Mit der Natur ist nicht gut Kirschen essen

Die Geschichte der Transformation von Mark Lynas ist EINE lehrreiche, dahingehend, wie ein ganzer Mischwald für EINEN einzigen Baum und nur dessen Früchte für wahrhaft nahrhaft gehalten werden können. Vorausgesetzt, die Früchte sind einwandfrei, sprich, ohne Macken, faule Stellen und sonstige Fehlbarkeiten, die dem Konsens der Nahrhaftigkeit zuwider laufen.

Die Transformation von Mark Lynas kann unter anderem hier nachgelesen werden oder auch in seinem aktuellen Buch ‚Seeds of science‚, das darzulegen versucht, warum gentechnisch veränderte Organismen, z. B. Pflanzen, keinerlei Gefahr für Mensch und Umwelt bedeuten, sondern als technologischer Segen angesehen werden müssen, anstatt verteufelt zu werden. Und das aus dem Mund eines Mannes, der noch vor ein paar Jahren Versuchsfelder zerstörte und Büros von Monsanto mit anderen Aktivisten besetzte, um auf die Gefahren der Gentechnik aufmerksam zu machen, und darauf, wie es Konzernen immer mehr gelingt, Unnatürliches als etwas ganz Natürliches zu verkaufen. 
Wie aber die eigene Glaubwürdigkeit dieser unglaublichen Transformation festigen, um sich Gehör zu verschaffen und ernst genommen zu werden? Das beschreibt der Autor in seinem aktuellen Buch wie folgt:

[ …] There were plenty of odd and contradictory papers out there for those who wanted to take contrarian positions. Indeed I and many others had accused Bjørn Lomberg of ‚cherry-picking‘ in our campaigns against his book. In order to avoid this trap myself, I tried to stick closely to the scientific consensus on climate change, and when arguing with climate sceptics in debates or in the media, as a non-expert I felt bound to try to represent the scientific consensus as faithfully as I could. Hence I was a devoted fan of the cumbersome beast that was the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), [ … ]

Quelle: Mark Lynas – Seeds of science – Seite 40

[ … ] but I knew already from my work on climate that basing conclusions on outlier studies that most other scientists took strong exception to risked accusations of ‚cherry-picking‘.
I decided to take the safe and trusted route of going back to the mainstream scientific consensus, by quoting statements from bodies like the Royal Society or the US National Academy of Sciences to bolster my case. [ … ]

Quelle: Mark Lynas – Seeds of science – Seite 42

Offensichtlich befindet Mark Lynas die tief hängenden Früchte am Baum der Erkenntnis als einwandfrei, sprich, als “safe and trusted“, denn nichts anderes ist sein aktuelles Buch: Kein Zeugnis von Rosinenpickerei, im Englischen cherry-picking, sondern die Überzeugung, dass die Gleichsetzung EINES Baumes mit einem Wald, den unzählige verschiedene Bäume bilden, ein ganz natürlicher Vorgang ohne jedwede Konsequenz für das Leben ist.
Warum die moderne Gentechnik mittels CRISPR keinesfalls mit dem natürlichen Werdegang der Evolution gleichsetzbar ist und wo all die scheinbar nicht vorhandenen Konsequenzen sich trotzdem offenbaren, das erklärt sich, wenn man den Wald voller Bäume einmal genauer betrachtet. Jener Wald, in dem auch der Baum der Erkenntnis steht, von welchem Mark Lynas nicht mehr lassen mag.

Der Wald, er ist riesig und er ist eingezäunt vom immer höher werdenden Konsens-Zaun der wissenschaftlichen Erkenntnis. Es gibt EINEN Eingang in den Wald und EINEN Ausgang. Am Eingang befindet sich EIN Schild. Darauf steht: Beware of cherry-picking. Verwittert darunter, kaum mehr lesbar, steht: Look at the woods as a whole, not at a single tree. Am Ausgang steht ein weiteres. Darauf ist deutlich zu lesen: The science is settled. Darunter, ebenfalls stark verwittert und kaum mehr entzifferbar, steht bzw. stand einmal: Like dust has settled on the truth.
Warum die Umzäunung? Weil der Wald EIN Wirtschaftsgut ist, dessen Ertrag das Ausmaß des menschlichen Fortschritts klarlegt. Einst ein von Natur aus wilder Wald, dem keinerlei Umzäunung Einhalt geboten hatte, hat der Mensch den Wald bereits vor Jahrtausenden seinen energieräuberischen Stempel aufgedrückt und ihn längst jeglicher Wildheit beraubt und aktiv wie passiv enorm zurechtgestutzt. Die moderne Wissenschaft nutzt den Wald mittlerweile exzessiv als Abbild dessen, was der Mensch unter Natur versteht, um zu verstehen, wie die Natur funktioniert. Was in dieser folgenreich fortschreitenden Erniedrigung der Mindestanforderungen an das Natürliche übrig bleibt und fortan als Konsens global verbreitet wird, das ist die Grundlage für Mark Lynas‘ hymnisches Loblied auf die moderne Gentechnik – ohne auch nur mit EINER Strophe anzudeuten, dass der Wald mit dem Konsens-Zaun EIN von Menschenhand geschaffener Märchenwald ist.

