Die traurigste Lektüre der Welt über die Welt

Die Tage habe ich mal wieder das traurigste Buch der Welt hervorgeholt, es erneut gelesen, geschluckt, den Kopf geschüttelt und mich darin bestärkt gefühlt, den dissoziativen Roman aus 42 Kurzgeschichten überhaupt begonnen zu haben. Besagtes Buch schrieb J. B. MacKinnon im Jahr 2013 und nannte es The once and future world

Was sich seitdem im Hinblick unseres Naturverständnisses geändert hat? Im Grunde nichts, das nicht noch mehr Traurigkeit nach sich zieht, bedenkt man, was der Mensch zu unternehmen gedenkt, um der Erde unter die Arme zu greifen – nachdem er sie Jahrtausende mit Armeen, sprich, Massen von Handlangern, bereits seiner eigenen Vorstellung von Leben angepasst hat. Der Mensch hat längst dermaßen weitreichend und tiefgreifend in das gewobene Netz des Lebens eingegriffen und sich daraus EIN uniformes Kettenhemd gestrickt, dass man kaum mehr ANDERE Lebewesen dahingehend beurteilen kann, wie sie sich wirklich von Natur aus verhalten würden, lebten sie in einer von Menschen komplett unberührten Wildnis.

Das Letzte, das die Erde braucht, sind Menschen, die ihr unter die Arme greifen wollen. Längst ist die Erde zum Spielball EINER Verarmung geworden, wie es das globale Armutszeugnis der Menschheit bezeugt. Was indes die Menschen wirklich benötigen, sind Menschen, die das verstehen wollen und akzeptieren können – um die Grundlage für EINE gänzlich ANDERE Unternehmung zu schaffen.

Von dieser Unternehmung wird auch RAUB: Band 3 ab Oktober 2018 reichlich zu erzählen haben. Eine Unternehmung, die auf der Verarmung EINER Spezies aufbaut, um die Wiege für EIN ANDERES Vermögen zu ermöglichen, dem jegliche Profitgier fremd ist und das an keiner Börse gehandelt werden kann. Wunschdenken? Vielleicht. Nicht von der Hand zu weisen aber ist, dass andernfalls etwas ganz ANDERES geschehen wird.

Ein Kommentar zu “Die traurigste Lektüre der Welt über die Welt

  1. https://aeon.co/ideas/if-we-made-life-in-a-lab-would-we-understand-it-differently

    Der letzte Satz im verlinkten Text fasst es treffend zusammen. Gemeint ist unser weiter verarmendes Verständnis vom Leben als verwobenes, sich ohne Energieraub erhaltenes Netz.

    Joyce imagines life and technology joining forces against the fundamental thermodynamic tendency towards disorder and decay. What new forms life will take, only time will tell.

    Evolution, egal, in welchem Maßstab, ist eben kein Prozess, der Unordnung und Zerfall anheim fällt, sondern genau das Gegenteil. Es sind unsere Technologien, die sich mehr und mehr außerhalb der Evolution des Lebens bewegen und so uns Menschen EINER K.O.-Evolution unterwerfen, anstatt uns die Koevolution mit dem Leben zu ermöglichen. Die Geschichten Die Flaschenpost und Eiswürfelschmelze aus RAUB: Band 3 nehmen sich dieser Thematik an.

    Offensichtlich spiegelt sich unsere verrückte Sicht von Natur und Wildnis auch darin wider, wie wir Evolution wahrnehmen – nur, um uns nicht eingestehen zu müssen, wie weit wir längst vom Leben verrückt bzw. fortgeschritten sind, und wie wenige wirkliche Lösungen wir für all die Probleme gefunden haben, die wir erst in die Welt gebracht haben. Wir haben EINE Rattenplage an Problemen auf das Leben losgelassen, kümmern uns aber hauptsächlich nur um die Spitze von Rattenschwänzen. Ist ja auch besser und erträglicher und lebenswerter, anstatt all den Ratten mit Menschengesichtern begegnen zu müssen. Das macht das Buch von MacKinnon besonders deutlich, worin die Traurigkeit begründet liegt, die mit dem Lesen einhergeht.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.