Wie der Mensch die Evolution k.o. geschlagen hat und nicht müde wird, weiter auf sie einzuprügeln – Teil 2

Wie der Mensch die Evolution k.o. geschlagen hat und nicht müde wird, weiter auf sie einzuprügeln – Teil 1

Wie der Mensch die Evolution k.o. geschlagen hat und nicht müde wird, weiter auf sie einzuprügeln – Teil 2

Und – was hat die Ratte zu sagen? Sie sagt: Erst durch EINEN Anfang und EIN Ende kommt Entropie ins Spiel. Daher muss das Leben im Kontext des Universums gesehen werden. Leben ist kein Zufall im Universum, sondern der Höhepunkt dessen Entwicklung, dessen Evolution.
Höhepunkt von was, mag man sich nun fragen. Vom Energiewandlungsprozess, der im Laufe seiner Entwicklung Energie immer effizienter zu recyceln vermag. Das ist Evolution. Und sie ist kein Merkmal des Lebens, sondern die fortwährende, ewige Entwicklung des Universums, immer weiter vom Equilibrium, vom Tod des Universums, fort, hin zu immer mehr Ordnung, die jedoch niemals perfekt sein kann. Die Evolution des Lebens, von EINEM angenommenen Anfang an, spielt sich dabei nicht in EINEM endlichen Universum ab, sondern Leben ist die effizienteste Fähigkeit des Universums, Energie zu handhaben. Daher hat das Leben keinen Anfang, weil es die Fortführung des universellen Prozesses ist, der kein Ende kennt. Das Universum, es ist offen für alles, was kommen mag – was man von uns Menschen immer weniger sagen kann.

Aber – und ich höre schön, dass es EIN sehr großes ABER ist – Entropie ist doch allgegenwärtig und nicht von der Hand zu weisen. Das Altern zum Beispiel und all die anderen Geschehnisse, die ihre Tendenz zur Unordnung klarlegen, wozu auch schmelzende Eiswürfel gehören. Keine Frage, dem ist so. Zumindest überall dort, wohin wir EINEN, wir Menschen, unser Augenmerk richten und EINES Anfangs und EINES Endes bedürfen, um den Werdegang der Entropie verfolgen zu können. Damit offenbart sich die Ratte, denn der Anfang vom Ende interessiert nur uns Menschen. Allen ANDEREN Lebewesen sind Anfänge und Enden, von was auch immer, völlig egal – weshalb sie ihr Leben ANDERS leben können und keiner geraubten Energie bedürfen, in der Absicht, stets über EIN geschärftes Messer zu verfügen. Nein, es ist noch verrückter: Wir Menschen verstricken uns zunehmend in EINEM länger und immer schneller immer länger werdenden Rattenschwanz, weil wir über immer mehr geraubte Energie meinen verfügen zu müssen. Das ist der Grund, warum wir Menschen der Evolution immer untreuer werden und danach streben, unser ganz eigenes Ding zu machen: K.O.-Evolution, anstelle einer Koevolution mit dem Leben. Nicht umsonst werden unsere Technologien immer mehr zu dem, was sie uns möglichst weit vom Leib halten sollen.

Aber – ja, auch dieses Aber ist abzusehen gewesen – ist unser technologischer Fortschritt nicht Ausdruck der Weiterentwicklung des Lebens? Sind all unsere Errungenschaften nicht auch Ausdruck eines zunehmenden Ordnungsvermögens? So argumentiert auch Eric Lerner in seinem herausragenden Buch The Big Bang never happened. Darin führt er anschaulich auf, wie das Universum sich ewig hin zu mehr Ordnung entwickelt, ohne dass dieses ein linearer, gleichmäßiger Prozess ist. In der Weiterführung seiner Darlegungen bescheinigt auch er der Entwicklung der Menschheit die Tendenz zu mehr Struktur, zu mehr Ordnung, zur effektiveren Handhabung von Energie. Genial wäre Lerners Buch indes, wäre der Autor nicht gleichfalls jenem Sirenengesang verfallen, dem auch Jeremy England, wie im ersten Teil beschrieben, verfallen ist, – wenn auch EINER anderen Melodie selbiger Hymne auf den Fortschritt.
Was beiden Rattenjägern fehlt, ist das Wahrnehmen menschlicher Energieräuberei, die sowohl dem Universum als auch dem Leben völlig fremd ist. Woher die Energie kommt und in welchem Kontext ihre Wandlung und das Recyceln geschehen, das hat enorme Auswirkungen auf das Wachsen des Rattenschwanzes – gar auf das primäre Auftauchen EINER Ratte. Lange bevor ihr Schwanz die Problematik EINER Evolution verdeutlicht, die ganz andere Sprachen spricht, als die einer Evolution, die unangefangen endlos sowie unbefangen losgelöst von jedwedem Problem ist. Warum? Weil die Evolution des Universums der Lösungsweg ist, bedingt durch eine Effizienz, die nicht auf Energieraub aufbaut und daher erst gar keine Probleme entstehen lässt.

In je mehr Becher wir blicken und je mehr Eiswürfel wir im Auge behalten, desto mehr Energie benötigen wir, die nicht im Kontext der universellen Evolution zur Verfügung steht. Je mehr Anfängen EIN unausweichliches Ende zugeordnet wird, desto mehr Entropie kommt ins Spiel und erschwert das einfachste Unterfangen der Welt: den ewigen Fluss von Wandlungsfähigkeit zu bewahren. Je wandlungsfähiger das Universum evolviert, desto wahrscheinlicher wird Leben – und desto wahrhaftiger bringen Lebewesen die LIEBE zum Leben zum Ausdruck. Entscheidend für uns Menschen wird sein, wie wir dieses Wort übersetzen – und in welchem Kontext. Davon weiß auch Jeremy England EIN Lied zu singen, EIN sirenenhaftes.

„There is more than one viable language for describing the world, and God wants man to speak all of them.“

Quelle

In diesem Zitat von ihm versteckt sich die Melodie des Anfangs und Endes, aus der technologischen Hymne der Energieräuber – weshalb England, trotz all seiner Bemühungen, die Welt berechenbar zu machen, an Übersetzungsfehlern scheitern wird. Die Evolution der Welt, sie ist eine Sprache. Eine einzige. Eine, die ganz einfach ist – ohne viel Zahlenwerk, ohne Datensätze, ohne Anfangspunkt und Ende. Die Art und Weise aber, in der wir seit Jahrtausenden technologisch fortschreiten und uns dem Leben weiterhin zugehörig wähnen, sie bezeugt Übersetzungsfehler zuhauf – und es werden derer immer mehr. Umso mehr, je mehr Messer immer schärfer geschliffen und immer größere Becher verteilt werden.