Wohin mit all unseren Problemabfällen?

Schwarzsehen und Schwarzmalerei sind nur zwei probate Mittel im modernen Problembehandlungswerkzeugkasten, um im Gewand einer Farbamnesieschwärze Probleme derart neu einzukleiden, dass sie förmlich mit der Normalität des Alltags verschmelzen. Daneben gibt es zahlreiche weitere Mittel und finstere, dunkle, schwarze Wege, mit denen man einen großen, fortschreitenden Bogen um Problemanhäufungen jedweder Couleur machen kann. Anbei die bekanntesten und deren eigentliche Absicht.

Schwarze Löcher
Wenn allerhand mathematisches Zahlenwerk vonnöten ist, um die Fehlbarkeit von Konstanten irgendwo im Nirgendwo verschwinden zu lassen, dann bieten sich solche lichterlosen, geistigen Konstrukte geradezu an. Schwarze Löcher, sie sind der kosmische Teppich, unter den sich reichlich Übrigbleibendes kehren lässt. Auf Nimmerwiedersehen?

Dunkle Energie und Dunkle Materie
Wenn unterm Strich von tonnenweise Datensätzen übrig bleibt, was niemand auszusprechen vermag, dann rührt die Zunahme von Nomen in der Forschung daher, dass derart Worte für das Verstricken im Kettenhemd des Fortschritts immer notwendiger werden, damit die Norm der faktischen Weltanschauung bestehen bleiben kann.

Darknet
Die Wege, die das Gute geht, können auch vom Bösen begangen werden. Nur geht das Gute nie jene Wege, die nur das Böse geht. Daher stehen dem Bösen immer mehr Wege offen als dem Guten, weshalb das Gute dem Bösen eher ins Netz geht als andersherum – der zusätzlichen Maschen wegen.

Schattenbanken
Alles, was die Gesellschaft nicht in das seriöse Bild von adrett gekleideten Finanzverwaltern einzuordnen vermag, wird bei Nacht und Nebel aus dem Mit-Scheinen-um-sich-Werferlicht der Öffentlichkeit entfernt und in einem geheimen Schattenreich versteckt, wohl wissend, dass das beste Versteck die Offensichtlichkeit ist. So offensichtlich, dass es die Öffentlichkeit offensichtlich nicht bemerkt.

Schwarzer Tod
Werden gesellschaftliche Entartungen und soziokulturelle Spielräume miteinander zwangsverheiratet, bleibt im Regelwerk von Zivilisationen nur eine Anweisung übrig, nämlich die Schuld ANDEREN in die Schuhe zu schieben, obwohl diese von Natur aus unbeschuht im Leben unterwegs sind. Hauptsache, man muss sich nicht eingestehen, dass Epidemien und Pandemien primär des Menschen Werk sind.

Von diesen farblosen Begriffen abgesehen, gibt es viele weitere, sei es das Schwarzgeld, die Schwarzarbeit, das Schwarzfahren und der Schwarzmarkt, sei es Schwarzbrot, Schwarzwald, Schwarztee oder das Schwarzwild. Auch Schatten gibt es derer viele: Schattenspiele, Schattenwirtschaft, Schattenregierungen, Schattenhaushalte und Schattenkabinette. Doch sie alle, die zuoberst aufgeführten inklusive, verblassen im Vergleich zu jenem Schwarzlicht, das Schwarzmaler und Schwarzseher gleichsam meiden wie schwarzgekleidete Vampire das gleißende Sonnenlicht, weil es die eigentliche WAHRHEIT immer intensiver strahlen lässt. Gemeint ist die Unfähigkeit der Spezies Mensch, endlich Farbe dahingehend zu bekennen, dass sie längst Probleme zuhauf geschaffen hat und kein wurzelpackendes Interesse hegt, sie wirklich aus dem Schattendasein zu befreien. Lieber wartet man auf den nächsten Schwarzen Freitag – oder Montag. Egal, solange das Wochenende dazwischen nicht in die dunkle Jahreszeit fällt.

Nun, die Handhabung von Problemen hat uns die Natur voraus. Dort, irgendwo in all den Schatten, die wir EINEN in die Welt werfen, dort hausen jene, denen die Haufen ANDERER Nahrung bedeuten, weshalb alle ANDEREN kein Problem mit dem Leben haben, egal, welcher Dunkelheit sie begegnen. Nur wir EINEN, wir Menschen, wir häufen immer weiter weitere Probleme an. Dafür haben wir sogar ein weiteres Nomen erschaffen und werden nicht müde, es schwarz auf weiß als Problemlöser Nummer 1 zu propagieren: Globalisierung. Es bedeutet: Mit neuen Problemen vorherige Probleme belassen und die neuen weltweit verkaufen – als Lösung der vorherigen. Gut Erzogene meinen dazu, dass wir Menschen die Welt zuhäufen. Böse Zungen indes bezeichnen es als das Zuscheißen selbiger.