Fremdblutrot

Leseprobe aus Band 3: RAUB

Du öffnest das Fenster. Die nicht lange währende Kühle des Morgens, sie verscheucht die warmen Überbleibsel des Vortages im Nu. Mit nacktem Oberkörper trittst du auf den kleinen Balkon hinaus, streckst dich, noch in den sich lösenden Wohlgefängen des Schlafes verweilend. Das Leben im Dorf ist längst vor dir sanft erwacht, dessen Stimmen, Gesänge und Klangfarben reflektiert von den schroffen Erhebungen, die das Dorf in felsigen Armen durch die unverbrüchlich lebenswerten Zeiten tragen.
Mit keinem Ort auf der Welt würdest du tauschen wollen. Nicht, dass du andere Orte anderswo kennst. Was aber könnte dir EIN anderer Ort geben, wenn dir hier nichts von dem genommen wird, was du anderswo nicht finden würdest
Hier ist es nicht nur der rötliche, ferne Schleier, der die Vorbereitungen zum Sonnenaufgang begleitet. Es ist nicht nur der Sonnenaufgang selbst, dieses Leben erweckende, vibrierende Emporgleiten aus dem sternenübersäten Orkus. Es ist nicht nur der Duft der Gewürze, die in den kleinen Hinterhöfen zum Trocknen auf die Wärme des Tages warten. Nein, alledem voran ist es das sättigende Rot der Gewänder, die, um die Körper der jungen Frauen fließend, sich ganz deren Rundungen und Bewegungen hingeben. Wenige von ihnen tänzeln bereits durch die schmalen Gassen. Vorbei an den lehmfarbenen Häusern, in denen die sehr Jungen nach der prallen Brust der Mutter verlangen und die Ältesten, je nach Geschlecht, Mutter und Kind betrachtend, in Erinnerungen schwelgen. Ein jeder von ihnen einem eigenen, vergangenen Verlangen nachspürend, ohne dabei EINER Schwere im Herzen zu verfallen.
Es ist nicht die Zeit, sagt man hier im Dorf der Zeitlosigkeit, die alle Wunden heilt. Nein, es ist der Mut, die Wunden nicht möglichst lange zu verbergen. Diesem Mut begegnet, wer seine Schritte durch das Dorf bewegt, bereit, ab und an zu verweilen. Dieser Mut, er ist des Dorfes offenkundiges Geheimnis – und der vordergründigste aller Gründe, warum du an keinem anderen Ort allmorgendlich aufwachen möchtest.
Und dann ist da noch Esraa.

Du kennst Esraa seit Kindesbeinen an. Ihres ist das Gewand, dessen Rot zu leuchten vermag wie kein anderes Rot im Dorf. Du spürst es längst: Eines nicht allzu fernen Tages wird sie deine Frau werden und eure Tochter gebären, ihr Name Aurora. Es ist eine wundersame Vorhersehnung, die mit jedem weiteren Morgen nichts von ihrer Magie verliert. Im Gegenteil. Wann immer Esraa die Bühne des Sonnenaufgangs betritt und dir ihr Lächeln auf deinen kleinen Balkon hochschickt, intensivieren sich die Düfte, die deine Nase umwehen; verwebt sich die frühe Kühle mit den Poren deiner nackten Haut; hörst du den Schleier jenseits der Anhöhen verspielt tuscheln; schmeckst du das Aroma reifer Früchte, deren Fruchtfleisch das Rot von Esraas Gewand zum alleinigen Vorbild hat – und siehst du eure sich nähernde Zukunft so deutlich, wie du deines Blutes Rauschen, auf dem Balkon stehend, gewahr wirst, durchtränkt von der Klarheit deiner Sinne. Das Licht der Welt ist Esraas Antlitz, ihre Anmut die Welt selbst. Es ist alles, was dir zum Leben genügt.
Du reckst noch einmal deine Glieder, sämtliche Müdigkeit inzwischen gewichen, und dein Körper weiß: So wird es sein. Hier, an der Seite von Esraa, wirst du dein WAHRES Menschsein ausleben können.

