Der Mensch im Affen. Und ANDERSWO auch?

Der Mensch ist verrückt, verrückt vom Energiewandlungsvermögen der Evolution. Macht er sich deshalb zunehmend “zum Affen“, um sich selbst immer wieder davon zu überzeugen, dass, erstens, die Natur genauso verrückt ist wie er und, zweitens, Evolution zwangsläufig in die Technisierung des Natürlichen übergeht? Daher vielleicht auch das Motto mancher, die proklamieren, dass alles, was nicht kontrollierbar ist, somit auch natürlich ist, egal, ob Börsencrash, Atomunfall oder die Ausbreitung der Digitalisierung.

Wie viel dieser Überredungsarbeit wir nötig haben, um uns noch der Natur zugehörig zu wähnen bzw. wie sehr wir ANDEREN Lebewesen menschenähnliche Eigenschaften in die nicht vorhandenen Schuhe zu schieben versuchen, damit unser (Fehl-)Verhalten keine menschliche Abart bleibt, das zeigt sich am Beispiel von Schimpansen:

Der Schimpansenkrieg von Gombe

Affen töten aus Gier nach mehr Land

Affen, die regelrecht morden und vergewaltigen, und das auf brutalste Art? Affen, die auf dem Kriegspfad sind, um Artgenossen, egal, ob zur eigenen Gruppe gehörig, ob jung oder weiblich, mit Steinen zu töten? Affen, die manch einem ANDEREN Affen sprichwörtlich Gliedmaßen und Hoden abreißen? Ist das EIN Beweis dafür, dass wir in unserem Verhalten nicht alleine sind? EIN Beweis gar dafür, dass dieses Verhalten ganz natürlich ist? Zumal unsere Gene bis zu 98 Prozent mit den Schimpansen übereinstimmen? Das ist doch eindeutig, oder?

Sieht man einmal davon ab, dass Menschen und Mäuse zu 97,5% und Menschen und Schweine zu 90% genetisch übereinstimmen und sieht man obendrein einmal davon ab, dass es nicht die Übereinstimmung der genetischen Syntax allein, sondern vielmehr die jeweilige Betonung bzw. Stummschaltung von Genen ist, die wirklich zählt, dann sollte man sich fragen, in welchem Kontext das Verhalten der Affen zustande kam – und wann es beobachtet wurde.

Die nachvollziehbarere und für uns Menschen wahrlich unbequemere Antwort, sie dürfte indessen anders ausfallen. Stellt man sich die Fragen, seit wann Menschen Affen für solche Verhaltensstudien beobachten und wann die Menschen das erste Mal auf Affen, in bis dahin von Menschen unberührten Habitaten, stießen, dann liegt dazwischen EIN Zeitraum, der viel Platz für andere Antworten bietet.
Wie so oft, wenn der Mensch aus der Gegenwart heraus die Vergangenheit betrachtet, neigt er dazu, nicht allzu weit zurückzublicken und die Auswirkungen seiner menschlichen Vorfahren auf Habitate aller Art(en) umso mehr zu vernachlässigen, je tiefer es in die Vergangenheit geht.

Ist es nicht wahrscheinlicher, dass das, was Affen an menschenähnlichem Verhalten an den Tag leg(t)en, von Affen erlebt und/oder beobachtet wurde, weil es ihnen oder ihren Artgenossen von Menschen zugefügt worden ist? Wie viele Begegnungen mag es in der Vergangenheit gegeben haben und wie sind Menschen in die Habitate ANDERER Lebewesen vorgedrungen, um sich diese Lebensräume anzueignen, zu plündern, zu vernichten? Was mag sich in Wäldern, durch die die Menschen, auf der Suche nach Reichtümern jedweder Art, zogen, an menschlichen Grausamkeiten abgespielt haben? Wovon mögen sie sich mitunter ernährt haben – und wie? Wie mögen ihnen Tiere, nicht nur Affen, gedient haben, um sich die Zeit zu vertreiben, sich zu “amüsieren“, zu profilieren? Welchem Wahn mochten sie erlegen sein, erschöpft, hungrig, gierig, erkrankt? Wie viele Affen wurden gejagt und gefangen genommen, um in den Labors Europas und Amerikas als Versuchstiere herzuhalten? Und all das soll an Generationen von Affen spurlos vorbeigegangen sein? Wie sehr hat der Mensch die Habitate ANDERER Lebewesen verändert, verkleinert oder gänzlich zerstört und dadurch maßgeblich deren Verhalten beeinflusst und verändert? Wie sehen diese Habitate heute aus? Und wie lange treibt der Mensch all diese Gräueltaten schon? Doch bestimmt weit länger, als die erste Feldstudie von Verhaltensforschern her ist. Und wo bereits die Rede von den Genen war, da passt auch Folgendes sehr gut ins Gesamtbild menschlichen Treibens und dessen Auswirkungen auf ANDERE Lebewesen:

Angst setzt sich nicht nur im Gedächtnis fest, sondern auch in den Genen. Experimente mit Mäusen zeigen, dass die schlechten Erfahrungen so über Generationen weiter vererbt werden. [ … ]

Mäuse vererben schlechte Erinnerungen

Das Experiment mit den Mäusen beleuchtet das Zusammenspiel von Epigenetik und den Genen, sprich, die Auswirkungen der Umwelt auf die Gene, wobei es die Umwelt ist, die Einfluss auf die zuvor erwähnte Betonung bzw. Stummschaltung der Gene hat. Aber wieso Mäuse? War nicht gerade noch die Rede von Affen? Eine ganz andere Frage ist, warum wir Menschen uns offensichtlich für Mäuse halten und doch meinen, wir würden von Primaten abstammen, während manche Männer als Schweine angesehen werden und viele Frauen panische Angst vor Mäusen haben, aber von Männern gerne Maus oder gar Mäuschen genannt werden? Liegt das alles an bzw. in den Genen? Nicht umsonst mussten und müssen noch immer Affen und Mäuse als Versuchstiere bzw. als Ersatzmenschen in Labors herhalten und längere Zeit stammte Insulin für Menschen vom Schwein. Offensichtlich stecken in uns Menschen mehr ANDERE, als wir EINEN in ANDEREN stecken – es sei denn, wir haben ANDEREN etwas vererbt, das sie von Natur aus nicht benötigen, da sie ohne Menschen der Evolution hätten treu bleiben und zudem über größere Habitate hätten verfügen können. So aber begegneten sie der K.O.-Evolution EINES Räubers und die Mär vom Kriegsaffen wurde irgendwann später geboren.

Nun, ANDEREN “Raubtieren“ ergeht es da nicht anders, wie die Geschichte Die Mär vom Raubtier im bald erscheinenden dritten Teil des dissoziativen Romans, mit dem Titel RAUB, erzählt, erhältlich ab Oktober 2018.