Keine Frage, überall in den Gefilden von Natur, die sich noch einen Kern ihrer Natürlichkeit bewahren konnten, geschieht etwas, das den Möglichkeiten der modernen Gentechnik entspricht. Überall bringen Viren und Bakterien Gensequenzen in das Genom anderer Lebewesen ein, z. B. das Bakterium Agrobacterium tumefaciens. Viren machen nichts anderes, als fortwährend in andere Genome zu gelangen und dort Veränderungen hervorzurufen, die denen der Genschere in den Labors der Forschung entsprechen. Nichts anderes behaupten auch all jene, die sich nur noch von einwandfreien Früchten ernähren, jene, die, all der Verteufelung durch Konsens-Gegner wegen, ihre Welt nicht mehr verstehen und bei denen Mark Lynas auf den Geschmack des Konsens gekommen ist. Durch Früchte, die der Wirtschaftlichkeit des eingezäunten Waldes zugutekommen und Ökologie derart in Ökonomie transformieren, wie sie Mark Lynas von Anti in Pro umgewandelt haben. Solange man demnach die nicht einwandfreien nicht und nur die Konsens-Früchte pflückt, weiß man um die Anzahl der treuen Abnehmer, woraus sich die Wirtschaftlichkeit letztlich ergibt.

Wo aber ist nun das eigentliche Problem der gentechnisch bewirkten Eingriffe, deren Ursprung innerhalb von künstlich beleuchteten Labormauern liegt und deren Möglichkeiten paradoxerweise als grenzenlos beschrieben werden, obwohl sie auf EINEM begrenzten Verständnis von Natur fußen? Dort, wo der Wald der vordergründigsten aller Zivilisationskrankheiten anheim gefallen ist: Kontextverlust, zwecks ertragreicher Vereinfachung und anschließender Verallgemeinerung.
Diese inzwischen chronische Krankheit hat Wissenschaft heuer zu dem gemacht, was sie weitestgehend ist: EINE Natürlichkeitsaustreibung, die dazu führt, dass den Zyklen der Natur der Kontext ihres Zustandekommens ausgetrieben und zugleich die Bedeutung des Sonnenspektrums, sichtbar wie unsichtbar, für das Leben selbigem abgesprochen wird.
Beide, Zyklen und Spektrum, spielen für die moderne Gentechnik – und wahrlich nicht nur für diese – keine nennenswerte Rolle. Aus beiden aber erfolgt, was von Natur aus einen wilden Wald entstehen lässt und verschiedenste Früchte hervorbringt. Auch solche, die nicht schmecken und solche, die von ANDEREN Lebewesen begehrt werden. Gentechniker, die dem Glauben verhaftet bleiben, dass ihr fortschrittliches Treiben denen der Viren und Bakterien entspricht, sie trainieren das Leben in Richtung permanente Verfügbarkeit und legen den Schwerpunkt auf Ertrag und dessen Steigerung – um weitere einwandfreie Früchte feilbieten zu können, damit der Konsens weiter zunehmen kann. Der Wahrheit aber, ihr glauben die Gentechniker nicht. Sonst sähen sie nämlich auch den Wald, all der Bäume wegen und würden akzeptieren können, dass nichts und niemand kompetenter und zudem weitsichtiger im Umgang mit Genomen aller Art(en) ist als das Virom des Lebens. Nur derentwegen kann künstliche Gentechnik niemals der natürlichen das Wasser reichen. Höchstens Fruchtsaft – als Konzentrat, frei von Kontext.

Aber die künstliche Gentechnik funktioniert doch sehr gut, wird nun manch EINER einwerfen, der vom Fruchtsaft bereits genascht hat. Seit längerem schon nehmen Menschen gentechnisch veränderte Lebensmittel weltweit zu sich, solche, die im Labor das Kunstlicht der Welt erblickten, und nennenswerte Folgen sind bis heute keine ersichtlich. Die Natur gibt es weiterhin und obendrein steigt die Lebenserwartung der Menschen global an. So schlimm können die Auswirkungen der Konsens-Bildung demnach nicht sein und Mark Lynas‘ Bemühungen, hinsichtlich der fruchtigen Feilbietung, wären somit absolut zu begrüßen und unterstützenswert, – was wohl auch Bill Gates bewogen hat, den Autor mit seiner Stiftung zu unterstützen.
Scheinbar ist es tatsächlich nicht so schlimm, nur hat die Sache, mal wieder, EINEN Haken.