Im Dorf mutiger und entsprechend lebensnaher Menschen wird eine Hochzeit gefeiert. Jene, von der jeder Dorfbewohner lange schon Kunde hatte. Nun trägt sie sich zu. Du bist mittendrin. Den Bund der Ehe gehst du mit deiner Göttin ein, die keinerlei Verherrlichung und keiner Anbetung bedarf; die einfach nur sie selbst ist. Ein irdisches Wesen, verkörpert als stoffwechselnder Kosmos. Ihr gleitet über rote Blüten, die die Kinder des Dorfes werfen; die langen roten Bänder im Haar deiner Braut wehen im Wind; ihre roten Lippen noch benetzt vom Kuss, der euren Bund für leibhaftig erklärte. Alle im Dorf sind auf den Beinen, jeder Sonnenstrahl sich sodann vermählend mit dem Lachen und Singen, jeder Atemzug eurem Glück zuträglich. Es füllt die Senke, in der das Dorf gedeiht; schwappt über die Hügel und Felsen, die es umgeben; breitet sich aus über das umliegende fruchtbare Land; beseelt die Luft und füllt die Herzen derer, die offen für das Glück anderer Menschen sind. Rot leuchten die Wangen der Mädchen; rot schimmert das Wasser, auf langen Tischen in funkelnden Gläsern dargeboten; rot verziert sind die Instrumente der Männer, die bis tief in die Nacht für euch Lieder spielen, die voller Erinnerungen an die Geschichte des Dorfes sind. Irgendwann stimmen die Sterne mit ein; irgendwann glitzern sie in Esraas Augen; irgendwann, nicht mehr fern eines neuen Sonnenaufgangs, trägst du deine Göttin über die Schwelle eures Hauses, verabschiedet von winkenden Händen und herzlichem Gesang. Der Glanz in den Augen aller Versammelten steht jenem in den Sternen in nichts nach. Es ist euer Tag gewesen, der Rest der Nacht gehört euch beiden nun ganz allein. Die Tür, sie schließt sich lautlos.

Eng liegen eure beiden Körper, einem einzigen Körper gleich, auf dem Laken beisammen, deine Hand erneut unterwegs auf einem Terrain, das die Finger unablässig in seinen Bann zu ziehen vermag. Überall Entdeckungen, die, bereits entdeckt, genug Raum für Unentdecktes lassen. Esraas warme Haut führt dich in Täler, in denen du dich auf ewig verlieren könntest, nur um, dankbar für das Erleben, auf Anhöhen geführt zu werden, für die dir augenblicklich Flügel wachsen. Du malst den Weg auf Esraas Körper, deine Lippen langsam der Spur folgend, mal kurz verweilend, mal länger dort verbleibend, wo gefühlte Tiefe mit sinnlicher Weite verschmilzt.
Erst gegen Morgen empfängt euch der Schlaf mit stets offenen Armen, im Osten erste frühe Andeutungen.
»Aurora«, flüstert Esraa, ihre Augen wieder schließend. »Ein wahrhaft schöner Name.« Du drückst ihre Hand und folgst ihr, dein Gesicht umspült von ihren Haaren, bereit, darin zu ertrinken, ein Leben lang.

