Sich schwerwiegend in Sicherheit zu wiegen …

… sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Damit gemeint sind die Erfolgsmeldungen von Senioren, die auch im hohen Alter immer fitter bleiben, wie zum Beispiel:

Deutsche Senioren sind viel fitter als früher – ein gewaltiger Fortschritt

Quelle: AKTIVonline

Geborene zwischen 1930 und 1950 fühlen sich sowohl körperlich als auch geistig  fitter als gleichaltrige Vorgenerationen. Sie unternehmen Reisen, studieren, laufen Marathon, arbeiten und denken noch lange nicht an Krankheit und Altersheim.
Natürlich, so sagt man, liegt es am Fortschritt, mit all seinen Vorzügen. Sei es hinsichtlich der Ernährung, der Medizin, besserer Umweltbedingungen oder des friedlicheren Miteinanders der Staaten, insbesondere in Europa.

Längst wird die Lebenserwartung höher gesetzt und den zukünftigen Senioren weitere Fitness in Aussicht gestellt. Man hört gar schon, dass das Altern in naher Zukunft generell seinen Schrecken verlieren wird, all der Möglichkeiten wegen, die uns der weitere Fortschritt in sich nähernde Aussicht stellt. Vielleicht wird das Wort Senioren bald sogar zum Unwort des Jahres gekürt und alsbald aus dem Wortschatz verschwinden.
Also alles bestens!? Nö, die Sache hat, wie so oft, wenn wir Kontext missachten und EINEM linear begrenzten Tunnelblick verfallen, EINEN gewaltigen Haken.

Wie kann es sein, dass Senioren immer länger fit sind und Junior immer früher und öfter chronisch krank wird?

Kinderärzte: Mehr chronisch kranke Kinder in Deutschland

Quelle: aerzteblatt.de

Ist es nicht eher so, dass “die Alten“ aus schlechteren Zeiten kommen und in die Vorzüge des Fortschritts in EINEM Tempo und Ausmaß hineingewachsen sind, wie keine Generation vor ihnen? Ist es nicht eher so, dass “die Jungen“ bereits aus den guten Zeiten kommen und so die Auswirkungen des Fortschritts in EINEM Tempo und Ausmaß zu spüren bekommen, wie es “den Alten“ erspart geblieben ist? Ist es nicht eher so, dass vor dem rasanten Emporsteigen des Fortschritts die “Jungen“ fit waren und “die Alten“ krank und dieses Verhältnis sich nun mehr und mehr umkehrt? Wie lange es derart verkehrt wohl anhalten kann?

Nun, die Frucht des Fortschritts, die fitte Senioren heute genießen können, sie ist überreif. Die Generation “der Jungen“, die in vielerlei Hinsicht immer kränker wird, sie deutet das Dilemma bereits an. Was in den letzten Jahrzehnten auf den Bumerang des Fortschritts geschrieben wurde, kehrt nun mit voller Wucht zurück.
Für “die Alten“ hat der Fortschritt in der Tat weit mehr Vorteile, als es für “die Jungen“ heute der Fall ist. Gleiches gilt für das Leben in der Großstadt – früher eher Segen, heute und in Zukunft mehr und mehr Fluch.
Was das für die nahe Zukunft bedeutet? Nicht das Wort Senioren wird in Vergessenheit geraten, sondern das Adjektiv fit in Verbindung mit Senioren, schließlich werden die bereits chronisch kranken “Jungen“ ja auch älter.

Keine Frage, der Fortschritt wird auf jeden Fall auch hier seine Chance wittern und versuchen, den Schein EINER steigenden Lebenserwartung weiter aufzupolieren, obwohl dieser Schein schon länger EINE Selbstbelügung ist. Was der Körper auf natürlichem Wege nicht zu leisten vermag, das wird auch weiterhin durch profitable Versprechen vorgegaukelt und mittels Attrappen realisiert. Fortschritt, wie er noch immer gedacht wird, er schreckt auch nicht davor zurück, EINE überreife Frucht – nämlich sich selbst – möglichst lange am “Baum des Leben“ zu halten – einzig bedingt durch reichlich Fremdenergie:

Solch ermöglichte Fitness wird zum Damoklesschwert, wenn man sie über Generationen hängt, deren Geschichte nicht im Kontext der ganzen Geschichte betrachtet wird. Das gilt obendrein für die immunologische “Fitness“, die seit Jahrzehnten weltweit den Säuglingen und Kindern eingeimpft wird. Auch diese steht auf dem nun wiederkehrenden Bumerang – EIN gleichfalls vergeblicher Versuch, EINEN weiten Bogen um die ganze Geschichte machen zu können.

Was daraus folgt? Nun, die vermeintliche Zunahme von Fitness bzw. “Fitness“ offenbart sich als EIN Trittbrett, auf das man mit EINEM Schritt aufspringen konnte, um aus EINER schlechten Zeit geradewegs in EINE gute zu gelangen. Je höher der Sprung indes gelang, desto länger ist der von dort fortgeworfene Bumerang seitdem unterwegs – aber desto näher kommt EINE Generation dem Damoklesschwert. Das ist die Krux, wenn EIN Fortschritt nahezu komplett auf der permanenten Verfügbarkeit von Fremdenergie aufgebaut ist, denn wer den Bumerang geworfen hat, ist nicht derjenige, zu dem er irgendwann hinterrücks zurückkehrt.

Wenn menschgemachte Katastrophen und Kurzsichtigkeit zu Problemen führen, wozu insbesondere Kriege gegen andere Menschen und ANDERE Lebewesen zählen, dann kann das keine dauerhafte Basis für EINEN Fortschritt sein, der erst dadurch befruchtet wird. Vielmehr sollte Fortschritt ANDERS gedacht werden, um derart Katastrophen und Kurzsichtigkeiten zu vermeiden, damit auch weitere Generationen nicht länger vor den Interessen der Wirtschaft kriechen müssen – nur um nicht von EINEM Bumerang getroffen zu werden bzw. um sich möglichst fern von der Spitze EINES Schwertes halten zu können.
Um EINEN solchen ANDEREN Fortschritt dreht sich ALLES in meinem neuen Buch Mein Job, dein Krebs, unser Universum, das im März 2019 erscheinen wird. In Form EINES Sachbuches, das in sich ganz ANDERS ist, als man es von EINEM Sachbuch bisher gewohnt ist, des Rattenschwanzes wegen, zu dem EIN bisheriger Fortschritt längst entartet ist.

Findet dagegen kein Umdenken statt, dann häufen sich Missverständnisse durch Kontextverlust immer weiter an. Die eigentlichen Probleme gehen unter und der Ursprung EINES Dilemmas, welches zum Multilemma EINER Spezies entartet, wird unvermindert als EIN Fortschritt propagiert. Nur wovon wir wirklich fortschreiten, dass bleibt gänzlich unerwähnt.