Zum einen kann die Transformation von Anti zu Pro auch anders aufgefasst werden, wie hier beschrieben, und zum anderen sollte, nebst Wald, auch der Zaun um den Märchenwald näher betrachtet werden. Besagter Zaun ist nämlich vonnöten, um den Ausbruch der Wahrheit aus dem Wald zu verhindern, wozu aber umso mehr Energie benötigt wird, je höher und dichter der Zaun werden muss, damit sich auch weiterhin auf den EINEN Baum und dessen besonderen Früchte konzentriert werden kann. Energie, die anderswo geraubt werden muss, um in der benötigten, zunehmenden Menge jederzeit verfügbar sein zu können. Deshalb werden inzwischen nach und nach all die anderen Bäume im Wald umgehauen und als Energielieferant und Baustoff genutzt, damit Konsens Konsens und Baumanbetung Wissenschaft bleiben kann.
Es kann ja auch nur EINEN geben. EINEN Baum. Das ist nun einmal Fakt. Doch Fakt hin, Fakt her. F…ed ist, wer anders denkt oder von Natur aus ANDERS ist, weshalb die Wahrheit nicht daran gehindert werden kann, aus der Umzäunung zu entkommen. Getreu dem natürlichen Motto, dass, je höher EINE Mauer errichtet wird, sie umso tiefer untergraben wird – bis sie schließlich zusammenfällt, egal, wie sehr man sie zuvor mit Fakten zu untermauern gedachte. Und haben sich Bakterien, und insbesondere Viren, jemals von Mauern, geschweige von Zäunen, aufhalten lassen? Oder EINEM Baum, der sich ihnen in den Weg stellt, entwurzelt, da ohne Kontext zur Evolution des Lebens?

Den Kern Wahrheit, der Märchen zu eigen sein soll, den sucht man in den einwandfreien Früchten dieses EINEN Baumes vergebens, denn wozu sind Kerne gut, die nicht auf fruchtbaren Boden fallen können, weil sie zwecks Konsensbildung und Ertrag bereits frühzeitig gepflückt werden? Alle nicht einwandfreien und überreifen Früchte können hingegen zu Boden fallen und von ANDEREN Lebewesen gefressen bzw. von Andersdenkenden aufgelesen werden, sodass zahlreiche Kerne auch auf verschiedenen Wegen anderswohin gelangen können, jenseits des eingezäunten Waldes, namens Cherrypark.
So ist Natur von Natur aus, – immerzu findet sie einen Ausweg und folgt selten, wenn überhaupt, jenem, der zu EINEM vorgegebenen Ausgang führt. Wohl dem, der noch den Kern der Wahrheit in sich trägt und verstehen kann, warum nicht alles, was möglich ist, zugleich auch zwingend notwendig ist.

Oh, bevor ich es vergesse. Am Eingang zum Cherrypark gibt es noch EINEN Stand, wo man Mark Lynas Buch ‚Seeds of science‚, aber auch seine Bücher über den Klimawandel erwerben kann. Auch dort steht EIN Schild mit folgendem Text: By walking through our park you can witness the transformation of a looming shadow into a ray of sunlight. Heißt übersetzt: Erleben Sie Teufelsaustreibung, wie sie im Buche steht. Aber das steht natürlich nicht dort – auch nicht, dass Natürlichkeitsaustreibung nicht mit Teufelsaustreibung gleichsetzbar ist, ohne weitreichende und langwierige Konsequenzen, EINEM Rattenschwanz gleich, nach sich zu ziehen. Solange der Konsens der Wissenschaft lautet, der Natur müsse der Teufel mit allen Möglichkeiten ausgetrieben werden, profitiert einzig der tree-picker. Auf Deutsch: Tunnelblicker.

 

Ein Kommentar zu “Mit der Natur ist nicht gut Kirschen essen

  1. EIN Labor ist EIN geschlossenes System, Natur an sich ein offener Spielraum von Möglichkeiten mit ganz ANDEREN Prioritäten. Im Labors wird unter ökonomischen Gesichtspunkten geforscht, in der Natur ökonomisch Energie gehandhabt. Zwar reden wir EINEN gerne von Ökosystemen, nur übersehen wir dadurch das Wesentliche: Natur ist offen für alles, wenn es darum gehet, Energie zu handhaben und zu verkörpern. Und so wie ‚in vitro‘ nicht verstehen will, was ‚in vivo‘ zu sagen hat, sind Probleme vorprogrammiert:

    https://www.derstandard.de/story/2000087974268/manipulation-mit-crispr-laesst-populationen-von-malaria-muecken-kollabieren

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