Aurora, des Dorfes Wirbelwind; ein Mensch gewordenes Naturschauspiel; eine Freudenträne wert, wenn du sie im roten Gewand mit dem Wind herumtollen siehst. Jenes Rot, welches in der Geschichte des Dorfes tief verwurzelt ist, gewonnen aus einem sehr seltenen Mineral.
Aurora, die kosmischen Vorgaben ihrer Mutter um wortlose Nuancen bereichernd. Ein funkensprühendes Geschöpf, jedes schwere Gemüt mit Leichtigkeit entfachend, sobald Auroras dunkle Augen Annäherungen von Schwere erblicken. Erzählungen von geheimnisvollen Wesen, von wundervollen Begegnungen, sprudeln bei jeder Gelegenheit aus ihr hervor, das Rot des Dorfes auch in diesen kindlichen Erfrischungen verwoben. Wenn offene Ohren an Ort und Stelle zugegen sind und für Funkenflug und Wunder offenbleiben, dann geschieht es einfach so. Aurora, eine Lebendigkeit, die vergessen lässt, zu was Menschen anderorts niederträchtigst bereit sind, und stattdessen offenlegt, was Menschen wirklich zu verkörpern imstande wären, befreite man sie aus jenen Ideologien, die mancher Menschen gesamtes Sein bestimmen. All diese Ketten zu sprengen, das traut man ihr zu, wenn sie barfuß und taufunkelnd lachend durch die Gassen saust. Angespornt von einem Urgefühl, das sie einfach auslebt, weil sie ein Gespür für die Beziehungen sich aufeinander Beziehender hat. Sie sieht und hört und riecht, wie sich deren Beziehungen wohlwollend verbinden können, klangvoller werdend, voller Poesie. Dieser frohgemute Klang, er begleitet sie und fragst du sie, wie er klingt, hält sie kurz inne im Erzählen ihrer Geschichten und im Bewegen ihres heranwachsenden Körpers. Sie schaut dich an und sofort sammelt sich erneut eine Freudenträne in deinem Augenwinkel, konzentriert sich doch ihr gesamtes Wesen augenblicklich auf diesen einen Moment mit dir.
»Wie der Fluss, wenn die Morgensonne schwerelos auf ihm schwimmt«, sagt sie keck. Sie meint damit das klare Gewässer, das sich, nur wenige Kilometer von eurem Haus entfernt, durch üppige Vegetation schlängelt. Ihre Aussprache ist es, gepaart mit diesem Blick, die der Freudenträne letztlich einen winzigen Stubbs gibt, dir eine Ahnung unbedarften Vermögens schenkend und dich, derart beschenkt, an deine Hochzeitsnacht erinnernd – sowie an Esraas leise Worte: »Aurora. Ein wahrhaft schöner Name.«
Du hebst deine Tochter in die Höhe, drückst sie an dich. Auszusprechen, was du ihr sagen möchtest, gelingt dir nicht, das Misslingen ein weltumspannendes Kohärenzgefühl, der Duft von Auroras winddurchwehten Haaren der des Regens, der in den Bergen, talwärts glucksend, zum Behältnis für die Sonne wird.
Auroras außergewöhnlichste Geste? Ihre Unbekümmertheit dem Leben gegenüber – ohne dabei leichtsinnig zu sein. Sie verkörpert es, wie es keinem anderen Dorfbewohner zu eigen ist.

