen, sondern von EINEM Modell. Diesbezüglich noch einmal Eduard Kaeser:

Das hört sich an wie ein zynischer Kommentar zur Werbung für das neue iPhone X: „Es war immer unsere Vision, ein iPhone zu schaffen, das nur Bildschirm ist. Ein Gerät, so immersiv, dass es in der Erfahrung verschwindet. So intelligent, dass es auf eine Berührung, deine Stimme, sogar auf einen Streifblick antwortet. Mit dem iPhone X ist diese Vision Wirklichkeit geworden.“

Quelle – Eduard Kaeser – Sucht-Design – Journal21.ch

Jede Lebensform verkörpert von Natur aus das Energieangebot ihres Lebensraumes und die eigenen Möglichkeiten, mit dem Angebot umzugehen. Als Energieräuber ist unser Schicksal dahingehend wohl besiegelt: “Who are you?“ – “I am phony X.“