Gemeinsam mit Esraa sitzt du auf einem der Hügel. Im Dorf, euch zu Füßen tiefer gelegen, trocknen die roten Gewänder auf langen Leinen unter dem Blau des Himmels. Zwölf Jahre ist euer beider Heirat nun Teil des Dorfes. Unterdies baut nicht eine eurer Lebensgeschichten auf jenem Irrtum auf, der jenseits jener Horizonte liegt, die euer Leben umgeben und so die Erinnerungen einzig auf Wesentliches begrenzen. Jener Irrtum vom Fortschritt, der, aus der Gegenwart heraus, über den Verlauf der Vergangenheit bestimmt und umso mehr Unwahrheiten zu schwankenden zukünftigen Gebäuden verbaut, je weiter gegenwärtig vom Wesentlichen abgewichen wird. Nichts dergestalt Irrtümliches färbt eure Sicht der Welt mit EINEM künstlichen Farbanstrich, der einzig die Oberfläche bedecken und Unwahrheiten verdecken täte. Eure Farben, eurem Lebensgefühl gleich, sind hingegen authentisch – von selbiger Durchdrungenheit wie das Schwarz einer neumondigen Nacht.
»Was denkst du«, fragt dich Esraa, »wenn du weiter siehst, als dich der Horizont sehen lässt?« Sie sitzt dir gegenüber, zwischen deinen ausgestreckten Beinen, ihre Beine über deine gelegt. Deine Hände streicheln ihre Unterarme, ihr Blick in deine Augen deine Seele; eure Körper und all deren Blut geerdet.
»Wofür soll ich in Gedanken fortschweifen? Mir genügt die Nähe, in die mein Körper eingebunden ist.« Du legst deine Hände auf Esraas Oberschenkel. Sie gleiten über den Stoff zu ihren Hüften, wo sie die Erhebungen des Beckenknochens finden, beschützt vom weichen Fleisch.
»Wo Weite am nächsten, wo Nähe am tiefsten ist, da ist mein Zuhause.« Deine Hände bleiben, wo sie sind. Esraa lächelt und das Lachen deiner Tochter, irgendwo im Dorf unterwegs, findet sich darin wieder.
»Es klingt schön«, sagt Esraa leise. »Erweckt es aber nicht die Vorstellung von einem Kind, das nicht geboren werden will? Weil es der Mutter nie wieder so nahe sein kann, kaum, dass es geboren ist?«
Du schaust hinunter ins Dorf, zwischen den Dächern die quirlige Gegenwart eurer Tochter zu erhaschen versuchend. Das Morgenrotfest kündigt sich bereits an. Überall in den Häusern und Anbauten, auf den Plätzen im Freien, den Feldern und Gärten, da wuseln die Bewohner und tollen deren Kinder umher. Lange ist es nicht mehr hin, bis zum Beginn der Feierlichkeit.
»Solange die Sonne rot hinter dem Horizont aufgeht, solange trägt uns Mutter in sich und wir können uns ihrer Nähe gewiss sein.« Deine Hände rutschen unter den Stoff. Esraas samtene Wärme – der Horizont deines gefühlten Zuhauses. Darüber hinaus, bis zum Horizont, den deine Augen erblicken, alles zum Leben Notwendige.

Nirgendwo auf der Welt gibt es das Mineral, dem zu Ehren das Morgenrotfest gefeiert wird. Nirgendwo – von den Gesteinsschichten abgesehen, die das Dorf umgeben. So erzählen es seit Generationen die Ältesten und geben es die Jüngeren weiter, wenn sie die Dorfältesten sein werden. Es ist das rote Konzentrat des Lebens, allmorgendlich aktiviert vom Licht der Sonne; Quelle von Lebenslust, zugleich von Todesgewahrsamkeit, immerzu in HARMONIE, einander vertraut, sich begegnend.
Aufwendig und in langsamen Prozessen wird das Mineral von Hand gewonnen, stets nur in geringen Mengen der Erde entnommen. Bevorratet verlöre es rasch an Wirkung. Zwar bliebe dabei manche Eigenschaft erhalten, doch schwände jene, die für das Dorf von besonderer Bedeutung ist. Nicht, weil mitunter Monate zwischen der Ernte des Minerals und seiner Verwendung lägen, trüge der Verlust sich zu, nein, vielmehr, weil die angesammelte Masse vor Ort die besondere Wirkung aufhöbe – was umso schneller geschähe, je mehr zur Verfügung stünde. So vollbringt das Mineral, feinst vermahlen, eine durchgehende Färbung nahezu aller nicht metallischen Materialien, wie sie unter allen Elementen und deren Verbindungen einzigartig ist. Stoffe, durchtränkt von einer alten Rezeptur, verleihen den Gewändern der Dorfbewohner das intensivste aller roten Spektren; Wasser, bestäubt mit dem Zehntel einer winzigen Prise, verflüssigte Sonnenglut; vermischt mit Kräutern, vermengt zu einer Paste, aufgetragen auf Wunden, verhilft es all denen zu rascher Genesung, die, über dieses bereits Wundersame hinaus, keine weiteren Wunder erwarten; sirrende Saiten, von kundigen Fingern berührt, befähigt zu klangvollendeten Akkorden, wenn das glatte Holz des Instruments Verzierungen aus Morgenrot trägt; Feste unvergessen, wann immer, wie im Dorfe nun angedacht, dem Mineral zu Ehren, Gesang und Tänze, Trank und Speise, Lachen und Tränen allesamt zu einer benedeienden Melange verwoben werden, sämtliche Sinne, weit über den Festtag hinaus, aus tiefstem Herzen das Leben hochleben lassend.

»Mein Namensfest«, quiekt Aurora vergnügt. Sie hüpft aus dem Bett – erst ein einziges Jota Sonnenlicht über dem Horizont ersichtlich. Sie spritzt sich kaltes Flusswasser ins hellwache Gesicht, schlüpft in das von der Sonne des Vortages getrocknete rote Gewand, springt durch den Raum und dann die Treppe hinab.
Auf dem zentralen Platz des Dorfes sind die Männer, inmitten von Werkzeugen und Gefäßen, schon damit beschäftigt aus der Umgebung zusammengetragene Gesteine, von der Größe reifer Äpfel, zu zerkleinern. Tische und Bänke stehen bereits, die Vorfreude ist zum Greifen nahe. Jedes Gesicht, das man anlacht, bezeugt es frei heraus.
»Aurora, Aurora«, rufen mancherorts Kinder aus den geschmückten Fenstern. Sie lassen ein paar Blüten herabsegeln, den länglichen Körben entnommen, die auf den Fensterbänken stehen; nur um anschließend rasch einen Blick über ihre schmalen Schultern zu werfen. Hauptsache, die Mütter im Haus bemerkt es nicht, sind die Blüten doch erst für den nachmittäglichen Höhepunkt des Festes angedacht. Die Luft, überall rein, denn, welche Gasse Auroras bloßen Füße auch berühren, da begleiten sie sattrote Blüten. Die Gassen füllen sich mit klatschenden Händen, mit wippenden Füßen, mit wehenden Gewändern und Bändern in langen, kräftigen Haaren. Brillen sucht hier EINER vergebens. Hier wird jeder Augenblick noch unverzerrt wahrgenommen. Hunde spielen mit erwachenden Schatten, Katzen streichen sanft an den Wänden entlang, die gemächlich von der Sonne erwärmt werden. Die Hühner plustern sich auf, staksen redselig umher und Ziegen, mit ihrem neugierigen Nachwuchs, machen sich auf den Weg, hinter Aurora her. Überall recken sich sorglose Gesichter dem Licht entgegen, nirgends flammen Streitigkeiten auf, tragen sich diese von Natur aus nur äußerst selten im Dorfe zu. Man hilft untereinander, teilt ungefragt. Man nimmt einander wahr, akzeptiert denjenigen, der einem gegenübersteht. Nie ist es anders im Dorf gewesen, weshalb sich die Erinnerungen der Ältesten in den klarsten Farben um den Kosmos des Lebens drehen. Und dieser Tag, wie er sich gerade aus dem Kokon des Morgens entfaltet, gekleidet in ein prächtiges Himmelsblau, durchzogen von Orange und einer türkisenen Andeutung am Saum, dieser Tag hat bereits einen Ehrenplatz in den Erinnerungen aller Bewohner inne, noch bevor sich zu erinnernde Festivitäten zugetragen haben. Fast, als wäre der Tag selbst eine Notwendigkeit, deren Tragweite der Tag vom eigenen Anbeginn an ahnte.

Aurora spürt des Tages Grandeur, durchzogen von jener Ahnung. Ein seliges, klingendes Gefühl, wie sie es auf keinem ihrer vorherigen Feste bisher erlebt hat. Aus diesem schöpft das junge Mädchen nun sämtliche mitreißende Energie, mit der sie das Dorf vorbehaltlos in ihren Bann zieht – als gelte es, noch einmal alle
Kräfte zu erwirken, die der Dorfgemeinschaft möglich sind.
Esraa und du, ihr spürt es auch, mit eurer Tochter Hand in Hand, sobald das Fest für eröffnet erklärt ist und alle Bewohner, jedweden Alters, die ersten Schlucke Wasser zu sich nehmen, versetzt mit dem Zehntel einer Prise Morgenrot. Einer winzigen. Es genügt. Zeitlebens ist es so gewesen.

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